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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Die Flüsse von London

„Die Flüsse von London“ ist ein Krimi. Und Fantasy. Es gibt mehrere Mordfälle, die Polizei spielt mit und Geister, Vampire und Flussgötter treten auch auf. Und das Ganze ist wunderbar miteinander kombiniert und verwoben und es macht Spaß, die Geschichte zu lesen.

Hauptfigur ist Peter Grant, ein Londoner Polizeianwärter. An einem der letzten Tage seiner Probezeit steht er nach einem Mordfall Wache am Tatort. Und trifft einen Geist. Der erzählt ihm den Tathergang und was er gesehen hat. Sehr schön: Peter macht sich als erstes Gedanken, dass er den Geist ordnungsgemäß befragt: „Name, Wohnort“ etc. Ich hab‘ gelacht 🙂 … und mir überlegt, wie es wohl weitergeht.

Am nächsten Tag wird über Peters Zukunft bei der Polizei entschieden und er soll – *grusel* – zu den „Aktenheinis“. Voller Frust ertränkt er mit seiner Lieblingskollegin Lesley (auf die er auch mehr oder weniger scharf ist, aber nicht landet) seinen Frust im Bier und erzählt ihr von dem Geist. Er versucht, den Geist wiederzutreffen und weiter zu befragen. Aber der lässt sich nicht blicken.

Geister in London

St. Pauls Church - Schauspielerkirche in London. Foto: Angelo Romano/flickr.com

Die St. Pauls Church in Covent Garden in London, auch Schauspielerkirche genannt, ist einer der Hauptorte in „Die Flüsse von London“

Statt dessen trifft er einen schnöselig angezogenen Typen. Der fragt ihn, was er denn mitten in der Nacht in der Nähe der St. Paul’s Church treibt – und Peter erwidert wahrheitsgemäß „Geisterjagd“. Als der Mensch ihm seinen Ausweis zeigt, versinkt Peter beinahe vor Scham im Boden, stellt sich der Unbekannte doch als „Thomas Nightingale, Chief Inspector“ vor. Und der wird … sein neuer Vorgesetzter. Nichts mit Aktenheinis, dafür mit einer Ausbildung im Übersinnlichen. Denn Nightingale ist der einzige Angehörige einer Sondereinheit der Londoner Polizei, der sich schon seit geraumer Zeit mit Geistern, Ghulen, Vampiren & Co. auseinandersetzt. Und schon geschieht der nächste Mord … wieder mit „mysteriösen Umständen“ …

In diesem Sinne geht es immer weiter: Peter lernt Magie, sein Ausbilder erzählt wenig und verweist auf die Zukunft, weitere Morde geschehen. Allen Morden gemeinsam ist, dass sie von friedlichen Bürgern verübt werden, Leuten, die plötzlich ausrasten und denen nach vollbrachter Tat das Gesicht buchstäblich auseinanderfällt. Nach und nach engt sich der Kreis von Verdächtigen ein – und außerdem wird klar, dass hier die alte Geschichte von „Mr. Punch“ nachgespielt wird … Und man fragt sich, wie Aaronovitch denn nun die Kurve kriegt und keinen billigen Abklatsch einer hundertmal erzählten Geschichte liefert.

Londoner Flüsse

Abwechslung wird dadurch eingefädelt, dass die Flussgeister ins Spiel kommen. Diese Geschichte neben der Geschichte beginnt mit der Prügelei von ein paar „nackten weißen Mädchen“ mit farbigen Jungs. Peter und sein Chef fahren hin. Sie treffen niemanden außer einem Troll und den zuständigen Beamten, aber Peter erfährt, dass es sowohl Mama als auch Papa Themse gibt.

Mama Themse ist eine afrikanische Matriarchin, die in einem Apartementhaus Hof hält – und Peter an seine eigene afrikanische Mutter erinnert. Und dann ist da noch Beverly, eine der Töchter, die allesamt Flussgeister sind. Sie hilft Peter bei seinen Ermittlungen in der Mordserie und könnte sogar Lesley Konkurrenz machen. Papa Themse hat wie zu erwarten nur Söhne, die alle Nebenflüsse der Themse in seinem Gebiet repräsentieren, und er zieht ständig in der Gegend herum. Beide „Eltern“ sind weder verheiratet noch sonstwie verwandt. Sie sind einfach für unterschiedliche Abschnitte des Flusses zuständig und rangeln um die Grenze. Diesen Zwist soll Peter beilegen.

Fazit

Mir gefällt „Die Flüsse von London“, weil sich hier ein buntes Allerlei aus verrückten Einfällen, (Pseudo?)Wahrheiten über die Londoner Polizei, Stadtgeschichte und zickigen Lokalgöttern zu einer temporeichen Geschichte zusammenfügt. Natürlich wird am Ende alles aufgeklärt, gelöst und zum Guten gewendet. Es riecht meilenweit gegen den Wind nach Fortsetzung und ich weiß nicht, ob ich das gut oder schlecht finden soll.

Übrigens: Ich kann mir vorstellen, dass Leute, die London und die Gegend um die Schauspielerkirche kennen, wahrscheinlich eine Menge Vergnügen an den Schilderungen der Gegend haben werden. (ms)

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Die Flüsse von London
Autor Ben Aaronovitch
Seiten 478
Ausstattung Taschenbuch
Verlag dtv
Jahr 2012

Foto: © Angelo Romano/flickr – CC BY 2.0

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2 Antworten zu “Die Flüsse von London

  1. Ute 28. März 2012 um 20:54

    Das macht Lust auf mehr! Ich liebe London und ich mag Krimis. Und alles, was schräg ist, macht Spaß. Ich werde mir dieses Buch ganz sicher kaufen und freu mich schon drauf!

    Toller Blog mit guten Anregungen! Viel Erfolg Euch beiden!

    Liebe Grüße, Ute

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