chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Monatsarchive: Januar 2017

Ich lese gerade … Eine kurze Geschichte von fast allem

Naja, es ist ja schon ein bisschen älter und passt auch so gar nicht in unseren üblichen Lesestoff. Egal, ich lese gerade „Eine kurze Geschichte von fast allem“ von Bill Bryson. Der hat sich ja sonst eher einen Namen damit gemacht, über die Eigenheiten, Schrullen und sonstige liebenswerte Macken einzelner Briten, Aussies oder US-Amis etc. zu berichten. Die sind sehr nett zu lesen und so manches Mal auch eine amüsante Vorbereitung auf einen entsprechenden Aufenthalt im jeweiligen Land.

Die „kurze Geschichte von fast allem“ ist ein allgemein verständlicher Schmöker, in dem vorrangig naturwissenschaftliche Fragen der Erd- und Menschheitsgeschichte beantwortet werden. Bryson beschreibt zum Beispiel die Geschichte zur Erforschung des Weltalls, wer wann welche Idee hatte und manches Mal auch, wie schwer es neue Ideen hatten, wenn die meisten Forscher es sich gerade so richtig gemütlich in der aktuellen Theorie gemacht hatten.

Aber zurück zur kurzen Geschichte, die ja doch stolze 605 Seiten umfasst: Ich bin erst am Anfang und gerade bei den Geologen angekommen – und ganz ehrlich gesagt, finde ich es recht vergnüglich, mich durch die Geschichte zu lesen. Leider behalte ich mir nicht so viel, so dass kluges Gerede auf der nächsten Party wohl eher flach fallen wird. Macht aber nichts. Für den Frühstückstisch ist es eine schöne und nette Lektüre.

Allerdings bin ich auch der Ansicht, dass sich Brysons Buch nicht so sehr von all den anderen Werken unterscheidet, die sich mehr oder weniger umfassend mit den Entdeckungen, Experimenten und Fachrichtungen von Wissenschaftlern über die Jahrhunderte hinweg beschäftigen.

Mein Hauptgrund, hier überhaupt zur Tastatur zu greifen, war William Buckland. Buckland, ein Geistlicher aus Oxford, den Bryson im Kapitel über die Geologen vorstellt. Buckland gehörte zu den Steineklopfern des 19. Jahrhunderts, die sich ernsthaft für alle Steine interessierten und die allesamt die Geheimnisse der Geologie herausfinden wollten.

William Buckland war neben seinen Verdiensten als Geologe wohl ein ziemlicher Exzentriker, der bei sich zu Hause eine ganze Reihe größerer und kleiner wilder Tiere frei herumlaufen hatte und immer mit einer blauen Tasche herumlief. Außerdem hatte er den Spleen, dass er jedes Tier, dass hier auf Erden existiert, wenigstens einmal essen wollte.

Das brachte mich auf zwei Gedanken.

Zum einen erinnerte mich diese Idee an Artemis Fowl, der in „Das Zeitparadox“ versucht, sein früheres Ich davon abzuhalten, ein letztes Exemplar eines Seidensifaka an eine Gesellschaft zu verkaufen, deren Mitglieder sich daran delektieren, einzelne Tierrassen gezielt auszurotten – und in der Geschichte haben sie gerade eine Hauptversammlung. Dort soll einer Rasse der Prozess gemacht und das entsprechende Tier hingerichtet werden. Idealerweise das letzte seiner Art. Und beim Menü schadet es auch nicht, wenn man ein letztes Tier isst – oder wie in diesem Fall, die letzen Gelbflossen-Cutthroat-Forellen zu essen, die sich in einem Eisblock erhalten haben.

Glücklicherweise war Buckland wohl nicht so einer. Mein zweiter Gedanke war, dass ich mich frage, nach welchen Kriterien er sich die Tiere zum Essen ausgesucht hat. Hat er anfangs einfach alles gegessen, was die Gegend um Oxford so hergab? Vom Käfer bis zum Rind, mit allen Katzen, Regenwürmern, Grillen und Habichten, die da so kreuchten und fleuchten? Da hätte man ja schon so einiges zu essen, ohne irgendwohin fahren zu müssen. Und hat er das einfach so gegessen oder immer schön mit Kartoffeln und Soße? Laut Bryson hat er Meerschweinchen gebraten, Mäuse in Bierteig geschmaust und Igel gegrillt. Er hatte wohl auch Zugang zu exotischen Gerichten, wie etwa gekochten Meeresschnecken. Naja, so viel anders als unsere Weinbergschnecke ist das von der Idee her ja auch nicht.

Ich werde jetzt mal weiterlesen, wer weiß, welche kuriosen Persönlichkeiten ich noch kennen lernen werde im Laufe der Lektüre …

P.S: Seidensifakas gibt es noch, allerdings sind sie stark bedroht. Und Gelbflossen-Cutthroat-Forellen sind wirklich ausgestorben.