chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Meine Top 5 des Master of Horror

November: die Tage werden kurz und kalt, die Wochen immer länger und dank Corona ist weit und breit kein kuscheliger Weihnachtsmarkt in Sicht, auf dem man sich diese graue Zeit schöntrinken könnte. Die beste Idee ist also (Achtung: Überraschung!), sich auf dem heimischen Sofa zu zusammenzurollen und ein gutes Buch aufzuschlagen.

Was wäre jetzt wohl ein gutes Buch? Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber ich finde, der Winter drängt sich für gruselige Horror-Bücher geradezu auf. Auch wenn die Zeit der Geister mit Halloween Ende Oktober eigentlich zu Ende geht, bleiben immer noch die nebligen Tage und langen, finsteren Nächte, zu der nichts besser passt als eine literaturerzeugte Gänsehaut.

Und wer liefert dafür den maßgeschneiderten Stoff? Naja, das ist nach wie vor Stephen King. Das mag jetzt langweilig klingen, weil dieser Name in solchen Kontexten immer fällt,. aber es gibt auch einfach gute Gründe dafür. Einer davon lautet: Seine Bücher machen einfach Spaß. Lieste eine Seite, lieste alle, womit ich meine, dass zumindest ich nicht damit aufhören kann, bis das Monster entweder die ganze Stadt gefressen hat oder verdientermaßen zur Strecke gebracht wurde. Oder beides.

Jetzt sind Kings Romane den meisten Menschen hinreichend geläufig (auch durch diverse Artikel auf dieser Website), daher lasse ich die mal beiseite. Stattdessen möchte ich 5 seiner Kurzgeschichten vorstellen, von denen er ebenfalls unzählige verfasst hat.

Meine 5 liebsten Kurzgeschichten von Stephen King! (Jeden Monat eine und danach ist wieder Frühling :-))

  1. Überlebenstyp (erschienen im Kurzgeschichtenband Der Fornit, 1986): Richard Pine, ein junger Arzt strandet auf einer einsamen Insel. Karg und freudlos, ohne nennenswerte Vegetation. Richard selbst bringt auch keine Vorräte mit. Immerhin etwas Wasser, einen Erste-Hilfe-Koffer und etwas Nähzeugs. Zwei Messer, das Buch, in das er seine Erlebnisse niederschreibt und ach ja … 2 Kilo reines Heroin. Neben seiner Tätigkeit als Arzt hat sich Richard nämlich noch als Drogendealer verdingt und das gar nicht mal schlecht. Bis zu dem Tag, an dem er mit den 2 Kilo Beute aus Vietnam in die USA reisen wollte und das Schiff, auf dem er unterwegs war, sank. Nun sitzt er auf der Insel mit jeder Menge Drogen, aber ohne Nahrung. Blöd ist auch: er ist verletzt. So schwer, dass er um eine Operation, nein, schlimmer: um eine Amputation nicht herum kommt. Zum Glück gibt es das Heroin. Das betäubt schön, bringt einen aber auch auf seltsamen Gedanken. Aber egal: gegen den Schmerz hilft Heroin und gegen den Hunger … nun, das verrate ich nicht …

    Herrlich eklig, fies und aussichtslos ist diese Geschichte, die ganz ohne übernatürliche Wesen auskommt.

  2. Der Straßenvirus fährt nach Norden (erschienen in: Im Kabinett des Todes, 2002): Ein Mann findet auf einem Flohmarkt ein Bild, das ihn irgendwie fasziniert. Auf ihm ist ein junger Mensch zu erkennen, der in einem Sportwagen über eine Brücke heizt. Er wirkt lässig, er grinst und sein Mund entblößt eine Reihe spitzer Zähne … Der Mann kauft das Bild, nimmt es mit, während er selbst eine lange Strecke mit dem Auto unterwegs ist, und stellt fest, dass sich das Bild auf unheimliche Weise verändert. Welche Folgen das hat, begreift er erst, als es zu spät ist.

    Diese Kurzgeschichte ist irgendwie nichts Besonderes, aber ich mag sie. Sie ist kurzweilig, vergnüglich und angenehm schaurig. Ich hab danach erstmal geguckt, ob ich irgendwelche Bilder abhängen muss.

