chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Hexenhaus und Beutelmaus

Hat man schon jemals davon gehört, dass ein Wombat der Vertraute einer Hexe ist? Oder dass die Fantasy-Welt von einem Troll gemanagt wird? Oder dass eine Hexe nicht böse ist, sondern eine andere Form von Psychotherapeutin? Alle diese Figuren trifft man in „Hexenhaus und Beutelmaus“ – und auf eine Menge witziger Ideen, die die Spiele- und Fantasyszene ein bisschen auf den Arm nehmen.

Hali, bewusst hässliche Hexe, hat keine Lust, irgendwelche Jugendlichen aus unserer Welt durch ihre Heimat zu führen – nur, um ein fragwürdiges Unterfangen zu unterstützen: „Fantasy ist ein ernsthaftes Geschäft. Es ist unsere Aufgabe, den Außenweltlern bei ihrer Reifung zu helfen, indem wir sie mit ihren Ängsten konfrontieren und sie dadurch dazu bringen, ihre Probleme selbst anzugehen.“ Aber ihre Zweifel helfen nichts: Hali muss ran und den Job machen. Und dass sie sich dafür auch noch optisch aufpeppen soll, macht die Sache nicht besser.

Worum geht’s?

Die magische Welt ist eine Parallelwelt zu unserer. Forscher in der Zaubererwelt haben herausgefunden, dass es immer weniger Magie gibt. Und zwar, weil in unserer Welt (der „Außenwelt“) immer weniger Menschen an die Märchenwesen glauben. Hali arbeitet für die „Verwaltung“. Sie piesackt oder therapiert (oder wie auch immer) Menschen, die sich im Traum oder in der Realität in die Magiewelt verirren. Vor allen Dingen Jugendliche. Und sie bekommt immer weniger Aufträge, weil die „Kunden“ ausbleiben.

Wombat

Zusammen mit ihrem Vertrauten – Bernie – wird sie zu einem Termin bei ihrem Boss beordert. Der ist ein Troll mit großen Ambitionen: Er will die Märchenwelt retten, indem er sie in einen großen Park umwandelt. „Grimms Welt“ soll das neue Lieblingsspiel von Fantasy-Rollenspielern werden. Dazu wird den „Außenweltlern“ vorgegaukelt, in ein Computerspiel einzusteigen. In Wirklichkeit werden sie betäubt und dann in die Märchenwelt geführt.

Der Testlauf startet mit vier Spielern, die die Teilnahme gewonnen haben. Da ist Leo, übergewichtiger Top-Spieler, der meint, eine Menge Waffen und ein Kettenhemd sei das Wichtigste, mitzunehemen – Sch… auf Essen. Die 15jährige Tracy und Einzelkind Oliver gehen pragmatischer an die Sache heran. Sie nehmen Degen und Bogen, Waffen, mit denen sie schon mal hantiert haben. Der Vierte im Bunde ist Jamison, ein Spielekritiker, der von Anbeginn an an allem was zu meckern hat.

Schon bald werden Leo die Waffen zu schwer und die drei anderen finden zwar die Landschaft toll – aber wo bleiben die Abenteuer? Als Hali dann bei der „Ungeheuer-Gewerkschaft“ ein „Monster“ ordert, das sich leicht töten lässt, sind alle Möchtegern-Monster-Töter eins, zwei, drei im Gebüsch, Oliver kann sein Schwert nicht ziehen und Tracy fällt steif und halbtot vor Angst vor dem fast nackten Dienst-Ungeheuer um.

Im Lauf der Zeit erleben die Vier und „ihre“ Hexe einiges an Begebenheiten, aber kaum ein „richtiges“ Abenteuer. Hali guckt nach einer neuen Hexenhütte – und das bestimmt insgeheim den Weg, den die Gefährten zurücklegen.

Am Ende ist Jamison ein Riesen-Mistkäfer, Leo weder reich noch mit magischen Schwertern gesegnet und Oliver verliert seine Traumprinzessin wieder. Aber sie befreien das Märchenland doch noch von einer irrgeleiteten Hexe und am Ende wird wie in einem richtigen Märchen alles gut.

Fazit

Die Geschichte ist leider manchmal etwas zäh und langatmig, sprachlich ist „Hexenhaus und Beutelmaus“ kein Kracher. Das mindert das Lesevergnügen. Trotzdem war die Geschichte vergnüglich, die Idee hat mir gut gefallen. Manche Wendungen waren überraschend. Außerdem nimmt die Autorin auf eine humorvolle Art die Rollenspieler-Gemeinde auf die Schippe: Keine High-Scores an toten Monstern, keine großartigen magischen Artefakte, keine fetten Punktestände etc. Dafür tolle Landschaft und echte Blasen und jedes Schwert wiegt ernsthafte Kilo. Sogar auf’s Klo müssen die Helden mal  … (ms)

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Hexenhaus und Beutelmaus
Autor Carolyn Cushman
Seiten 457
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Bastei Lübbe
Jahr 1997

Foto: © Phillie Casablanca/flickr – CC BY 2.0

Advertisements

Comments are closed.

%d Bloggern gefällt das: