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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Kochen wie bei Mama

Hurra, hurra, wir dürfen wieder Essen gehen. Seit Montag vor zwei Wochen steht die Küche wieder kalt, denn nach einer so langen Zeit des Lechzens nach Restaurantbetrieben kochen wir natürlich nicht mehr am heimischen Herd, sondern sorgen dafür, dass alle Restaurants ihre erlaubten 50 % voll auslasten. Schließlich sind wir begeisterte Kulinarier, die sich gern von Leuten, die ihr Handwerk beherrschen, bekochen lassen.

Rückblickend aber war es auch irgendwie eine schöne Zeit: Jeden Tag daheim etwas kochen (gut, ab und zu auch mal liefern lassen) kann wirklich Spaß machen. Spätestens wenn man die eigentlichen Stammgerichte einmal durch hat, zieht man dann das eine oder andere Kochbuch aus dem Regal. Und ist erstaunt, was da so alles Leckeres drinsteht.

Kurzum möchte ich euch, geneigte Leser, heute meine vier liebsten Kochbücher vorstellen, ohne die ich diese magere Zeit bestimmt nicht so schadlos überstanden hätte (das gilt auch für andere Zeiten in der Vergangenheit – schließlich habe ich die meisten Kochbücher schon eine Weile).

Unangefochtene Nummer 1 ist: The Sopranos Family Cookbook. Manch einer von euch mag die Serie kennen: Mafia-Boss Tony Soprano, heimlicher König der Unterwelt von New Jersey, bekommt eines Tages Panikattacken; beginnend mit dem Tag als die liebgewonnenen Entenküken aus seinem Gartenpool erwachsen sind und wegfliegen. Ein wahrer Gauner, wer hier nicht selbst den Tränen nahe ist. Es folgt eine offizielle Rahmenhandlung aus diversen Therapiesitzungen, in denen er seine Angststörung zu bekämpfen versucht, und eine inoffizielle, in der im Restaurant seines Kumpels Arti Bucco gespeist wird, bis der Arzt kommt. Denn wo könnte die US-Ostküsten-Mafia besser über Schutzgeldareale, den Müllentsorgungsmarkt und Waffenhandel reden, als bei Fiori di Zucca Fritti, Osso Bucco und Torta Caprese?

Tatsächlich habe ich diese Serie geliebt und bei jeder Folge, in der gegessen wurde (das betraf fast alle Folgen) Hunger gekriegt. Was für ein Segen für mich, als endlich das Kochbuch dazu herauskam. Das Family Cookbook enthält natürlich jede Menge Anspielungen auf die Serie – Bilder, kurze Anekdoten, fiktive Interviews, aber vor allem findet man darin wirklich gute und – wie ich finde – ziemlich italienische Rezepte. Daher ist es nicht nur für Fans der Serie spannend. Es mag sein, dass die Rezepte für wahre Kenner der italienischen Küche einen Hauch zu amerikanisch sind. Aber genau darin liegt der Witz der ganzen Serie: Amerikaner halten sich für Italiener, werden aber von Italienern Amerikaner geschimpft. Ich fand die Gerichte in dem Buch jedenfalls immer prima, auch wenn ich mich noch längst nicht durchgekocht habe. Mein besonderer Liebling ist die Sunday Gravy – wer das Rezept für zwei Personen nachkocht, hat tagelang Sonntag!

Nummer 2: Omas Leibgerichte. „Ey, weißte, was ich mal wieder essen könnte?“ „Was?!“ „Hackbraten!“ „Geil, hab ich aber noch nie gemacht!“ „Ich auch nicht.“

An dieser Stelle kommt Omas Leibgerichte ins Spiel. Es ist genau das, was der Name großspurig angekündigt: Die All-time-favourites der Kindheit, von Familienfesten und Zuhause. Hühnerfrikassee, Kohlrouladen, Heringssalat, Kartoffelpuffer – es ist einfach alles drin. Plus ein ganzer Sack voller Traditionsgerichte, die man aus – möglicherweise regionalen – Gründen gar nicht kennt. Ich denke hierbei an Labskaus, Berliner Kalbsleber, Aal in Salbei oder den dicken Frankfurter Kranz. Neben den Hauptspeisen gibt es auch noch jede Menge Rezepte, die man immer gebrauchen kann: Soßen (Mayonnaise, Remoulade etc.), Beilagen (Spätzle, Rotkohl, Leipziger Allerlei) (ja, echt wahr: Nicht tiefgefroren!)  oder Eier (Gefüllte Eier, Eier Benedikt, Pochierte Eier). Auch wenn man das eine oder andere Rezept noch ein bisschen nach eigenem Geschmack abwandeln kann, bietet dieses Kochbuch eine gute Startposition für alle Hab-ich-noch-nie-gemacht-Rezepte. Hackbraten, kannst kommen!