  3. Die Leiche (erschienen in: Frühling, Sommer, Herbst und Tod, 1982): Im Jahr 1960 machen vier etwa 12-jährige Jungs eine Ausflug. Sie haben gehört, dass ein Gleichaltriger aus ihrer Umgebung bei einem Unfall auf den Bahngleisen tödlich verunglückt ist, die Leiche aber noch nicht geborgen wurde. Aus einer Mischung aus Abenteuerlust und der Vorstellung, durch den Fund berühmt zu werden, machen sie sich auf die Suche nach dem toten Menschen. Fast zwei Tage dauert der Weg dorthin und in diesen Tagen reden und schweigen sie viel miteinander, sie fürchten sich und machen blöde Witze, sie verhalten sich wie normale 12-jährige, die ein bisschen unsicher gegenüber dem sind, was sie erwartet. Ihre Suche ist quasi erfolgreich, doch der Fund und die Rückkehr in ihre Heimatstadt gestalten sich nicht so wie gedacht.

    Vielen ist die Handlung durch die Verfilmung „Stand by me“ geläufig, ein sehr gelungener Film, wie ich übrigens finde. Es ist eigentlich keine besonders spannende oder schaurige Geschichte, aber sie verdeutlicht auf recht wenigen Seiten, wie ernüchternd und schmerzhaft, aber auch unausweichlich das Erwachsenwerden ist.

  4. Achtung – Tiger (erschienen in: Im Morgengrauen, 1985): Charles muss pinkeln. Dringend. Es ist zwar mitten in der Schulstunde, aber er kann wirklich nicht länger warten. Zum Glück darf er gehen, auch wenn es peinlich ist, dass alle wissen, dass er muss. Egal, er geht so schnell er (mit voller Blase) kann zur Schultoilette und da – liegt ein Tiger. Ein riesiger, echter, lebendiger Tiger. Er sieht hungrig aus, wie er so um die Pissoirs streift. Was nun? Charles wartet mit Herzrasen auf dem Flur darauf, dass was passiert. Sein Mitschüler kommt, um nach ihm zu sehen. Er glaubt ihm den Tiger nicht, warum auch … Aber tja – der Tiger ist da und sein Mitschüler nicht mehr.

    Das hier ist eine wirklich kurze Geschichte (6 Seiten lang) und eigentlich gibt es hier auch keine übernatürlichen Wesen – obwohl ein Tiger im Waschraum einer Schule auch nicht unbedingt als natürlich zu bezeichnen ist. Mir hat die Geschichte deswegen gefallen, weil mir nicht mehr aus dem Kopf ging: Was wäre, wenn morgen so ein Tiger auf deiner Schultoilette liegt?

  5. Quitters Inc. (erschienen in: Trucks, 1986): Morrison will sich das Rauchen abgewöhnen. Er weiß, dass das bei der Menge der Kippen, die er quarzt, fast unmöglich ist und er weiß auch, dass er nicht aufhören will, sondern muss – sonst macht seine Gesundheit endgültig schlapp. Da er praktisch alle gängigen Entwöhnungsprogramme schon durch hat, lässt er sich auf ein äußerst dubioses Unternehmen ein, das ihm sein alte Freund McCann empfiehlt. Quitters Inc. behauptet, eine Erfolgsquote von 98 % zu verzeichnen. Am Ende des Programms war McCann nach einen eigenen Angaben nicht nur rauchfrei, sondern auch beruflich erfolgreicher und führt wieder eine glückliche Ehe. Etwa einen Monat später sucht McCann das Unternehmen auf. Eher aus Neugier denn aus Überzeugung heraus willigt er in die „Behandlung“ ein. Nach dem ersten Termin ist ihm jedoch klar: er wird nie wieder eine Zigarette anrühren.

    Wieder eine Geschichte, die ohne übernatürlichen Kram auskommt. Sehr perfide und gemein, aber auf seltsame Weise glaubwürdig …

Witzigerweise kommen nur in einer meiner Top-5-Geschichten übernatürliche Phänomene vor. Das repräsentiert zwar nicht das Verhältnis in Kings Gesamtwerk, aber es spricht (in meinen Augen) dafür, dass eine gute King-Geschichte auch mit den Monstern dieser Welt auskommen kann.

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