chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Ich lese gerade … drei Bücher

Kennt ihr das: Ihr fangt ein Buch an, dann kommt ein zweites dazu und dann noch ein drittes und so habt ihr gleich ein paar Leseprojekte? Für mich ist das sowas wie ein Normalzustand. Und so habe ich gerade die Chroniken von Araluen 1 –  Die Ruinen von Gorlan von John Flanagan, Geis of the Gargoyle von Piers Anthony und Rick Riordans Apollo-Serie, also Band eins und zwei, auf dem Tisch liegen. Ach ja, da ist auch noch Könnt ihr uns hören? am Start, aber da es dabei um die Geschichte des Deutschrap geht, lassen wir das hier mal außen vor 😉
Nein, ich komme nicht durcheinander. Ich habe auch keine Schwierigkeiten, an einem Tag in allen drei Geschichten zu lesen. Ich kann mir auch aus allen was merken und habe keine Probleme hin- und herzuswitchen.

Xanth und die Questen

Die Xanth-Geschichten lesen sich ja fast auf Autopilot und sind immer vergnüglich und unterhaltsam. In Geis of the Gargoyle (deutsch: Wasser-Speier) geht es um Gary, den Gargoyle, der nach ein paar Jahrhunderten feststellt, dass es immer mehr dreckiges Wasser gibt, das aus Mundania (also unserer Welt) nach Xanth fließt. Da die Gargoyles den Job haben, alles Wasser zu reinigen, muss er dieses Wasser filtern, so dass Xanth nicht von der unmagisch-menschlichen Umweltverschmutzung verhunzt wird. Gary hat so gar keinen Bock mehr auf seinen Job und würde gern mal Urlaub nehmen.

Natürlich macht er sich auf den Weg zum Guten Magier Humfey, um herauszufinden, wie er bessere Jobbedingungen und Urlaub bekommen kann. Und wie es mit Humfrey so ist, schickt er Gary auf eine Queste, die gleichzeitig auch die Ableistung des Dienstes ist. Er soll den „Philter“ suchen und Tutor für ein ungebärdiges Mädchen sein. Letztere ist Surprise, wild und ungezähmt und mit einem seltsamen magischen Talent versehen, das sie wahllos anwendet. Zudem bekommt er weitere Gefährten: die verjüngte Zauberin Iris, zickig, aber super in Sachen Illusion, die durchgeknallte Dämonin Mentia, eine Abspaltung der Dämonin Metria, und schließlich noch Hiatus, ein sturzlangweiliger Typ, der nichts aus sich und seinem Leben zu machen weiß, seit er mal einer Dryade in die Quere kam – in die er jetzt unsterblich verliebt ist.


Neben der eigentlichen Queste geht es wie immer in Xanth darum, die eigene wahre Liebe und seinen Sinn im Leben zu finden. Und in diesem speziellen Band geht es auch noch darum, ganz Xanth zu retten. Denn wie sich herausstellt, breitet sich die Region des Wahnsinns aus und droht ganz Xanth mit Irrsinn zu überziehen.
Trotz der so unterschiedlichen Teammitglieder merken die fünf bald, dass sie sich gut ergänzen und sich gegenseitig darin unterstützen, sich weiterzuentwickeln. Natürlich müssen sie in der Region des Wahnsinns agieren, wo ein Dämon versucht, sie abzulenken. Allerdings haben sie Glück, denn die irre Mentia wandelt sich dort in eine vollkommen rational agierende und denkende Dämonin und kann so superhilfreich sein, wenn alle anderen nicht mehr wissen, was nun echt und was Mumpitz ist.
Gary selbst wird für die Zeit der Queste in einen Menschen verwandelt. Das führt zu einigen lustigen Schilderungen, wie er sich in seinen nunmehr fleischlichen und fleischigen Körper einfindet, angefangen vom Magenknurren aus Hunger bis dahin, dass er sich immun gegenüber menschlichen weiblichen Reizen wähnt – allerdings nur so lange, bis er das erste Mal eindeutig menschlich-männlich auf den Anblick eines weiblichen Busens reagiert – oder den vielgerühmten Höschen, bei deren Anblick in Xanth jeder Mann ausflippt …

Mir gefällt ja immer wieder gut an den Xanth-Geschichten, dass alles gut ausgeht, die meisten ihre Liebe finden und nebenbei wird alles mögliche in Ordnung gebracht. Und dazu kommen wie immer unendlich viele Wortspiele, über die man gemütlich vor sich hin sich hinschmunzeln kann.

