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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Weil ich Layken liebe

Love is in the air! Gleich bei der ersten Begegnung von Layken und Will ist sie zu spüren. Sie ist gerade mit Mutter und kleinem Bruder aus Texas nach Michigan gezogen, er lebt mit seinem kleinen Bruder gegenüber ihres neuen Zuhauses. Kaum sehen sie sich in die Augen, ist der Fall klar. Doch so einfach darf es natürlich nicht sein – gerade als sie einander ihre Gefühle offenbaren, kommt die schreckliche Wahrheit ans Licht: Will ist Laykens Lehrer. KREISCH! Verzweifelt suchen die beiden einen Ausweg aus ihrer Misere. Denn natürlich können sie nicht voneinander lassen, dürfen aber einfach nicht zusammen sein. Was hier schwer nach Seifenoper klingt, hat Autorin Colleen Hoover auch so geschrieben. Und deswegen riecht die Luft, die angeblich von Liebe durchsetzt ist, verdächtig nach der Parfümabteilung bei Karstadt. 

Es könnte gar nicht schöner sein: Wills kleiner Bruder ist genauso alt wie Laykens kleiner Bruder, weswegen die beiden Jungs gleich bei der ersten Begegnung wie zwei junge Hunde anfangen zu spielen. Er ist Voll-, sie immerhin Halbwaise; seine Eltern sind vor einigen Jahren gestorben, ihr Vater vor kurzem an einem Herzinfarkt. Er sieht gut aus, sie sieht gut aus, beide haben die gleiche Lieblingsband (sehr wichtig, jeder Teenager kann das bestätigen) und überhaupt verstehen sie sich einfach total super. Er steckt sie mit seiner Begeisterung für Poetry Slam an, sie ihn mit ihrer unbändigen Lebenslust. Der Fall ist schwierig, denn der Altersunterschied zwischen den beiden ist nicht so groß, wie man es bei einem solchen Skandalpärchen erwarten würde. Sie ist 18 – selbst in den USA zumindest teilweise volljährig – und er ist 21.

Kuss im Schnee

Sie trotzen tapfer dem Sturm, den ihre Liebe verursacht: Will und Layken

Normalerweise würde kaum jemand um so eine Vereinigung ein unnötiges Wort verlieren. Nun ist Will aber über ein paar Zu- und Glücksfälle in diesem zarten Alter schon Lehrer geworden – was als Tatsache allein vielleicht auch noch kein Geheule wert wäre. Aber dass er ausgerechnet an ihrer Schule und in ihrer Klasse unterrichten muss – nun, das ist wirklich ein Schlamassel. Verständlicherweise.

Gefährliche Liebschaft

Ein Lehrer und dessen Schutzbefohlene als Paar? Egal, aus welcher Perspektive man die Situation betrachtet, es ist und bleibt inakzeptabel. Dass sich aber Gefühle, wie sie bei Will und Layken nun einmal entstanden sind, nicht einfach abschalten lassen (erst recht nicht, wenn man praktisch nebeneinander wohnt und arbeitet), ist ebenfalls klar.

Insofern bildet die Story zunächst ein interessantes Gerüst. Wie werden die beiden mit der Situation umgehen? Einmal als Schüler/Lehrer und einmal als Nachbarn? Auch mit 21 Jahren ist man beileibe nicht unbedingt erwachsen, insofern entsteht durchaus eine gewisse Spannung bei der Beobachtung, wie zwei Adoleszente sich bemühen wie zwei Erwachsene zu handeln (zuzüglich der Frage, ob zwei tatsächlich Erwachsene diesem Problem vernünftig begegnen könnten).

Interessant sind auch die Reaktionen der sie direkt umgebenden Menschen: Die beste Freundin, die Mutter, die Geschwister. Selbstverständlich binden die beiden ihr Verhältnis nicht jedem auf die Nase. Insbesondere nachdem die missliche Lage erkannt wurde, verschweigen sie ihr Geheimnis mit allen Mitteln vor Mitschülern und Kollegen. Aber Laykens Mutter bekommt von den ersten Flirtereien natürlich Wind und ist entsprechend entzürnt, als sie das Ausmaß der Liebschaft begreift. Als gute Mutter glaubt sie ihrer Tochter (und auch Will), dass alles ein schreckliches Versehen war. Nichtsdestotrotz spricht sie sich fortan strikt gegen die Beziehung der beiden aus. Logisch. Die beste Freundin ist selbstverständlich hin- und hergerissen. Klar erkennt auch sie das Tabu, das die beiden im Begriff sind zu brechen. Andererseits weiß sie auch um deren Gefühle, allen voran Laykens. Also rät sie zwar ab, wie es eine vernünftige Freundin tun muss, hofft aber insgeheim, dass es doch noch einen Ausweg geben könnte.

