chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Monatsarchive: Oktober 2015

Ich lese gerade …

Henning Mankell und Stephen Kinggleichzeitig! Nein, stimmt nicht, natürlich nicht gleichzeitig, sondern abwechselnd. Angefangen habe ich mit Mankells „Mörder ohne Gesicht“ an seinem Todestag am 5. Oktober 2015, also vor ca. einer Woche. Meine Mankell-Phase habe ich eigentlich vor vielen Jahren abgelegt, aber in Gedenken an den schwedischen Krimi-Maestro wärmte ich sie noch einmal auf, zumindest für kurze Zeit. Ich las also von grausigen Morden, schlechtem Wetter, schwer verdaulichem Essen und einem Kommissar, den man nach jedem Kapitel mit einem Glas heißer Zitrone ins Bett schicken möchte. Und so lange neben ihm sitzen bleibt, bis er eingeschlafen ist.

Nach halber Lektüre betrat ich die hiesigen Bücherhallen und sah dort meinen alten Freund Stephen King liegen. Ebenfalls eine längst vergessene Liebe, die mir ihrerzeit viel Freude bereitete und dann irgendwann verschwand. Da ich dank Mankell aber gerade in düsterer Stimmung war, sprang ich direkt wieder darauf an und griff mir eines seiner Bücher. Nicht das, welches ich zuerst gesehen hatte (war auf dem Sprung nach Lübeck und das Ding war mir zu schwer), sondern eine seiner Novellen-Sammlungen („Zwischen Nacht und Dunkel“). Die anschließende Zugfahrt verbrachte ich dann mit einem weiteren grausigen Mord, besserem Wetter und jeder Menge Kingscher Farmer-Weisheiten, die er den 20er Jahren zuordnet (Mit tiefer Stimme zu lesen: „Ich glaube, dass in jedem Mann ein weiterer Mann steckt: ein Fremder, einn hinterhältiger Kerl.“). Ich hatte meinen Spaß.

Seitdem vergnüge ich mich mit beiden: von Schweden bis in die USA sind die Menschen gleichermaßen schlecht und verdorben, die Ich-Erzähler eingeschlossen. Ich weiß jetzt wieder, warum ich beide geliebt und verschlungen habe und ebenso, aus welchem Grund das irgendwann vorbei war. Beide haben gemeinsam, dass man kriegt, was man erwartet. Das trifft zumindest auf die allermeisten Wallanders sowie auf die allerallermeisten Horror-Bücher von King zu. Keine Überraschungen, keine großen Enttäuschungen. Es sei denn, man wertet das Ausbleiben einer Überraschung als Enttäuschung.

Dass ich beide immer noch lieb hab, hängt damit zusammen, dass während des Lesens die altbekannte Wirkung wieder auftritt – auf jeden Cliffhanger am Kapitelende widerspruchslos reinfallen und plötzlich ist es vier Uhr nachts und das Buch durchgelesen. Lustig!