chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Monatsarchive: August 2014

Mrs Nimmo und die Fledermaus

Jenny Nimmo wohnt mit ihrer Fledermaus Kevin zusammen, Terry Pratchett war mal Angestellter in einem Atomkraftwerk, Arkadij Strugazki war Japanologe – in fast jedem Buch gibt es einen kleinen Abschnitt über den Autoren. Meist wird eine Minibiografie gedruckt, in der steht, wo der Schreiberling herkommt, was er vielleicht früher mal war, wie er zum Schreiben gekommen ist. Manchmal wird auch was Kurioses erzählt, wie etwa die Info, dass Jenny Nimmo eine Fledermaus im Haus hat.

Mir stellen sich dabei einige Fragen gerade zu der Fledermaus: Wie kann man mit einer Fledermaus zusammenleben? Fledermäuse wohnen unterm Dach, auf dem Dachboden, in Höhlen. Klar kann man da behaupten, dass man mit den possierlichen Flugsäugern den Wohnraum teilt. Aber dann lebt Jenny Nimmo bestimmt auch mit den Spinnen Dave, Melissa, Eve, Andrew etc. zusammen, oder? Von – und jetzt wird’s korinthenkackerisch – den ganzen Milben, die millionenfach um einen rum existieren, ganz zu schweigen.

Abbildung Mopsfledermaus aus Brehms Tierleben, 1927

Vielleicht ist Kevin ja eine Mopsfledermaus wie diese hier aus Brehms Tierleben von 1927. Die kommen auch in Wales vor.

Oder füttert Mrs Nimmo die Fledermaus mit Obst oder Insekten? Was für eine Fledermaus ist das überhaupt? Und wie lange leben Fledermäuse, halten sie die Zeit, die es braucht, acht Bände Charlie Bone zu schreiben, aus?

Naja, dachte ich mir, als ich mal etwas Zeit hatte, dann finde ich das mal raus. Leicht gesagt, schwerer getan: Ich hab’s nicht mal geschafft, die Existenz von Kevin zu bestätigen …

Als erstes bin ich auf die offizielle Webseite von Jenny Nimmo gegangen (www.jennynimmo.me.uk). Da gibt es die Sektion „FAQ“, das schien mir ein guter Start zu sein. Aber: Keine Frage zur Fledermaus. Dafür eine Frage, was denn das Lieblingstier der britischen Autorin sei. Antwort: Eine Katze und um genau zu sein, eigentlich mehrere Katzen. Nun ja, zumindest Säugetiere.

Weiter auf der Webseite. Unter „Biografie“ finde ich einen ausführlichen Lebensweg. Puh, denke ich, die Frau hat ja auch schon ganz schön viele Dinge getan. Wie in den Charlie-Bone-Büchern wird gesagt, dass sie derzeit in einer Mühle in Wales lebt – und die Zusatzinfo, dass ihr Mann die Mühle geerbt hat. Aber: Kein Wort von Kevin. Keine Fledermaus. Keine Tier-Mensch-WG.

Hm, was nun? Auch die anderen Menüpunkte auf Nimmos Webseite bringen keine Aufklärung. Ich gehe auf die Seite ihres Verlages Egmont. In der Autorenbiografie steht, dass Jenny Nimmo schon immer eine Leseratte war, Bücher und Geschichten liebt und so fort. Kevin wird nicht erwähnt.

Kevin taucht auch nicht auf im Wikipedia-Beitrag. Suchmaschinen bringen nur den Text aus den deutschen Büchern, bei der Suche auf englisch gibt es keine Hinweise auf Kevin.

Ich habe den Verdacht, dass der deutsche Verleger irgendwann bei Jenny Nimmo anfragte, was es denn so besonderes in der Mühle gebe (als wenn eine Mühle als Wohnhaus nicht schon cool genug wäre) und Mrs Nimmo einfach sagte, dass da auch noch so eine Fledermaus im Gebälk hänge, die sie und ihr Mann Kevin nennen würden. Aber bei Ravensburger selbst gibt es überhaupt keine Info zu Jenny Nimmo. Mysteriös.

Schließlich habe ich Mrs Nimmo über Facebook angeschrieben und gefragt, wie das denn mit Kevin ist. Leider hat sie sich nicht zurückgemeldet und uns aufgeklärt …

So wird die Existenz von Kevin wohl für immer ein Mysterium bleiben.


Foto: © Friedrich Specht, Brehms Tierleben, 1927/Wikimedia Commons

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Elfenportal-Saga

Henry Atherton hat’s nicht leicht: Vor’m Frühstück baut er noch ein tolles Pappmodell eines fliegenden Schweins und will seinen Eltern bei Cornflakes davon erzählen. Leider hören die nicht zu und Henry merkt, dass irgendwas nicht stimmt. Aber was? Schließlich fragt der Teenager seinen Vater auf der Fahrt zum Bahnhof: „Hast du ein Verhältnis mit Anaïs?“ Anaïs ist die Sekretärin seines Vaters. „Ich hab kein Verhältnis mit Anaïs“, sagt der Papa, „Aber deine Mutter.“ Und damit beginnt für Henry eine ein paar Jahre währende aufregende Zeit, die sein Leben von Grund auf umkrempeln wird.

Herbie Brennan hat mit der Story um Henry ein – wie ich finde – ziemlich gutes und manchmal auch ziemlich irres Stück Phantasie auf den Markt geworfen. In vier Bänden erzählt der Ire, wie Henry lernt, dass die Welt nicht das ist, was er bisher immer dachte. Die bekloppte Situation zu Hause ist erst der Anfang und bei Weitem nicht das Kurioseste, das er erlebt.

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