chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Ein Sammelsurium in der Zeit ohne Ausgang

Ich hoffe, euch geht es allen ganz prima – und dass ihr, egal was ihr tut oder tun müsst, neben der Arbeit, dem Haushalt, dem Genuss des schönen Wetters und dem Renovieren 😉 auch ein bisschen lesen könnt.

Ah ja, endlich mal Zeit zum Lesen!!! Zumindest mir geht es so. Und so habe ich ein schönes Sammelsurium an Büchern durchgeschmökert. Neben phantstischen (Jugend-)Büchern sind auch Werke jenseits unserer üblichen Pfade dabei, wie die Reise in die Emirate oder Haushaltstipps. Doch lest selbst …

Sauber ohne Aufwand?

Mit Katrin Tempels Bewährte Hausmittel neu entdecken will ich loslegen. Eine Mischung aus Kräuterratgeber, Gartentipps und Haushaltshilfen, mit denen man sich vielleicht das ein oder andere hochkomplexe chemische Mittelchen ersparen kann. Allerdings habe ich noch nichts ausprobiert. Viel schiefgehen kann allerdings nicht, wenn man sich zum Beispiel den Kaffeesatz vom Morgen aufhebt, trocknet und testet, ob sich damit wirklich Gerüche einfangen lassen. Und den Backofenreiniger aus flüssigem Soda mit Orangenöl werde ich wohl auch mal versuchen.

Mir haben die Tipps gut gefallen und sie kommen auch nicht mit zu viel Schnickschnack drumrum daher oder damit, dass man für die Tipps immer noch zig Dinge besorgen muss. Das ganze Buch wirkt bodenständig und ok und die „Rezepte“ sind einfach zu bewerkstelligen. Das ist ja für Haushaltstipps immer prima.

Ab in den Sofa-Urlaub

Wenn man nicht selbst verreisen kann, kann man sich die Welt ja mit den Augen anderer ansehen. Reiseberichte sind in, jeder, der mal irgendwo unterwegs war, schreibt heutzutage ein Werk darüber, was er oder sie so erlebt hat. Immer mit persönlichem Touch. Manches Mal kann das ganz schön nervig sein.

Nadine Pungs‘ Bericht über ihre Reise nach Jordanien und in die Emirate (Meine Reise ins Übermorgenland) hat mir jedoch gut gefallen. Zum einen, weil man doch eher selten Berichte von jemanden findet, der „einfach so“ loszieht – also ohne ein übergeordnetes Thema wie „Ich gehe zu Fuß“ oder „ohne Geld“ oder „Eine Familie macht xyz“ oder so. Pungs reist einfach. Klar hat sie eine Route und vorher bestimmt auch ganz ordentlich geplant. Und ein paar Kontakte hatte sie wohl auch, zumindest nehme ich das an, wenn sie darüber berichtet, wie sie einen Termin bei einer jordanischen Prinzessin bekommt.

Zum anderen gefiel mir ihr schnodderiger Stil sowie, dass sie mit ihrer Meinung nicht hinterm Berg hält, allerdings verbunden mit Respekt für Land und Leute der von ihr besuchten Länder. Sie regt sich nicht über Sitten und Gebräuche auf, sondern akzeptiert sie einfach mal. Gleichzeitig merkt man ihr an, dass sie im Vorfeld eine ganze Menge Literatur gelesen haben muss, so dass sie manches auch in einen geschichtlichen Kontext stellt und zum Beispiel darüber berichtet, wie im Dritten Reich Propagandasendungen der Nazis gegen die Juden im Orient lanciert wurden.

Mit ihr reist man unter anderem durch Kuwait, Oman und Katar. Die hat man ja meist noch halbwegs auf dem Schirm, wenn es um die Emirate geht. Aber sie stattet auch zum Beispiel Bahrain oder dem Emirat Sharjah einen Besuch ab, die doch eher selten Erwähnung finden.

Reisen bildet, aber auch das „Mitreisen“ bringt immer wieder was Neues in das eigene Leben und so ermuntere ich euch gerne, nicht nur die phantastischen Welten zu erforschen sondern ruhig mal den ein oder anderen Reisebericht zur Hand zu nehmen.

Deutschlands Luxusinsel – damals

Da ich meine eigenen Ratschläge zuweilen auch ernst nehme 😉 habe ich dann auch noch Ozelot und Friesennerz von Susanne Matthiessen gelesen. Das ist allerdings kein wirklicher Reisebericht, aber eine Zeitreise ins Sylt der 60er und 70er. Matthiessen ist gebürtig aus Sylt und schreibt über ihre Kindheit und beginnende Jugendzeit, damals, als Sylt schon mondän und beliebt bei den Reichen und mehr oder weniger Schönen war, aber immer noch nach mehr strebte.

Ihr Buch ist vor allen Dingen persönlich, da es in weiten Teilen über ihre Familie und die Geschicke ihrer Eltern berichtet. Mutter und Vater Matthiessen hatten ein Pelzgeschäft in Westerland und verkauften Nerzmäntel und -mützen, fertigten auf Bestellung auch schon mal einen Pelz-Bikini und fielen Trickbetrügern zum Opfer, die sich teure Pelze unter falschem Namen ergaunerten.