Apollo in freiem Fall

Rick Riordan hatte ja die tolle Idee, die griechischen – und mittlerweile auch römischen, nordischen und ägyptischen – Götter ins Hier und Heute zu holen. Und zwar mit all ihren jahrhundertealten Macken, inklusive der Neigung, mit Sterblichen Nachwuchs zu zeugen. Die bevölkern als Halbgötter dann die heutige USA (wahrscheinlich auch den Rest der Welt, aber so ein Autor neigt ja dazu, in seinen eigenen Gefilden zu agieren …) und müssen wie eh und je die Kämpfe für ihre Elternteile und die anderen Götter austragen. Und so stolpern Percy Jackson & Co. von einer Monsterjägerei zur nächsten und bekämpfen einen Bösewicht nach dem anderen.

Die Apollo-Serie nun handelt von dem Gott Apollo, der von Zeus wegen eines Fehlverhaltens aus dem Olymp geworfen wird. Aber das alleine wäre ja keine wirkliche Strafe. Daher landet Apollo als dicklicher, pickliger 17-jähriger Teenager auf der Erde, komplett ohne seine göttlichen Fähigkeiten, dafür mit viel Teenagergejammere.
Denn der römisch-grieichische Gott weiß recht bald, dass er Apollo ist, auch wenn in seinem Pass Lester Papadopoulus steht. Aber leider ist er eben nicht mehr so hübsch und toll und zu seinem Leidwesen muss er sich selbst um seine Verfehlungen kümmern, sprich, alle griechischen Orakel instandsetzen bzw. vor der Okkupation durch seine Gegner bewahren. Er erinnert sich auch nicht an alles aus seinem mehrtausendjährigen Leben, weswegen es schwierig ist, seine Aufgabe mal so eben hinter sich zu bringen. Er findet Freunde unter den Halbgöttern, aber auch ein Mädchen, dass seine „Herrin“ wird und der er gehorchen muss.

Das Irre an der Geschichte ist, dass Apollo gegen drei römische Kaiser kämpfen muss, die sich zu einem Triumvirat zusammengeschlossen haben und die USA beherrschen wollen.

Im zweiten Band (Die dunkle Prophezeiung), den ich gerade in den Fingern habe, fliegen er, ein Halbgott und die Göttin Kalypso nach Indianapolis. Dort residiert Kaiser Commodus, der alle möglichen Halbgötter und Fabelwesen gefangen hält. Zudem hat er das Orakel des Trophonios in seine Gewalt gebracht, so dass es nicht mehr funktionsfähig ist. Apollo muss mit seinen Gefährten alle befreien, das Orakel wieder zum Laufen bringen und die sogenannte Freistätte, eine Art Herberge vor allem für die Jägerinnen der Artemis, vor der feindlichen Übernahme durch Commodus beschützen.

Witzig, aber manchmal auch total nervig, ist Apollo selber. Immer jammert er darüber, wie schade irgendwas ist, wie sehr er seine göttliche Stärke vermisst, wie furchtbar es ist, sterblich zu sein etc. Aber ganz langsam kriegt der nölige Teenie auch die Kurve und merkt endlich mal, wie mies es etwa ist, Halbgötter als Kanonenfutter zu nehmen. Dass man das als Gott unbedacht fordern kann, dass es aber etwas ganz anderes ist, sich in Lebensgefahr zu begeben. Dass das Angst bedeutet. Und so nimmt er sich immer wieder vor, anders damit umzugehen, wenn er wieder ein Gott ist.

Lustig ist in beiden Bänden, wenn Apollo erzählt, was er in den Jahrtausenden seiner Existenz so alles initiiert hat. Zum Beispiel, dass er die Sängerinnen Pink und Queen Latifah entdeckt hat, als sie in Burgerbuden arbeiteten. Schließlich ist er ja unter anderem der Gott der Musik – und auch voll auf dem Laufenden. Oder das Paul McCartney bei einem Auftritt der Beatles nicht wollte, dass er mitsingt. Ich habe auch geschmunzelt, wie Apollo immer wieder davon berichtet, wie er den Sonnenwagen so gepimpt hat, dass er wie ein Maserati aussieht, er aber nicht dauerhaft mit durchgetretenem Gaspedal die Sonne über den Himmel zerren kann …

Die Serie ist auf fünf Bände angelegt und so habe ich noch ein paar Seiten vor mir, in denen ich mich über den derangierten Gott amüsieren kann. Was für eine witzige Idee.

Waisenkinder mit Perspektive

Eine weitere Serie, die ich gerade lese, ist Die Chroniken von Araluen des Australiers John Flanagan. Laut Klappentext fing er an zu schreiben, um seinen lesefaulen Sohn zu selbigem zu animieren. Ich würde gerne wissen, ob ihm das gelungen ist.

