chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Lesen und Reisen

Liebe Leser und Freunde der Chairlounge: Da bin ich wieder. Ein halbes Jahr war ich (Jo) auf Reisen durch ferne Länder, Landschaften und Klimazonen und habe dabei viel erlebt. Menschen, Tiere, Sensationen, gutes Essen, schlechtes Wetter (gutes natürlich auch) und viele, viele tolle Momente.

Selbstverständlich gehörte für mich auch das Lesen zum Reisen. Nicht nur die Lektüre von Reiseführern, sondern auch ab und zu ein gutes Buch einfach nur so – nichts vertreibt einem die Zeit auf einer 20-stündigen Busfahrt besser!

Allerdings gilt es als Backpacker zu beachten: jedes Gramm zählt. Wer ebenfalls gern ab und zu mit dem Rucksack durch warme und unübersichtliche Länder reist, kann dies bestätigen. Einen umfangreichen Vorrat an Büchern mitzunehmen war also völlig indiskutabel. Im Kindle-Zeitalter bin ich allerdings auch noch nicht angekommen (folgt eventuell noch …). Die Lösung bestand für mich in den Bücherbörsen der Hostels. Fast jedes Hostel in fast jedem Land verfügt über ein mehr oder weniger großes Regal voll mit Büchern. Hier darf man sein eigenes gelesenes Buch zurücklassen und sich ein neues mitnehmen. Eine super Idee – wenn man thematisch flexibel ist. Denn je nach Bestand erhält man nicht unbedingt das, was man sich im Buchladen ausgesucht hätte. Und auch auf deutschsprachige Ausgaben sollte man sich nicht allzusehr verlassen. Dafür hat man Gelegenheit sein Englisch zu verbessern :-)!

Kurzum, die Reise bescherte mir eine vielseitige und nicht uninteressante Auswahl an Leseerfahrungen. Um euch daran teilhaben zu lassen, hier eine kurze Zusammenfassung:

Wolfgang Borchert, Allein mit meinem Schatten und dem Mond: Dieses Buch brachte ich aus Deutschland mit (ich berichtete ja bereits davon). Am Strand von Pucatrihue, Chile begann ich zu lesen, in Arequipa, Peru ließ ich es guten Gewissens in einem Hostel zurück.

Claudia Pinero, Thursday Night Widows: Mitgenommen in San Pedro de Atacama, Chile. Ein Buch über die High Society in Buenos Aires, die sich vor dem gemeinen Pack hinter Stacheldrahzäunen und bewachten Toren versteckt und dort ihrem dekadenten Lebensstil frönt. Der mysteriöse Todesfall, um den es eigentlich geht, ist nur am Rande interessant, viel spannender ist der Blick auf eine egoistische, arrogante Gesellschaftsschicht, die stolz darauf ist, sich einen Dreck um Menschen zu scheren, denen es schlechter geht.

Sven Regener, Magical Mystery oder Die Rückkehr des Karl Schmidt: Hatte meine Freundin dabei und ich musste es ganz schnell durchkriegen, bevor es Freunde wieder mit nach Deutschland nahmen. Launiges Buch um einen Co-Helden aus Herr Lehmann, der als Ex-Suchtler mit Abstinenz kämpft. Was gar nicht so einfach ist, wenn man quasi beruflich eine Horde Technos durch die deutschen Lande kutschiert. Macht Spaß, berührt – und schreiben kann Herr Regener ja.

Ray Bradbury, Fahrenheit 451: der Klassiker der Science-Fiction-Literatur ist vom Format her äußerst handlich, daher erstand ich ihn in einer Buchhandlung in Cusco, Peru. An sich eine tolle Dystopie und zu Recht ein Meilenstein, allerdings fand ich das Ende etwas zu wuchtig. Die eigentliche Geschichte um postmoderne Bücherverbrennungen sowie die Diskussion, wer diese ursprünglich verschuldet hat, gingen in der finalen Apokalypse etwas verloren.

Hakan Nesser, Mensch ohne Hund: Einmal durch Costa Rica geschleppt und mein erster Krimi dieses Autoren. Schweden-Krimis gehen mir gemeinhin ein bisschen auf die Nerven, einfach weil es sie überall gibt. Und richtig gut fand ich bisher auch nur Henning Mankell (den auch nicht immer) und Stieg Larsson. Mensch ohne Hund war immerhin ganz flott geschrieben, aber die Story war so hanebüchen und beknackt, dass ich das Experiment nicht unbedingt wiederholen würde.

Anna McPartlin, Die letzten Tage von Rabbit Hayes: Gelesen im Hostel in San Jose, Costa Rica. Berührende, unterhaltsame und wirklich schöne Geschichte einer Frau, die im Hospiz liegt und an Krebs stirbt. Sie verabschiedet sich von ihrer Familie (wie so oft gleichsam chaotisch und liebenswert), während der Leser in Rückblicken ihre Lebensgeschichte erfährt – wie sie sich verliebt, eine Tochter zur Welt bringt, mit ihren Eltern und Geschwistern hadert und so weiter. Humor und Tragik, Sarkasmus und zarte Gefühle wechseln sich ab. Wer Das Schicksal ist ein mieser Verräter mochte, dem wird auch Rabbit Hayes gefallen.

Harper Lee, To Kill A Mockingbird: Wieder ein Klassiker, diesmal aus einem kleinen Gebrauchtbuchladen in Los Angeles. Harper Lee, die während meiner Reise verstorben ist, verknüpft das Thema Rassismus in den amerikanischen Südstaaten der 30er Jahre mit einem spannenden Justizfall. Ein uneingeschränkt gutes Buch, geschrieben aus der Perspektive eines Kindes. Super geschrieben, interessante Charaktere, einfach spitze. Der Umgangssprache wegen unbedingt auf Englisch lesen, macht doppelt Spaß!

Tony Hawk, The Autobiography: Gekauft in einem Second-Hand-Buchladen in Wellington, Neuseeland. Tony Hawk, der bekannteste und erfolgreichste Skateboarder aller Zeiten, ist kein Schriftsteller. Ist klar, merkt man gleich. Trotzdem oder vielleicht sogar deswegen ist seine Autobiografie unterhaltsamer Lesestoff, in dem es einfach nur ums Skateboarden geht. Seine ersten Tricks, die ersten Turniere, der erste Sponsor – alles erfrischend und (ja, an dieser Stelle möchte ich das Wort mal in den Mund nehmen) authentisch erzählt. Für mich, die ich die US-Szene in den 90ern durchaus interessiert verfolgt habe, ein großer Spaß. Wer Skateboarden cool findet, hat das Buch in drei Stunden durch.

Angefangen, aber noch nicht zu Ende gelesen: Robert A. Heinlein, Friday: Science-Fiction mit sexy Heldin, die ab und zu mit ihrer künstlichen Existenz hadert, aber gerade deswegen über enorme körperliche Kraft und brillante Intelligenz verfügt. Als Kurierin für ein Unternehmen, dessen Leistungsportfolio dem Leser nicht genau bekannt ist, gerät sie immer wieder in brenzlige Situationen, aus denen sie sich cool befreien darf. Bis dann eine Art weltweiter Bürgerkrieg ausbricht. In Los Angeles gekauft (im gleichen Laden, der mir auch Harper Lee verkaufte), aber immer noch nicht durchgelesen …

So, das war’s in etwa. Bei Licht betrachtet habe ich gar nicht so viel gelesen. Aber naja – schließlich habe ich auch viel gesehen, Tagebuch geführt und am eigenen Reiseblog herumgetippt. Trotzdem: Jetzt habe ich ein bisschen was nachzuholen :-).

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