Gleichzeitig ist ihr Buch das Bild der meist gutbürgerlichen, gutbetuchten Familien und ihrer Sprösslinge, die sich oft selbst überlassen waren oder aber total ins Saisongeschäft miteingespannt wurden – und die immer anständig, höflich und repräsentativ sein mussten, da an jeder Ecke Gäste waren, denen man ja keine unartigen Kinder zumuten wollte. Matthiessen gelingt es zu zeigen, dass sich auf Sylt in der Saison alles dem Tourismus, vor allen Dingen dem reichen Tourismus unterzuordnen hatte. Und wie dafür auch der schon damals begonnene Ausverkauf der Insel immer weiter vorangetrieben wurde – und wie sich dies bis in die Jetztzeit hält.

Wer Sylt mag und kennt, sollte vielleicht mal reinstöbern in dieses Buch – und sei es auch nur, um Orte zu vergleichen oder sich vielleicht auch an Früheres zu erinnern.

Ins Abseits geschleift?

Holly-Jane Rahlens schreibt ja immer ein bisschen andere Bücher und so ist ihr neuestes Machwerk mal wieder eine Geschichte, in der es a) um Bücher und Autoren geht und b) um ein Mädchen, das sich in sein neues Leben einfinden will und soll. Vielleicht auch darüber, dass man manchmal einfach seinen Blickwinkel ändern könnte, um besser mit dem Leben zurechtzukommen.

Elizabeth, genannt Lizzy, lebt neuerdings mit ihrem Vater in einem schottischen Schloss. Und das, weil der Vater sich in eine Frau verliebt hat, der das Schloss inklusive des darin untergebrachten Hotels gehört. Und die beiden Erwachsenen wollten mal das Familienleben üben. Und so hockt sie nun am Ende der Welt auf einer kleinen Insel, findet ihre „Stiefmutter (zukünftig)“ doof, ja, sogar richtig gruselig, da sie immer öfter Alpträume davon hat, wie die neue Frau ihr mit ihren langen, rot lackierten Fingernägeln die Kehle aufschlitzt. Buäh.

Dazu kommt, dass Lizzy immer öfter Schwindelanfälle hat und sich auf merkwürdige Art und Weise Dinge um sie herum verändern. Dinge, von denen sie sicher ist, dass sie vorher anders waren. Sie versucht, mit der neuen Situation und ihren Ängsten und Sorgen klarzukommen, aber wie es sich für einen Roman gehört, geht das natürlich nicht mal so eben.

Im Gegenteil: es wird noch schlimmer! Plötzlich erhält Lizzy nämlich Mails, in denen fast wortwörtlich geschrieben steht, was sie gerade tut und – noch gruseliger – denkt. Das wird vollends peinlich für den Teenager, als sie sich gerade mit Mack, einem Jungen aus der Nachbarschaft, anfreundet. Der Computer-Nerd will Lizzy bei den Mails helfen und muss plötzlich lesen, dass sie seinen etwas vorstehenden Eckzahn süß findet. Endpeinlich, vor allen Dingen in dem Alter! Trotzdem hilft er ihr und wird so der erste Kumpel, den Lizzy auf der „öden Insel“ findet.

Und dann taucht noch Betty auf, die Lizzy wie aus dem Gesicht geschnitten ist, im selben Zimmer wohnt, aber definitiv nicht die verschollen geglaubte Zwillingsschwester ist. Ziemlich fix hat Mack eine Theorie: Die beiden Mädchen sind eine Variation der ein- und selben Person … Und dann beginnen die drei zu forschen, was eigentlich los ist in ihrem Leben.

Was mir an Rahlens immer wieder gefällt: Irgendwie schafft sie es ganz gut, die Gefühls- und Denkwelt von Teenagern zu beschreiben. So wie die Sache mit dem Eckzahn. Klar gehen einem (und nicht nur Teenies, wage ich zu behaupten) solche Gedanken durch den Kopf. Aber wenn der oder die andere es dann mitbekommt, ist es doch so was von peinlich, versinken will man vor Scham und vor Angst, dass das Gegenüber einen jetzt für total behämmert hält. Ist man älter, kann man das eher wegstecken, aber als Pubertätsneuling wie Lizzy – no way! Und das trifft die Autorin ganz gut.

Zudem hat die Geschichte eine unerwartete Wendung, als die Jugendlichen erahnen, was wirklich mit Lizzy und Betty, beide eigentlich Elizabeth, los ist. die Vorstellung, eventuell dieselbe zu sein und dass es jemanden geben könnte, der das alles manipuliert … das stellt auf sehr unangenehme Art die eigene Existenz infrage.

Leider ist es auch in dem typischen Rahlens-Stil und deswegen muss man manchmal doch ein bisschen Geduld haben, bis sich die Autorin weiter durchgewurschtelt hat. Trotzdem: Das Buch ist vergnüglich und nett. Man kann es einfach weglesen und es ist daher genau das Richtige für einen Sofanachmittag.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Bewährte Hausmittel neu entdecken
Autor Katrin Tempel
Seiten 178
Ausstattung E-Book
Verlag Piper
Jahr 2020

 

Titel Meine Reise ins Übermorgenland
Autor Nadine Pungs
Seiten 221
Ausstattung E-Book
Verlag Malik
Jahr 2020

 

Titel Ozelot und Friesennerz
Autor Susanne Matthiessen
Seiten 209
Ausstattung E-Book
Verlag Ullstein
Jahr 2020

 

Titel Das Rätsel von Ainsley Castle
Autor Holly-Jane Rahlens
Seiten 211
Ausstattung E-Book
Verlag Rowohlt
Jahr 2020

 

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