Auf Platz 3 landet: Das große Eintopfbuch. Ehrlich gesagt, ein ziemlich einfallslos aufgemachtes Buch, klassischer Bildband-Stil, allerdings der billigen Sorte. Billig war es auch,  5 Euro (Preishammer!) in irgendeinem Buchkettending. So weit, so naja. Aber dann: doch ganz schön lecker. Präsentiert werden dutzende Rezepte, deren Gemeinsamkeit darin besteht, dass sie in einem Topf zubereitet werden können. Topf meint hierbei auch Wok, Kasserole oder Auflaufform. Kann man aber gelten lassen. Neben einigen klassischen Gerichten, deren Rezepte man bestimmt woanders besser nachschlagen kann (Coq au Vin, Schweinebraten, Vichiysoisse) sind hier ein paar simple, aber schmackhafte und durchaus raffinierte Schmankerl zu entdecken: Hühnchen-Gumbo mit Okras, Ententopf nach Jambalaya-Art oder Lachssuppe mit Porree. Richtig gut wird es aber dann bei den Desserts. Wer auf Crumbles steht, kommt hier voll auf seinen Geschmack, aber vor allem der Schoko-Marshmallow-Riegel ist King!

Und last but not least: Das große Buch der vegetarischen Küche. Damals mit um die 20 waren fast alle in der Clique Vegetarier. Wie als Ausgleich dafür, dass man das Rauchen und das Trinken angefangen hatte. In dieser Zeit gab es einen vegetarischen Burger bei McDonalds, der scheußlich schmeckte, und ein paar sündhaft teure Fleischersatzprodukte im Reformhaus. Ach ja, und Pizza Margherita. Den Rest musste man selber kochen. Da kam Das große Buch der vegetarischen Küche gerade recht. Rückblickend würde ich dieses Kochbuch fast als unsere Bibel bezeichnen, denn jeder hatte es. Es ist aber auch wirklich gut gemacht.

Damals war vegetarisch noch gleichbedeutend mit gesund. Für das Buch bedeutet das, dass es Zutaten wie Getreide, Kräuter, Milchprodukte erklärt und nach bestimmten Eigenschaften sortiert werden. Man erfährt etwas über Fett- und Nährstoffgehalt einiger Lebensmittel und erhält ein paar gute Tipps, wie man bestimmte Zutaten zubereitet oder wo man sie erhält (damals gab es Tempeh noch nicht in jedem Supermarkt…). Dann geht es los mit wirklich vielen Rezepten, die ebenfalls gut sortiert und unterschiedlich aufwendig sind. Neben Pasta, Suppen und Salaten in vielen Variationen werden auch durchaus interessantere Gerichte enthalten wie Scones, Maisplätzchen oder Kartoffel-Apfel-Schichtauflauf. Hauptgerichte, Snacks und Beilagen sind etwa gleich gut vertreten und es gibt für jede Gelegenheit eine gute Idee. Auch nach 20 Jahren noch. 

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel  The Sopranos Family Cookbook
Autor  Allen Rucker / Michelle Scicolone (Rezepte)
Seiten 189
Ausstattung Hardcover
Verlag Warner Books
Jahr 2002

 

Titel Omas Leibgerichte
Autor Nur Vorwort: Johanna Wallmann
Seiten 253
Ausstattung Hardcover
Verlag Parragon Books Ltd.
Jahr o.J.

 

Titel Das große Eintopf-Buch
Autor Einleitung: Christine McFadden
Seiten 315
Ausstattung Hardcover
Verlag Parragon Books Ltd.
Jahr o.J.

 

Titel Das große Buch der vegetarischen Küche
Autor Murdoch Books (diverse)
Seiten 302
Ausstattung Hardcover
Verlag Dt. Ausgabe: Könnemann Verlagsgesellschaft
Jahr 1997

 

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