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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Happy Smekday oder der Tag, an dem ich die Welt retten musste

Immer diese Außerirdischen! In zahllosen Erzählungen wird davon berichtet, wie sie („Schon wieder“ möchte man ausrufen) unsere hübsche Erde unterjochen wollen, uns Menschen erbärmlichst behandeln etc. Die Berichte sind so vielfältig wie die Aliens, aber seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion und allen anhängigen Staaten gibt es auch kaum literarische Hoffnung für einen friedlichen Besuch unserer Brüder und Schwestern (oder wasauchimmer) im All.

Da tut es richtig gut, den „Bericht“ von Gratuity Tucci – für ihre Freunde Tip – zu lesen. Für eine Zeitkapsel, die erst in 100 Jahren wieder geöffnet werden wird, sollen alle Kinder einen Bericht schreiben – und einer davon wird ausgewählt, aufgehoben zu werden. Thema: „Die wahre Bedeutung von Smekday“. Nach ein wenig Hin und Her wird Tips Bericht angenommen und so erfahren auch wir, wie das alles war und was es mit diesem Smekday auf sich hat. Aus der Sicht der damals Elfjährigen berichtet sie, welche Erfahrungen sie in den USA mit der Invasion der Boov und in der Zeit danach gemacht hat.

Irgendwann, nicht allzu lange vor Weihnachten, landen Außerirdische auf der Erde. Die Boov sehen aus wie ein großer Marshmallow mit vielen Beinen, sprechen menschliche Sprachen und teilen den Menschen mit, dass sie jetzt hier wohnen werden. Ihr Anführer heißt Smek und deswegen ist die Erde jetzt Smekland. Weihnachten wird in Happy Smekday umbenannt, was mal wieder zeigt, dass sich Besatzer ja immer irgendwie auch an die örtlichen Gegebenheiten anzupassen vermögen.

Ein halbes Jahr später, im Juni 2013, ist Tip ganz auf sich allein gestellt, denn ihre Mutter ist bei den Boov, sie wurde entführt wie so viele Leute. Die Boov haben inzwischen beschlossen, dass sie die Staaten für sich haben wollen und dass sie den Menschen nur Florida lassen. Alle US-Bürger müssen also in den Sonnenstaat umziehen und dort zusammenrücken. Die aufgeweckte Göre beschließt, den weiten Weg nach Florida mit ihrer Katze namens Sau (unerlässlich für die spätere Weltrettung) und im Familienauto zurückzulegen. Irgendwie ist ihr nicht danach, in die von den Boov bereitgestellten Raketen zu steigen. Und sie hofft sehr, ihre Mom in Florida wiederzufinden.

Und so schnappt sie sich die Katze und fährt los. Sie schafft es, den Boov-Patrouillen aus dem Weg zu fahren oder sich zumindest so zu verhalten, dass die Boov-Polizisten ihr nichts tun und auch ihr Auto nicht mit einem ihrer Gewehre zu zerstören (die Waffen dematerialisieren alles, worauf sie abgefeuert werden).

Ein Boov namens JLo

Eines Tages geht ihr Auto kaputt. Florida ist noch weit und Tip hat keine Ahnung, wie sie den Wagen wieder flott kriegen soll. Da sie Hunger hat, besorgt sie sich im nächsten Supermarkt erst mal was zu essen und entdeckt dabei einen Boov. Pfiffig wie sie ist, schafft sie es, den Boov gefangen zu nehmen und ihn dazu zu zwingen, ihr Auto wieder ganz zu machen. Dafür geht sie den Kompromiss ein, den Boov mitzunehmen.

Der Außerirdische hat einen für Menschen unaussprechlichen Namen und nennt sich daher JLo. Genau, wie die Sängerin. Er pimpt Tips kleinen Wagen so, dass er anschließend schweben kann und unerschöpfliche Energievorräte hat. Außerdem ist kein Knopf und kein Schalter mehr mit seiner ursprünglichen Funktion belegt, alles macht etwas anderes. Aber was soll’s, Tip ist nur wichtig, dass sie weiter nach Florida kommt.

Natürlich unterhalten sich die beiden Zwangsgenossen. Sie will wissen, warum er so einen blöden Namen hat, wundert sich über die Essgewohnheiten der Boov (Klosteine sind lecker!) und wird total wütend, als sie erfährt, warum unter anderem ihre Mutter entführt wurde und sie damit mutterseelenallein unterwegs sein muss. JLo lernt etwas über Familien, denn bei den Boov gibt es das nicht. Sie haben sieben Geschlechter und eines legt an bestimmten Stellen in den Boov-Städten sein „Ei“ und dann kommen andere an und geben das ihre dazu. Ist das Etwas sozusagen kurz vor dem Schlüpfen, werden die „Eier“ eingesammelt und in einer Art Kinderheim aufgezogen. Von Familie versteht der Boov daher erst einmal nichts – und deswegen auch nicht, warum Tip sich alleine fühlt.

