chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Yummy Books

Jetzt und hier geht es ausnahmsweise mal nicht um ein Buch, sondern um einen Blog. Obwohl, in ein paar Monaten soll auch hierzulande das Buch dazu erscheinen … Aber erst mal zu dem Blog, den wir eine echt coole Idee finden: Da hat sich eine lesebegeisterte Metzgerin, Barista, Köchin und Literaturwissenschaftlerin irgendwann gedacht, dass in Büchern ja auch ständig gegessen wird und dass sie doch einfach mal die Sachen aus den Büchern kochen könnte.

Gesagt, getan – und so hat Cara Nicoletti 2010 ihren Blog „Yummy Books“ ins Leben gerufen. Vorausgegangen waren zwei Jahre einer Art Literaturzirkel, in denen sie ihren Mitstreitern schönes, leckeres Essen aus Büchern auftischte. Und so versteht sich Yummy Books als literarischer Food-Blog, in dem Nicoletti überlegt, welchen Kuchen Katniss in „The Hunger Games“ von Suzanne Collins so toll finden könnte (Baked Alaska) oder produziert einen Mega-Cheeseburger, inspiriert von J. D. Salingers „Franny and Zooey“. Manches Mal kocht sie auch etwas, das im Buch nicht vorkommt, aber das Buch inspiriert sie dazu, wie die Schweinekopf-Terrine nach dem „Herrn der Fliegen“ von William Golding.

Und so hat die New Yorkerin mittlerweile eine hübsche Auswahl an Rezepten auf ihrer Seite veröffentlicht, inspiriert durch die Bücher, die sie so im Laufe ihres Lebens gelesen hat – und sie ist eine ganz schöne Leseratte!

Aber Cara Nicoletti bringt nicht nur irgendwelche Rezepte ins Web. Das wäre nicht anders, als würde man auf irgendeiner x-beliebigen Seite ein Rezept über Pfannkuchen lesen und daneben stünde noch „schwedisch, wie bei Astrid Lindgren“. Nein, Nicoletti erzählt lebendig und gewandt über ihre Leseerfahrung mit dem Buch, darüber, was in etwa zu der Zeit war, als sie das Buch gelesen hat, ob es ihr gefallen hat oder nicht, ob sie Angst hatte oder sich schlappgelacht hat. Und sie erzählt manchmal auch, wie sie auf genau dieses Rezept kommt, schließlich gibt es ja fast so viele Rezepte wie Köche. Das alles folgt weder Schema F noch sonst einem Muster, zumindest wirken alle Lese-Koch-Tipps wie von der Leber weg geschrieben.

Der Blog ist vergnüglich und obendrein gespickt mit Fotos, die den Produktionsprozess begleiten und auch das Endprodukt zeigen. Es sind keine Profifotos und das ist erfrischend.

Genauso sind die Rezepte fundiert und gut beschrieben, aber ohne großes Brimborium aufgezogen. Gut gefällt mir auch die Aufteilung: Man kann die Rezepte suchen nach Autor, nach Vorspeise, Hauptgang etc. oder nach dem Genre, also zum Beispiel nach Kinderbüchern. Das erleichtert einem vieles, vor allem, da man ja manches Gericht unterschiedlich einsetzen kann.

Allerdings: Es ist ein amerikanischer Blog und entsprechend sind die Maßangaben nicht in Kilo und Milliliter etc. Da muss man ggf. umrechnen. Ebenso muss man daher manchmal überlegen, welches Mehl sie denn nun meint und was vielleicht die ein oder andere Zutat genau ist. Und manchmal muss man vielleicht seine Gewohnheiten umstellen, etwa, wenn Nicoletti auf fast alle Süßigkeiten noch Meersalz streut. Oder man lässt es einfach weg. Aber mit ein bisschen Koch- und Backerfahrung geht das schon – oder ihr besorgt euch die deutsche Version von Nicolettis Buch.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Yummy Books. In 50 Rezepten durch die Weltliteratur
Autor Cara Nicoletti
Seiten 332
Ausstattung Hardcover
Verlag Suhrkamp Taschenbuch
Jahr 2017



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