chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Zeitreisende sterben nie

Zu Zeitreisen gibt es unzählige Science-Fictions. Ich finde sie alle spannend! Vor allen Dingen interessiert mich, wie das Thema „Zeitparadoxon“ angegangen wird. Auf den Punkt gebracht: Wie verhindert der Protagonist, dass er seine eigene Oma umbringt/schwängert/von Opa fern hält. Und bloß weil man zu den Dinosauriern reist, heißt das ja noch lange nicht, dass man Oma nicht ans Leder kann … wer weiß, wofür genau dieser eine Dino, den man geschossen hat, gut war. Hier also eine Variante, wie man verhindert, dass die Welt auf den Kopf gestellt wird.

Adrian Shelborne, genannt Shel, hat Physik studiert, landete in der PR-Abteilung einer Firma für Elektronikgeräte und hat einen erfolgreichen Physiker-Vater. Dieser Vater verschwindet eines Tages spurlos. Eine knappe Woche später meldet sich ein Anwalt und übergibt Shel ein Umschlag mit einem Schlüssel und einem Brief. Der Schlüssel gehört – natürlich – zu einem Postfach. Der Brief ist von Shels Vater und weist auf drei so genannte Q-Pods hin, die Shel sofort und ohne zögern vernichten soll. Was Shel – ebenfalls logo – nicht tut. Statt dessen daddelt er abends mit einem der Geräte herum, bekommt das Passwort heraus, gibt ein paar Zahlen ein und landet … woanders.

Erste Reise

Vollkommen verblüfft und frierend findet sich Shel irgendwo in der Pampa wieder. Er stolpert durchs Gelände und wundert sich, dass es schon auf den Morgen zugeht. Schließlich trifft er auf eine Straße und eine Mitfahrgelegenheit bis zur nächsten Raststätte. Es ist einen Tag später und ziemlich weit weg von zu Hause. Shel ruft seinen besten Freund Dave Dryden an, der ihn abholt.  Dave glaubt, Shel habe einen Blackout gehabt.

Nach und nach stellt sich dann die Wahrheit heraus: Shels Vater hat eine Zeitreisemaschine gebaut. Nein, nicht eine, sondern drei – die Q-Pods. Shel weiht Dave in das Geheimnis ein. Sie beschließen, Shels Vater zu suchen. Aber wo anfangen? Die Vergangenheit ist groß und Vater Shelborne ein Mann mit vielen Interessen.

Suche in der Zeit

Sie reisen zu den wahrscheinlichsten Orten, besuchen Galilei, sprechen mit dem Leiter der Bibliothek von Alexandria. Ihnen hilft, dass viele Ereignisse dokumentiert sind und man sich ziemlich genau zum gewünschten Zeitpunkt versetzen lassen kann. Da sie jedoch nicht wissen, wohin Shelborne senior gereist ist, ist die Suche spannend, aber mühsam.

Das Schlimmste für die Freunde ist, dass sie ihre Erlebnisse mit niemandem sonst teilen können. Dave steht oft genug vor seinen Studenten und möchte ihnen am liebsten sagen: „Hej, ich habe mit Sokrates geredet, er meinte das so und so.“ Auch Leid und Elend, das sie sehen, dürfen sie nicht ändern. Wer weiß, was es geschichtlich bedeuten könnte. Und was mit ihnen passiert.

Schließlich finden sie den Vater, der will jedoch nicht in die Gegenwart zurück. Widerwillig akzeptieren sie den Wunsch, reisen weiter, retten Bücher aus der Bibliothek von Alexandria, sprechen mit vielen bedeutenden Menschen. Sie werden Zeit-Jetsetter.

Fazit

Im Großen und Ganzen ist „Zeitreisende sterben nie“ ein Reisebericht mit den üblichen Versatzstücken einer Zeitreisegeschichte. Nett zu lesen, wenige Highlights. Was mir an der Story gefällt? McDevitt gibt Einblick in die Seele der Reisenden, wie es ihnen in verschiedenen Situationen ergeht. In die Freude, einer bedeutenden Person begegnen zu dürfen und Zeit mit ihr zu verbringen. In das Leid, als etwa Dave in die Vergangenheit geht, um sich selbst zusammen mit seiner Exfreundin zu sehen und wie er wieder über die verpasste Chance trauert. Oder eben wie sie das Bewusstsein der Vergänglichkeit der Bibliothek von Alexandria dazu bringt, möglichst viele Stücke abzufotografieren und so der Nachwelt zu erhalten.

Schade ist, dass der Autor in genau der gleichen Schiene bleibt wie viele andere Zeitreise-Autoren auch. Es werden fast nur berühmte Persönlichkeiten besucht. Ist ja toll, Churchill die Hand zu schütteln und ihm aus der Klemme zu helfen. Aber wäre es nicht toller, einem armen Schlucker das Krankenhaus zu bezahlen? Ich glaube, dass sich viele Autoren hier schwer tun, ihre Phantasie spielen zu lassen. Oder es ist einfach schöner, sich vorzustellen, mit jemand Bekanntem gesprochen zu haben? So, wie sich viele wünschen, einmal Obama oder Beckham oder Rihanna die Hand schütteln zu dürfen? Dabei wird das Leben und die Geschichte doch von allen gemacht. (ms)

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Zeitreisende sterben nie
Autor Jack McDevitt
Seiten 524
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Bastei Lübbe
Jahr 2011
Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: