chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Müller hoch Drei

Vor Kurzem teilte ich euch mit, dass ich es las. Jetzt bin ich fertig: „Müller hoch Drei“ heißt das Werk, geschrieben von Burkhard Spinnen (super Name!) und 292 Seiten dick. Meine Zwischenbilanz fiel ja eher mäßig aus – und ehrlich gesagt weicht das endgültige Fazit nicht sehr davon ab. Das Buch ist nett, die Geschichte relativ ausgefallen und witzig und nimmt ein gutes und den Umständen entsprechend glaubwürdiges Ende. Aber leider ist „relativ“ an dieser Stelle ein gutes Stichwort, denn es ist alles irgendwie relativ hier: relativ lustig, relativ spannend, relativ nette Leute, relativ durchgeknallt und relativ bodenständig. Das ergibt zwar im Zeugnis eine Note, mit der man nicht durchfällt. Aber es wird auch klar, dass man im ganzen Schuljahr eigentlich nur relativ anwesend war.

Schlechter Start: das Cover

Richtig genervt hat mich zu Beginn vor allem das Cover: Drei Jugendliche, überproportioniert auf einem Bus gezeichnet, mit schwarzem Hund, lächeln milde, versöhnlich und irgendwie total lebenszufrieden in eine unbekannte Zukunft. Am meisten lächelt der Hund. Ich mag sowas nicht, aber es ist nur das Cover, das ist schon okay. Auf keinen Fall wollte ich deswegen die Geschichte vorverurteilen, daher fing ich an zu lesen.

Dann fing dieses ganze Relative an. Es war nicht so, dass ich mich nicht amüsierte. Ich hatte durchaus meinen Spaß an der Erzählung und ihren beknackten Protagonisten, die teilweise wirklich angenehm bescheuerte Sachen taten und sagten. Aber wenn es gerade richtig gut wurde, kam unweigerlich der Fall, meistens hervorgerufen durch eine nun wirklich nicht mehr nachvollziehbare Handlung.

Allein zu dritt

Um mich besser erklären zu können, sollte ich vielleicht etwas ausholen: „Müller hoch Drei“ handelt von einem 13-jährigen, den seine Eltern mir nichts, dir nichts verlassen und sich selbst in Richtung Weltreise begeben. Sie lassen ihm ein bisschen Geld (versteckt im ganzen Haus) und einen vollen Kühlschrank da und machen die Biege. Kurz nachdem die beiden verschwunden sind, steht unvermittelt ein putziger schwarzer Hund vor der Tür, der – dem beigefügten Zettel zufolge – dem Frühteeanager als Unterstützung dienen soll. Total verdattert und (dank Hund nur fast) allein trifft der Junge unvermittelt auf ein gleichaltriges Mädchen, das von sich behauptet, seine Zwillingsschwester zu sein. Als dann beide bei einer Bekannten des Jungen auftauchen und diese ihnen eröffnet, sie seien sogar eigentlich Drillinge, machen sich die zwei völlig überstürzt auf die Suche nach ihrer Schwester. Dabei sind sie auf sich allein gestellt, denn eine Abenteuer-Story verlangt natürlich das vollständige Heraushalten sämtlicher Erwachsener (zumindest der verwandten). Daher wird Schwester Nr. 1 angeblich von einem Inder verfolgt, der sie heiraten will und Schwester Nr. 2 liegt dermaßen mit ihren Adoptiveltern (die sie bis dato für ihre leiblichen hielt) im Clinch, dass auch da ein Zusammenleben scheinbar nicht mehr möglich ist. Das ebnet die Bahn für elternfreien Schabernack und das ist auch gut so. Schwester Nr 3. ist schnell gefunden und dann kann es richtig losgehen.

