chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Hainish

Neulich habe ich einen ganzen Stapel gebrauchter Science Fiction und Fantsy erworben und lese mich gerade so durch die Seiten. Dabei war auch „Hainish“, ein Sammelband mit drei Büchern Uraula Le Guins aus ihrem Hainish-Universum: Rocannons Welt, Das zehnte Jahr und Stadt der Illusionen.

Ein dicker Schmöker mit über 400 Seiten, den man aber gut weglesen kann. Genau das Richtige für die ersten herbstlich-winterlichen Tage mit Tee und an die Fenster prasselndem Regen.

Ich will jetzt nicht auf die Details eingehen, sondern darauf, was mir in allen drei Bänden begegnete. Le Guin beschreibt in jedem Band (und irgendwie auch in ihren anderen Büchern, wie etwa Winterplanet), wie ein Einzelner sich allein unter anderen zurecht findet, lebt, mitlebt. Im ersten Band ist es Rocannon, der vom Planeten Hain stammt, aber auf Formalhaut II ist und dem von Rebellen einer dritten Welt seine Kameraden getötet und auch seine Schiffe zerstört werden. Allein unter den vielfältigen intelligenten Lebensformen des Planeten schwört er Rache – und hilft den Eingeborenen, ebenfalls Rache zu nehmen, denn auch deren Familien und Freunde werden von den Rebellen umgebracht. Am Ende ist er erfolgreich und hat zudem eine neue Heimat gefunden.

Agat und Rolery auf Werel ergeht es ähnlich, jedoch ist Agat hier einer der wenigen Überlebenden einer terranischen Expedition auf diesen Planeten, während die junge Frau als „Sommergeborene“ keinen richtigen Platz bei ihrem Stamm findet. Beide finden zueinander und im ebenfalls erstmaligen gemeinsamen Kampf von Eingeborenen und Fremden finden auch die ehemals Fremden und die Alteingesessenen zueinander und begründen schließlich eine neue Zivilisation.

Spannend hier ist, dass sowohl Eingeborene als auch Ferngeborene sich selbst als Menschen, die anderen aber als Nichtmenschen sehen.

Im dritten Band taucht schließlich eines Tages ein Mann auf der Lichtung eines Hauses auf, der sein Gedächtnis verloren hat. Fünf Jahre lebt und lernt er bei der Familie, die ihn wohlwollend aufgenommen hat. Dann verlässt er sie, um sich auf die Suche nach seiner Vergangenheit zu machen. Diese Geschichte spielt auf der Erde, die nach dem Zerschlagen einer Interstellaren Liga von einer fremden Rasse beherrscht wird. Die Menschheit lebt zumeist wieder primitiv und wenn auch ein gewisser technischer Standard vorhanden ist, so wird er kaum verwendet. Alle haben Angst vor den Shing, wie die fremden Eroberer heißen. Diese halten die Menschen von der Entwicklung ab, verhindern etwa Städtebau und Wissensvermittlung.

Falk, wie der Findelmann genannt wird, will zu diesen Fremden – und zieht durch die Lande. Er trifft auf hilfsbereite Menschen, auf ängstlich-aggressive Zeitgenossen und auf eine Frau, die in Wirklichkeit den Auftrag hat, ihn zu den Herrschern zu bringen. Denn die wissen ganz genau, wer Falk eigentlich ist: Ein Raumfahrer von Werel, dem sie vor Jahren selbst das Gedächtnis löschten, dessen Wissen sie aber jetzt wieder benötigen.

Auch Falk ist allein auf weiter Flur, auch er muss sich, wie Rocannon, Rolery und Agat selbst seinen Weg bahnen. Im Gegensatz zu Rocannon kann er jedoch am Ende nach Hause fliegen, obwohl er aufgrund der Entfernung niemanden mehr antreffen wird, den er bei seinem Aufbruch noch kannte. Sie werden alle tot sein. Trotzdem: Er muss heim, damit er seinem Planeten die Kunde bringen kann, dass die Menschen der Erde unterdrückt sind von den Shing und dass sie ihnen vielleicht zu Hilfe eilen können. Und er muss heim, damit seine Landsleute vor den Shing gewarnt werden können.

Allen drei Büchern ist auch gemein, dass sich die „Fremden“ für die Belange der Ortsansässigen einsetzen. Und zwar nicht aus einem Entwicklungshilfedrang heraus, sondern meist aus einer Mischung eigener Interessen und dem wirklichen Bedürfnis, den anderen helfen zu wollen. Deren Sorgen und Probleme ernst zu nehmen und sich mit dafür verantwortlich zu fühlen. In allen Fällen ist es vollkommen okay, diese beiden Interessen zu haben und so zu handeln, dass am Ende alle etwas davon haben.

Das finde ich – gerade in der aktuellen Zeit – sehr spannend und eine gute Lektüre, um einmal darüber nachzudenken, wie man selbst handelt und agiert und aus welchen Motiven heraus man jemandem Hilfe gibt oder sie verweigert.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Hainish
Autor Ursula Le Guin
Seiten 443
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Heyne
Jahr 1987
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