Und nochmal durch die Staaten …

In Florida angekommen müssen sie leider erfahren, dass die Boov die Menschen nach Arizona umgeleitet haben. Sie haben festgestellt, dass es in Florida Orangen gibt, die total lecker sind und die wollen sie für sich behalten. Und so fahren Boov und Mensch nochmals durch halb Amerika … Aber vorher treffen sie noch auf ein paar Jungs, die sich in einem Freizeitpark verstecken und tricksen gemeinsam diverse Boov aus.

Irgendwann gesteht JLo, dass er bei seinem letzten Job Mist gebaut hat: Er sollte bestimmte Sendemasten überprüfen und hat zum Test ein Boov-Schmähliedchen gesungen. Leider ist das „on air“ gekommen und ins weite All gesendet worden – und hat so eine weitere Alienrasse, die Gorg, auf die Erde aufmerksam gemacht. Deswegen kann JLo sich auch nicht mehr bei seinen Mitboov blicken lassen und ist somit auf der Flucht. Und dann beschließen Tip und JLo, dass sie Freunde sind. Irgendwie mögen sie sich ja doch ganz gerne und haben sich schon das ein oder andere Mal gegenseitig gerettet.

Die Gorg, also die „Neuen“, sind noch viel schlimmer, erklärt der knubbelige Außerirdische der entsetzten Tip: Sie besetzen nicht einfach eine Welt, nein, sie fressen sie sozusagen auf. Und sie sind alle Klone. Glücklicherweise weiß JLo viel von den Gorg und kann Tip erklären, wie sie bei einer Invasion vorgehen: Das organische Gorg-Raumschiff lässt Teleklonzellen fallen. Sobald die auf der Erde sind, dienen sie sowohl als „Beamer“ (wie bei Scotty & Co.) und auch als Klonapparat. Das Schiff muss theoretisch nur einen Gorg lossenden, der sich dann zigfach reproduzieren kann. Für Tip und den Boov ist ganz klar, dass sie so eine Teleklonzelle in die Finger bekommen müssen, denn so können beide vielleicht ja doch die Welt retten.

Da sind sie schon in Roswell (ja, das kommt auch vor, inklusive mehr oder weniger durchgeknallter Alienspotter …) und ergattern mithilfe eines alten Indianers wahrhaftig eine dieser Zellen. Und dann geht’s weiter nach Arizona.

Amüsement und Nachdenklichkeit

Ich habe mich bei Happy Smekday von vorne bis hinten amüsiert – und manches Mal auch so gefühlt, als hätte mir jemand den berühmten Schlag auf den Hinterkopf gegeben, um besser denken zu können. So etwa, als Tip schließlich in Arizona landet und jemanden fragt, ob die Stadt, in der ihre Mutter jetzt wohnt, nicht Indianergebiet ist. Schließlich hätten die Weißen den Indianern ja einen Teil von Arizona „für ewig“ gegeben. Als Ausgleich dafür, dass sie die Indianer von ihren angestammten Gebieten vertrieben haben. Und nun wurden die US-Bürger wiederum von ihren angestammten Gebieten vertrieben und nehmen den Indianern wieder ihre Reservate weg. Das versteht das aufgeweckte Mädchen nicht, schließlich hätte man sich ja auch woanders niederlassen können, als im Indianerreservat …

Im Fall von Happy Smekday habe ich sowohl das Buch gelesen als auch das Hörbuch gehört. Das Hörbuch ist gut anzuhören, Cathlen Gawlich bringt besonders JLo schön zur Geltung. Allerdings empfehle ich unbedingt, sich das E-Book oder das richtige Buch anzuschauen. Die Zeichnungen darin sind wirklich nett und man hat als Leser vor allem den Mehrwert der von JLo „gezeichneten“ Comics über die Evolution der Boov und dem Entstehen der Gorg. Davon gibt’s in dem Hörbuch nichts.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Happy Smekday oder der Tag, an dem ich die Welt retten musste
Autor Adam Rex
Seiten 575
Ausstattung E-Book
Verlag Ueberreuter
Jahr 2015

Das Buch selbst ist nur noch antiquarisch erhältlich, das E-Book und das Hörbuch sind noch lieferbar.

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