chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Monatsarchive: Januar 2015

Ich lese gerade …

… In Plüschgewittern von Wolfgang Herrndorf

Ein Mann Anfang Dreißig weiß nichts mit sich anzufangen und landet konsequenterweise in Berlin. Untergekommen bei einem Freund, irrt er durch die Straßen und von einer Party zur nächsten, von einer Bar in die andere. Mal sucht er eine Wohnung, mal will er wieder weg – das einzig Beständige ist seine Unentschlossenheit. Da er sich gerade frisch von seiner letzten Freundin getrennt hat, sehnt er sich nicht unbedingt nach einer neuen Beziehung. Aber wie es das Schicksal in Büchern so will, kommt es natürlich anders und inmitten des Rausches durchzechter Nächte, zwischen wirrem Gelaber und einsilbigen Gesprächen verliebt er sich doch – natürlich in eine Frau, die ganz klar überhaupt nicht sein Typ ist.

Ein junger Mann, orientierungslos und misanthropisch inmitten des Sündenpfuhls Berlin – das klingt doch wie … ach ja, Fabian! Tatsächlich machen sich hier ein paar Parallelen breit, abgesehen von Ort und handelnder Person wäre hier beispielsweise noch der jeweils beste Freund zu nennen, der es mit zynischem Humor irgendwie schafft zu überleben und irgendwie trotzdem leidet. Ganz so ähnlich wie zuerst vermutet sind sich die beiden Protagonisten dann aber doch nicht: Während Fabian auf der Suche nach dem Anstand und der Moral dieser Welt ist, haut Herrndorfs Held beides mit Schwung in die Tonne. Dass er sich dabei manchmal aufführt wie ein Arsch, macht mir das Lesen mitunter schwer. Zwischendurch neige ich zu Wutanfällen und falle danach wieder in depressive, mitfühlende Phasen. Aber Herrndorf schreibt wie immer vorzüglich und sowohl deswegen als auch um des großartigen Titels Willen sollte man das Buch ruhig mal in die Hand nehmen.

Übrig bleibt die Frage, woher mein Faible für solche Romanhelden kommt. Mmmh … vielleicht muss ich mal wieder nach Berlin.

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