Lustigerweise habe ich zuerst den 10. Band gelesen. Manchmal findet man einfach ein Buch, nimmt es mit und dann stellt es sich als x-ter Band raus. Da ich den mochte, habe ich mir die ersten drei Bände gekauft und muss sagen: Wenn ich ein leseunwilliges Kind wäre, könnte ich mir vorstellen, dass ich es mag, die Ruinen von Gorlan zu lesen. Das ist der erste Band.

Es geht vorrangig um Will, ein Waisenkind, das in einem Fantasiereich in einem Waisenhaus aufwächst, zusammen mit einigen anderen Waisen. Im Gegensatz zu all den schrecklichen Waisenhäusern, die die Buchwelt heimsuchen, ist diese Stätte aber eine gute Basis für ein elternloses Kind: Der ortsansässige Baron sieht die Kinder als seine Mündel und sorgt dafür, dass sie gut aufwachsen und zur Schule gehen. Und wenn sie 15 sind, dürfen sie einen Wunsch äußern, welchen Beruf sie lernen möchten. So eine Lehrstelle im entsprechenden Gewerk frei ist und der „Betrieb“ sie will, können sie diesen Beruf erlernen. Damit haben sie zum Teil mehr Chancen als alle anderen Kindern, die in dem mittelalterlichen Rahmen, in dem die Geschichte spielt, in die Fußstapfen ihrer Eltern treten müssen.

Will würde zu gern wie sein Mit-Mündel Horace in die Heeresschule gehen. Er weiß gar nicht, wer seine Eltern waren, aber er glaubt daran, dass sein Vater ein Held auf dem Schlachtfeld war. Zu seinem Leidwesen ist er aber zu klein und zu schmächtig, nicht so wie der große und robuste Horace. Dafür ist er klein und flink, kann gut herumschleichen und so Sachen auskundschaften. Und mit diesen Fähigkeiten wird er der Lehrling des Waldläufers Walt – ja, so in etwa wie Aragorn aus dem Herrn der Ringe. Und Walt darf nun hochoffiziell rumschleichen, denn die Waldläufer stellen die Spionage- und schnelle Eingreiftruppe des Königs dar. Nebenbei lernt er auch noch Bogen schießen und Reiten und das Überleben in der Wildnis.

Er lernt aber auch Kochen und vor allen Dingen putzen und sein Zeug selbst in Ordnung halten, denn die Lehre beinhaltet natürlich auch, dass man nicht nur die tollen Dinge lernt. Walt ist ein strenger, manchmal für Wills Geschmack zu emotionsloser Lehrer, aber er ist immer fair und gut zu dem Jungen. Und so mag er seinen Lehrberuf immer lieber und freut sich, dass er etwas kann.

Auch seine ehemaligen Mit-Mündel fühlen sich in ihren Lehrstellen wohl. Ein Mädchen wird Köchin und das ist genau das, was sie immer wollte. Eine andere wird Diplomatin werden und ein weiterer Junge ist bei den Schreibern untergekommen. Auch er ist genau da, wo er hinwollte und wo er gut ist. Der einzige, der Pech hat, ist Horace: Wie sich herausstellt, ist er ganz richtig in der Heeresschule, er scheint sogar ein Naturtalent in Sachen Schwertkampf zu sein. Leider wird er von drei älteren Jungen gemobbt und bis aufs Blut gepiesackt – und bis sich diese Situation auflöst, hat der Junge eine sehr schwere Zeit. Aber irgendwann bekommen die zuständigen Erwachsenen Wind von der Sache und die drei Bösewichter werden der Schule und sogar des Landes verwiesen.

Was mir bisher total gut an dieser Geschichte gefällt, ist Folgendes: Trotz des Mittelalterumfeldes lernen Jungen und Mädchen einen Beruf. Und beide Geschlechter sind einfach so miteinander befreundet, ohne dass gleich die Pärchen aufgeteilt werden. Nichtsdestotrotz ist nicht alles Sonnenschein: Will und Horace geraten irgendwann total aneinander, einfach weil sie nicht in der Lage sind, über ihre Sorgen zu reden. Die Geschichte weiß das, es ist also kein Spannungsaufbau über einen blöd konstruierten Konflikt, der die nächsten zig Bände aufrecht gehalten wird. Auch die Tatsache, dass einfach mal etwas gut geht, weil die Kinder eine zwar elternlose, aber trotzdem gute Kindheit hatten, sticht aus dem üblichen Einerlei der belletristischen Fantasyergüsse hervor.

Ich bin gespannt, wie sich Will & Co. weiterentwickeln werden und stürze mich jetzt wieder auf meinen Lesestoff … 🙂

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