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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Tee & Kekse: Ben Aaronovitch in Lüneburg

Mittlerweile sind sechs Bücher veröffentlicht, in denen Polizist Peter Grant sich um all die Kriminalfälle kümmert, die mit „abstrusem Scheiß“ zu tun haben. „Abstruser Scheiß“ ist in den Augen der meisten Londoner Polizisten alles, was mit Magie und Übersinnlichem zu tun hat. Neben der klassischen Polizeiarbeit lernt Peter daher auch immer mehr Zaubersprüche und versucht übrigens, seine Ex-Kollegin Leslie dingfest zu machen, die sich mit dem absoluten Bösewicht zusammengetan hat. Im Herbst kommt der siebte Band (auf englisch) – und Ende des vergangenen Jahres veröffentliche Autor Ben Aaronovitch ein „Zwischenspiel“. Ich freue mich auf ein weiteres Abenteuer Mister Grants und darauf, zu erfahren, was nun mit Leslie etc. passiert.

Ben Aaronovitch in Lüneburg am 1.3.18

Kurz bevor es losgeht: Ben Aaronovitch lacht über – vielleicht geheime? – Dinge mit Moderatorin Antje Freudenberg, die die Peter-Grant-Serie genauso klasse findet wie ich.

Was aber noch schöner ist: Ben Aaronovitch himself war in Reichweite und da musste ich natürlich hin! Am 1. März stand er in Lüneburg in der Buchhandlung Lünebuch Rede und Antwort zu vielen Fragen. Und das tat er sehr humorig und meistens abschweifend. Mehr als einmal kam „What was the question?“ – und alle Anwesenden schmunzelten.

Alles startete mit der Bitte, etwas über seinen Hintergrund zu erzählen: „My family is boring … My brother wrote a book, it’s boring. But he needs the money, so buy it.“ Schließlich kam aber doch noch heraus, dass zum Beispiel der total „langweilige“ Vater sich aus schwierigen Verhältnissen hochgearbeitet hat und schließlich mit um die 50 einen Doktor machte und Dozent wurde. Britisches Understatement?, fragt man sich.

Peter wollte links herum, ich rechts …

Auf die Fragen nach Inspiration und Recherchen kommt die bekannte Antwort, dass die Figuren ein Eigenleben entwickeln. Das scheint alle Autoren zu vereinen, die so auf dieser Erde schreiben. Ben Aaronovitch berichtet das auch. Insbesondere, als er für „Fingerhut-Sommer“ nach Herefordshire fuhr: Nach der Bahnfahrt und endlosen Taxifahrten und Spaziergängen in der ihm unbekannten Landschaft fuhr er nach Hause und schrieb an seinem Buch. Allerdings gab es eine Stelle, an der er wollte, dass Peter rechts herum geht. „But Peter wanted to go left“. Leider wusste der Autor nicht, wie es linksherum aussah – und so fuhr er kurzerhand ein zweites Mal nach Herefordshire, um es herauszufinden. Der Taxifahrer freute sich, dass er wieder da war … Das Buch spielt im übrigen nur deswegen in Herefordshire, weil der Brite auch einmal mit seinen Figuren in Herefordshire sein wollte und nicht nur ein anderer Autor, dessen Bücher alle dort spielen …  Sorry, ich habe mir leider nicht gemerkt, wer das war.

Peter war eine Frau – beinahe

Fanfiction liest Aaronovitch nicht, sagt er auf die Nachfrage einer Zuhörerin. Am Ende käme er noch auf die Idee, etwas zu klauen, was gut sei. Er fände klauen zwar gut ;-), aber es sei doch besser, es nicht zu tun. Und außerdem: Fanfiction sei etwas für die Fans. Das solle man nicht lesen.

Eine andere Frau will wissen, wie das denn nun mit Leslie und Peter sei. Daraufhin erzählt der Autor, dass beide niemals als Liebespaar angelegt gewesen seien. Im Gegenteil: Ursprünglich habe er bei der Geschichte an eine TV-Serie gedacht und da sollte es um zwei Frauen gehen, die Rivalinnen seien. Als dann klar wurde, dass er ein Buch in Ich-Form schreiben wird, stellte Aaronovitch fest, dass er bei einem ersten Roman nicht eine Frau aus der Ich-Persepektive schildern wollte. Und so kam es zu Peter Grant.

Natürlich hat Ben Aaronovitch auch vorgelesen. Eigentlich wollte er aus „Hanging Tree“ lesen. Aber dann dachte er sich, dass er uns lieber das erste Kapitel aus seinem neuen Werk „Lies Sleeping“ zum Besten geben wolle – schließlich hatte er es gerade an seinen Verlag abgegeben („only two months late“). Beim Lesen fiel ihm dann auf, dass Zeiten falsch waren oder manche Ausdrücke doch nicht so gut … alles lachte. Im übrigen seien wir nach ein paar Berlinern die ersten, die das neue Kapitel hören würden.

Ach, es war schön!

Was ich noch spannend gefunden hätte, wäre gewesen, wenn Moderatorin Antje Freudenberg und Ben Aaronovitch sich ein wenig über Polizei, Polizeiarbeit etc. unterhalten hätten – schließlich ist Freudenberg selbst Polizistin und Aaronovitchs Held auch. Da hätte man doch mal reales Leben und Fiktion auf den Prüfstand stellen können.

Aber auch so war es super! Es war lustig und spannend, Aaronovitch zuzuhören. Eine der besten Lesungen, die ich in den letzten Jahren gesehen und gehört habe – mal abgesehen von Saša Štanisić im letzten November. Es gibt selten so nette Autoren, die Lust haben, zu erzählen, die von sich aus den den Mund aufmachen, die Geschichten und Anekdoten erzählen und einfach ihre Meinung sagen. Danke, Ben Aaronovitch 🙂


Foto: © Micha Schneider

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