Der Tragödie letzter Teil

Dergestalt spielt sich der beinahe shakespearische Reigen eine Weile ab. Es wird geweint und geschimpft und wieder versöhnt und getröstet und alles in allem hätte es eine recht hübsche Teenie-Liebesgeschichte werden können. Wenn, ja, wenn das alles Frau Hoover nicht zu undramatisch erschienen wäre. Sie muss unbedingt noch eins draufsetzen: Laykens Mutter beginnt in all dem Trubel, sich komisch zu verhalten, verschweigt Dinge vor ihren Kindern, hat Termine, über die sie nicht reden will und erregt so Laykens Misstrauen.

Doch deren ursprünglicher Verdacht, die Mutter könnte so kurze Zeit nach dem Tod ihres Mannes wieder ein Verhältnis haben, erweist sich als grundfalsch: Laykens Mutter ist schon seit langer Zeit schwer krank und kam durch den plötzlichen Trauerfall nur nicht dazu, es ihren Kindern mitzuteilen. Ach so. Tatsächlich hat der ganze Umzug nur stattgefunden, weil ihr in der neuen Heimat eine bessere Behandlung zuteil werden kann. Dieses Wissen wollten die (damals noch lebenden) Elternteile ihren Kindern aber noch nicht zumuten und als dann der Vater plötzlich starb, war es der Mutter erst recht zuviel. Das alles erzählt sie ihrer Tochter in einem erlösenden So-war-es-wirklich-Gespräch. Layken ist verständlicherweise schockiert, fängt sich aber recht schnell wieder. Das gleiche gilt auch für ihren Bruder. Und da, wo gerade noch eine kuschelige Teenie-Schmonzette erzählt wurde, beginnt nun ein Drama, das das Buch leider nicht verkraftet.

Weniger wäre mehr gewesen

Es ist einfach zuviel des Guten: von der Liebe und dem Leben auf die Probe gestellt trotzen sie den Widrigkeiten des Lebens – schön. Aber dass die Mutter von ihrer tödlichen (ja, ich spoiler nicht gern, aber wer kann sich das nicht an dieser Stelle denken) Krankheit berichtet, sich anschließend alle in den Arm nehmen und frei nach dem Motto: „Dann machen wir es uns in der verbliebenen Zeit noch mal richtig schön“ gemeinsam Kürbisse schnitzen? Das kommt schon etwas gefühlsfahrlässig, wenn nicht gar zynisch rüber. Und dieser fade Beigeschmack zieht sich bis zum Ende durch. Man erledigt ein paar Formalitäten (was passiert mit dem Haus, wenn alle Eltern tot sind, gibt es überhaupt noch Kohle für die Kinder oder müssen sie ins Heim?), gibt kluge Lebensratschläge und kuschelt viel. Und als am Ende vom Tod der Mutter berichtet wird, heißt es von Layken dazu: die Zeit war hart. Echt?

Nebenbei geht es natürlich auch immer noch um Liebe: ja/nein; dadurch aber, dass der Handlungsstrang um die Krankheit der Mutter schnell ins Feld geführt wird, um der ganzen Geschichte einen finalen Kick zu verleihen, wirkt das Drama leider emotional total überfrachtet und damit unglaubwürdig. Denn so richtig nachvollziehen kann man den Schmerz und die Verzweiflung, die die schreckliche Nachricht um das Schicksal der Mutter (und deren Folgen) nach sich zieht, nicht. Layken berichtet zwar davon, wie schwer dieser Verlust sie alle trifft, aber es bleibt letztendlich bei einer trockenen Schilderung. Das liebestolle Gebaren vorher ist trotz diverser Ausrutscher in Kitsch-Gefilde eine Geschichte, die sich aufbaut, an Spannung gewinnt und deren nachvollziehbare Lösung man herbeisehnt. Die Krankheit der Mutter hingegen ist wie ein billiger Trick, der die Funktion hat, dem Leser noch ein paar Krokodilstränen extra zu entlocken. Nebenbei lenkt er aber gerade soweit von der Liebesgeschichte ab, dass man (fast) nicht merkt, wie plötzlich und bequem sie ein passiges Ende findet.

So schleicht sich gegen Ende das ungute Gefühl ein, dass weder die Figuren im Buch noch man selbst als Leser wirklich für voll genommen wurden. Denn Laykens Mama hätte definitiv ein würdigeres Sterben verdient und der Leser ein ernsthafteres Angebot zur Auseinandersetzung mit Verliebtheit, erwachsen werden und Tod. Schade aber auch!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Weil ich Layken liebe
Autor Colleen Hoover
Seiten 384
Ausstattung Taschenbuch
Verlag dtv
Jahr 2013

Foto: Aimee Custis Photography/flickr – CC BY SA 2.0

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