chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Ich lese gerade … Der Schnitt durch die Sonne

Am Anfang in Der Schnitt durch die Sonne geht es um philosophische Gedanken, wenn einer die Hand eines anderen hält, weil beide über einer Klippe mit einem Ungeheuer am unteren Ende hängen. Keiner will abstürzen. Aber der eine kann sich nicht retten, indem er loslässt, weil der unten Baumelnde nicht losgelassen werden will. Man weiß jedoch nicht, welche Hand man selber ist. Philosophische Gedanken darüber bilden den Start des Romans.

Und dann: Ein Millionär wird entführt. Einer, der seinen Hund liebt und der einen wahnsinnig guten Geschmackssinn hat. Er weiß nicht, warum er entführt wird. Er weiß nicht, warum sein Hund von den Entführern umgebracht wurde und warum er dann ein sauleckeres Steak bekommt. Oder war es Geflügel und sein Sohn, der malträtiert wurde? Und warum kann er plötzlich verstehen, was die junge Frau ihm sagt … obwohl sie weder englisch, türkisch noch eine sonst ihm bekannte Sprache spricht? Er blickt nicht durch – aber er hört der Frau doch zu.

Wieder ein Schnitt: Jetzt trifft man eine alte Frau, die irgendwo in Deutschland in einem Altenheim sitzt und sich langweilt. Die Alt-Maoistin ist, in Kommunen gelebt hat, ein Kind bekommen, ohne dem Vater das Resultat ihrer Affäre zu berichten. Die sich eine vernünftige Zeitung kauft und ein Adelsklatschblättchen, um was zum Lachen zu haben. Die versucht, ihrer Enkelin Ratschläge bei Liebeskummer zu geben, indem sie ihr Geschichten über Stalin erzählt. Und die dann von der gleichen Frau Besuch bekommt, die dem Millionär sein Steak oder was auch immer gebraten hat.

Sonnenuntergang

Auf der Sonne leben Wesen in From von Tornados – kaum vorstellbar. Und auf der Erde können sie prima kochen, naja, passt ja irgendwie …

Eben kurz die Sonne retten

Worum geht’s? Fünf ganz unterschiedliche Menschen werden ausgewählt, um zur Sonne zu fliegen. Die Steakbraterin scheint eine Außerirdische zu sein – und sie braucht wohl Hilfe, denn die Bewohner der Sonne haben einen gewaltigen Konflikt.

Es geht also um die Rettung einer Welt. Okay, eines Sterns, denn die Sonne ist ja nun mal kein Planet. Egal. es geht mal wieder wie so oft darum, dass man was rettet. Auf einer Queste. Warum die dafür Menschen brauchen, die sie in neue Körper stecken – keine Ahnung.

Angesprochen hatte mich ausnahmsweise mal der Klappentext. Weil die Mischung des Questenteams so interessant scheint: Schülerin, Koch, Finanzberater, Mathematikerin, Gitarrist und Pianistin steht da, obwohl dann doch keine Schülerin dabei ist … Das ist so ein bisschen wie beim Herr der Ringe – alle möglichen Leute machen mit und erst mal scheint es egal zu sein, wer und woher sie waren. Keine verschollenen Königskinder, kein angeblich einsamer Held, „nur du kannst alles retten“ und so. Ist doch mal schön, wenn einfach ein paar Leute zusammen die Hütte rocken, oder?

Auf jeden Fall hat mich das angesprochen und ich habe deswegen das Buch gekauft. Jetzt, nach den ersten 50 Seiten weiß ich immerhin schon mal, dass der Millionär (ich glaube, das soll der Koch vom Klappentext sein …) wegen seines feinen Geschmackssinns ausgesucht wurde. Auf der Sonne? Ah ja. Na gut. Ich bin gespannt, als was sich die alte Frau entpuppt. Oder geht es um die Enkelin?

Als Queen im Lesesessel

Was ich ein bisschen nervig finde (ist aber in, glaube ich) sind diese hopsenden Geschichten, in denen man gerade einen der Protagonisten kennenlernt, er einem also gerade vorgestellt wurde und man kaum die dargebotene Hand geschüttelt hat, da wird man zackbumm zur nächsten Person umgedreht und versteht ja noch nicht einmal, warum.

Ich komme damit durchaus klar, brauche aber doch ein paar Seiten, um zu sehen „Aaaah, es ist eine solche Geschichte“. Okay, her mit den Leuten, ich mach mal auf Queen und lass‘ alle an mir vorbeidefilieren, irgendwann gibt’s ja hoffentlich die Häppchen.

Also: Ich habe noch keine Ahnung, wie es weitergeht. Wahrscheinlich werden jetzt erst mal alle eingesammelt und dann gebrieft und dann stellt sich heraus, was die Sonnenbewohner denn so wollen. Gefallen hat mir zumindest schon mal Daths Schreibstil, es war nicht langweilig und auch nicht zu abgehackt. Insofern: Weiterlesen! Ich will zumindest wissen, warum der Millionär auf der Sonne seinen Geschmack braucht.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Der Schnitt durch die Sonne
Autor Dietmar Dath
Seiten 361
Ausstattung Hardcover
Verlag S. Fischer
Jahr 2017

Foto: © Horst Schröder/pixelio.de


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