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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Alice – Follow the White …

Oh Mann, in Alice – Follow the White … ist so viel verbraten, dass man die ganze Zeit nur staunend hinter der Story herhechelt – passend zum Titel, sozusagen (das Kaninchen ist ja auch eins von der hektischen Sorte) – und sie am besten gleich zweimal liest, um alles so einigermaßen erfassen zu können.

Also: Klar, es geht um Alice. Ja, es geht auch irgendwie um DIE Alice-Geschichte, aber irgendwie auch nicht. Denn diese Alice hat zwar eine Familie, aber die will sie nicht haben. Genausowenig wie alle anderen Kinder und Jugendlichen in Miss Yorks Schule von ihren Familien gewollt sind. In der Schule werden nämlich Kinder und Jugendliche mit einer magischen Begabung (unterteilt in Jäger, Seher und Astrale) untergebracht – und zwar nicht, damit sie etwas lernen.

Nein, magisch begabter Nachwuchs wird in solche Internate oder Quasi-Waisenhäuser gesteckt, um ihre Begabung zu kontrollieren und am allerbesten zu verlernen, vergessen, wegzustecken, sich dafür zu schämen etc. Also mal wieder ein klarer Fall von missglückter Erziehung. Zudem sehen die wenigsten der Kids noch irgendwen aus ihrer Familie jemals wieder. Also überhaupt nicht wie bei Harry Potter, Charlie Bone & Co., man denkt eher an die X-Men, die ja auch nicht erwünscht sind.

Eine Tote wird erschossen

Und so ist auch Alice in Miss Yorks Schule gelandet und schämt sich fürchterlich ihrer Gabe, in ihrem Falle der sogenannten Spiegelsicht. Das heißt, sie kann über Spiegel kommunizieren, aber so ganz genau hat sie leider bisher nicht herausfinden können, was da passiert, es ist ja schließlich verboten.

Glücklicherweise hat sie zwei Freundinnen gefunden: Betty und Chloe. Leider stirbt Alice‘ Freundin Betty eines Tages und die Jugendlichen stehen bedröppelt am Grab, als eine ihrer Mitschülerinnen plötzlich nach vorne stürmt und die Leiche im Sarg noch mal erschießt. Warum sie das macht? Keiner weiß es. Aber Alice und Chloe beschließen, herausfinden, was hinter der kuriosen Tat steckt.

Ein Kaninchen als Retter in der Not

So nimmt die Sache ihren Anfang. Denn in der gleichen Nacht passieren weitere unglaubliche Dinge, inklusive der Tatsache, dass Betty als Zombie wieder aufersteht und die Mitschülerin umbringt, die sie noch mal erschossen hat. Rache muss ja schließlich sein. Alice und Chloe entdecken, dass diese Mitschülerin im Auftrag der ARO (eine geheime Regierungsorganisation – mal wieder) handelte. Und damit wird klar, dass Alice und Chloe und die wiederbelebte Betty dringend verschwinden müssen. Mit einem Mord an den Hacken ist klar, dass sie tierischen Ärger mit Schulleiterin York bekommen werden.

Und – Tadaaaaa – Rettung erscheint in Gestalt eines Kaninchens, das unbedingt will, dass die drei in seine Welt mitkommen. Alle drei glauben, dass sie irgendwie verrückt geworden sind. Denn: Wer kann schon an ein Kaninchen glauben, das sich als Hauptspion der Königin der Spiegel im Dämmer-Spiegel-Land vorstellt? Und dann will das Kaninchen auch noch einen ominösen Schlüssel haben und das Dämmer-Spiegel-Land vor einer Seuche retten und dabei sollen die drei auch helfen (seid ihr noch dabei oder habt ihr, wie ich, beim Lesen schon Maikäfer in der Birne von all den ganzen neuen Ideen?). Aber die drei Mädchen denken, was soll’s, Hauptsache weg aus der Schule und stürzen sich mit dem Kaninchen kopfüber in ein Erdloch und eine andere Welt.