Der einzige Erwachsene, der noch was zu sagen hat, ist eine Art Aushilfs-Privatdetektiv, der den beiden bzw. dreien hier und da zur Seite steht und auch im Finale nicht fehlen darf. Außerdem ist er ein begnadeter Tiertrainer und erzieht den großen schwarzen Hund (der auf dem Cover) gleich zu Beginn so gut, dass dieser alle undenkbaren Kunststücke kann, ohne, dass man ihm groß was sagen muss. Das führt wiederum zu der großartigen Hotel-Szene, in der der Hund auf Kommando die Hotelbar des Berliner Adlon komplett auseinander nimmt. Und das nur zu dem Zweck, einen Fersehproduzenten zu beeindrucken. Was übrigens funktioniert.

Die Teenies reisen auf ihrer Suche nach einer heilen Familie (das ist das erklärte Hauptziel der ersten beiden Drillinge) nach Berlin, von Berlin nach Marseby an der Schlei und von dort aus auf einen bayrischen Hof, bis sie zum Haus des ersten Drillings zurückkehren. Auf dieser ganzen Reise passiert natürlich unheimlich viel Quatsch – soll ja auch so sein. Die drei verdienen (meist mit Hilfe des Hundes) immer mal wieder Geld und geben es dann schnell wieder aus. Sie geraten permanent in missliche Situationen und reißen sich selbst durch abgefahrene Aktionen wieder raus. Das ist mitunter lustig, meistens schräg und oft absurd. Leider sind ihre Pläne (die sich ja auch ständig ändern) nicht immer nachvollziehbar. Um nicht zu sagen: Manchmal hatte ich das Gefühl, eine Wendung wird  ganz schnell eingeschoben, damit die Kids mal wieder ohne Geld dastehen oder eine Bleibe verlassen müssen.

Das ist dramaturgisch gesehen verständlich, schließlich muss die Story vorangetrieben und die Spannung erhalten werden. Wahrscheinlich sollten die besonders aufgesetzten Szenen in diesem Handlungschaos auch nicht weiter auffallen.  Tun sie aber irgendwie doch. Es mag eine rein subjektive Geschmacksverirrung sein, aber Tatsache ist, dass ich die absurdesten Szenen wohlwollend durchgehen ließ und bei ebenso verrückten Kleinigkeiten angewidert das Gesicht verzog. Einfach, weil sie mir nicht nachvollziehbar erschienen, meiner Meinung nach nicht zur übrigen Handlungsart der Protagonisten passten und mir damit mächtig gegen den Strich gingen. Es kann doch zum Beispiel nicht sein, dass ihr Zauberhund auf Kommando Leute zu Tode erschreckt, vertreibt oder um den Finger wickelt, sie aber einer Frau, die sie ganz schnell loswerden wollen, knapp 1000 Tacken in die Hand drücken, damit sie auf der Stelle Urlaub macht. Wobei (mir zumindest) noch nicht einmal einleuchtete, warum diese Frau überhaupt verschwinden sollte. Ich weiß ja nicht …

Am Ende: Zwiegespalten

Schlussendlich fällt es mir an dieser Stelle schwer, ein Urteil abzugeben. Irgendwie traue ich mir selbst nicht recht. Bin ich zu kleinkariert, zu kritisch? Suche ich das Haar in der Suppe, eventuell sogar, weil mir das Cover nicht gefallen hat? Andererseits: Worauf gründet sich sonst meine Kritik als darauf, was mir gefällt oder eben nicht?

Insgesamt und unterm Strich kann ich nur sagen: So dolle war’s halt einfach nicht. Macht schon Spaß, lässt sich flott lesen, aber so richtig mitgemacht bei der ganzen Action habe ich nicht. Und eine Szene, die so gut war, wie die im Hotel Adlon, gab es auch einfach nicht nochmal. Schade.

Falls aber da draußen jemand ist, der mir jetzt und hier gern widersprechen würde – nur zu! Leg los und überzeug mich. Wenn du das schaffst und ich dadurch ein mittelmäßiges Buch weniger und ein gutes mehr gelesen habe: Dankeschön. Jetzt schon …

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Müller hoch drei
Autor Burkhard Spinnen
Seiten 292
Ausstattung Taschenbuch
Verlag btb
Jahr 2009

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