Die Seuche im Dämmer-Spiegel-Land kennen die Mädels allerdings schon: Die Leute (damit ist hier alles gemeint, auch tote Flamingos!) bleiben nicht tot, sondern erstehen – wie Betty – als Zombies wieder auf. Das passiert mittlerweile in allen drei bekannten Welten: Dem Dämmer-Spiegel-Land, dem Märenland und in der Welt der drei. Doch die Zombies sind weder hier noch dort nicht so nett wie Betty. Es gibt Unterschiede, etwa in der Ausprägung, sich von Licht angezogen zu fühlen oder es zu scheuen. Gemeinsam ist allen aber, dass sie darauf aus sind, andere Lebewesen plattzumachen und im schlimmsten Falle aufzufressen. Das ist nicht förderlich für das Gedeihen des Staatswohles und so ist das Kaninchen ausgesandt worden, Hilfe zu organisieren.

Es hat sich nämlich herausgestellt, dass die rivalisierende Königin im Dämmer-Spiegel-Land wohl die Seuche auf dem Gewissen hat: Sie wollte ihre Armee pimpen, et voilà: Wie wäre es, Zombies zu schaffen? Die braucht man nicht durchzufüttern und idealerweise sollten sie gehorchen … Naja, der Plan ging irgendwie schief und deswegen ist Betty wieder da und die jungen Frauen haben ein Problem an der Backe.

Kompagnons wider Willen

Zwangsweise machen die drei Mädchen gemeinsame Sache mit dem Hasen, auch wenn das viel Gemecker, Gehöhne und Unglauben auf beiden Seiten mit sich bringt. Natürlich können alle drei in der Parallelwelt ihre Kräfte einsetzen. Dabei erweist es sich als gut, dass Betty und Chloe sich schon immer der Schulleiterin widersetzten und heimlich geübt haben: Chloe kann planmäßig sterben (und wieder auferstehen, klar!) und Betty kann alles vereisen, begraupeln oder zuschneien lassen oder sogar Eispfeile schleudern. Nur Alice traut sich nicht, war sie doch immer die Brave, aber nach und nach lässt sie sich auf ihre Spiegelmagie ein und lernt, wie praktisch es sein kann, in Spiegeln zum Beispiel Gefahren vorhersehen zu können.

Unterwegs treffen sie noch auf einen Meisterdieb, der mit ihnen kommt (und in den sich Chloe verliebt). Allerdings können sich Meisterdieb und Meisterspion nicht ausstehen – alte Geschichten hindern sie daran. Aber irgendwie raufen sich alle zusammen, befreien die Königin und dann auch noch die Schule, in der nämlich ziemlich fiese Sachen ablaufen. Schluss, Ende, uff.

Schnaufende Leser?

Ich hab den Band gleich zwei Mal gelesen und vielleichte knöpfe ich ihn mir auch noch mal vor. Ich finde, das schadet dem Buch nicht. Denn: Kennt ihr das, wenn ein Text so geschrieben ist, das man schon beim Lesen anfängt zu schnaufen, weil sich alles so rasant anfühlt? So ging es mir an vielen Stellen und da ist es überhaupt nicht schlimm, ein paar Mal die Seiten zu durchblättern, damit man auch ja alles mitkriegt …

Was mir neben der Geschichte an sich gefällt, ist, dass das Buch einmal mit Alice als Hauptperson und auch aus Sicht Bettys geschrieben ist, und so kann man manche Teile der Geschichte aus zwei Perspektiven erleben. Jedoch ergänzen sich die Teile, so dass es nicht langweilig wird. Zudem klingt es nach Fortsetzung, wenn Betty am Ende beschließt, dass sie noch mal ins Parallelland will – aber bisher ist weit und breit nichts davon zu sehen. Sehr schön 🙂

Wie gesagt, es ist ein wilder Ritt durch’s Gestrüpp, den man da mit den dreien macht. Es macht total Spaß und es ist einfach irre, wie Autorin Stephanie Kempin unterschiedlichste Parts aus vielen Geschichten miteinander verknüpft. Und es gelingt ihr, wie ich finde, ganz prima, eine trotz allem runde und saubere Geschichte zu liefern. Mehr solche Bücher, möchte ich rufen, aber bitte nicht abschreiben, ja?

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Alice – Follow the White …
Autor Stephanie Kempin
Seiten 328
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Papierverzierer Verlag
Jahr 2017

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