chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Bücher unterm Weihnachtsbaum

Es weihnachtete dieses Jahr zwar insgesamt nicht so sehr, wie die Jahre davor (aus dem bekannten Grund, der u. a. die Weihnachtsmärkte verhinderte), aber die Weihnachtswichtel waren anscheinend nicht in Kurzarbeit, sondern sehr fleißig. Schön unter anderem für mich, denn so hatte ich was zum auspacken und darüber freuen.

Ihr wisst wahrscheinlich selbst, dass Bücherwürmer am liebsten Bücher geschenkt kriegen. Das liegt meiner bescheidenen Meinung nach daran, dass sie sich einerseits immer wieder Bücher wünschen (früher von Omi, dann von den Eltern, von den Partnern und irgendwann von den eigenen Kindern), andererseits Bücher aber auch ein unendlich praktisches Geschenk sind, das man überall bekommt, leicht bestellen und verschicken kann und das sich vor allem leicht einpacken lässt. Für mich persönlich ein großes Plus, denn Bücher sind damit fast die einzigen von mir eingepackten Geschenke, die nicht so aussehen, als hätte ich einfach nur Geschenkpapier zusammengeknüllt.

Lange Rede, egal: ich habe jedenfalls Bücher geschenkt bekommen. Vier an der Zahl und ich werde sie euch hiermit vorstellen (auch wenn ich sie noch nicht alle gelesen habe):

  1. Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch von Andreas Steinhöfel
    Über den tiefbegabten Rico und seinen hochbegabten besten Freund Oskar habe ich mich schon mal ausgelassen (siehe hier) und konnte meine Begeisterung für die beiden nicht verbergen. Drei Bände hatte ich bereits gelesen und bin dann irgendwie nicht mehr nachgekommen. Dadurch wusste ich nur, dass irgendwelche Bände erschienen sind und so war das Vomhimmelhoch eine echte Überraschung. Ich habe es auch direkt nach den Feiertagen durchgelesen. Bei diesem Band – dem 4. in der Reihe – handelt es sich um eine echte Weihnachtsgeschichte. Berlin wird am Heiligabend von einem Schneesturm heimgesucht und so spielt fast die ganze Geschichte in der Dieffe, aus der keiner der Bewohner*innen mehr rauskann. Klar, dass ausgerechnet an so einem Abend Dinge passieren, für die man eigentlich gern das Haus verlassen hätte, aber die verrückten Nachbarn kriegen wieder mal alles gut hin. Die Schneesturmhandlung wird regelmäßig von Rückblenden unterbrochen, die von Ereignissen im Sommer erzählen, was die Handlung auf angenehme Weise immer wieder unterbricht. Überhaupt ist auch diese Erzählung der beiden sehr unterschiedlichen Buddies wieder richtig gut gelungen. Es gibt nicht viel Neues, aber das Alte funktioniert tadellos und das Wiedersehen mit der Hausgemeinschaft macht einfach Spaß. Zur kurzen Erholung nach den Feiertagen und zusammen mit einem Korb voll Schokolade absolut das Richtige!
  2. Hol Oma von der Bowle weg! von Dietmar Bittrich (Herausgeber)
    Neue Weihnachtsgeschichten mit der buckligen Verwandtschaft lautet der Untertitel und verspricht damit implizit eine Reihe von Erzählungen, die von skurrilen, heiteren und wahrscheinlich auch überdrehten Zusammenkünften mit der Familie am Fest der Liebe handeln. Herr Bittrich selbst hat das Buch herausgegeben und die Abschlussgeschichte beigesteuert, der Rest stammt von unterschiedlichen Autor*innen unterschiedlichen Alters aus allen Teilen des Landes. Die Zusammenstellung wirkt selbst wie ein jährliches Verwandtschaftstreffen, insofern könnte das Ergebnis durchaus passig sein. Ich finde auch durchaus öfter mal Gefallen an solchen Geschichten, von denen man ja immer mal eine einzelne lesen kann, glaube aber, dass ich mir den Spaß für den Sommer aufhebe. Denn was könnte schöner sein, als vom Weihnachtsstress anderer zu lesen, wenn der eigene so weit entfernt wie möglich ist. 🙂
  3. Mein Jahr der Ruhe und Entspannung von Ottessa Moshfegh
    Titel? – Nie gehört! Autorin? – Keine Ahnung. Auf dem Cover eine im alten Gemäldestil designte Frau im sehr durchsichtigen Nachtgewand, die wahlweise bekifft oder zu Tode gelangweilt den Blick schweifen lässt. Was zum Teufel soll das denn sein? Ein Blick auf den Klappentext verrät Unerwartetes: eine erfolgreiche Businessfrau hat die Schnauze voll von ihrem prächtigen Jet-Set-Leben und organisiert sich eine Art Sabbatical. Sie lässt sich von einer Psychiaterin eine stattliche Menge unterschiedlicher Mittelchen verschreiben und plant, mittels Schlaftabletten und Anti-Depressiva eine Art Winterschlaf zu halten. So weit scheint das zu klappen. Allerdings entdeckt sie in ihren wachen Phasen deutliche Hinweise darauf, dass ihr Dämmerzustand längst nicht so still und leise ist, wie sie ihn sich vorgestellt hat. Meine Fresse: Dieses Buch hört sich ausgesprochen vielversprechend an und ich kann es kaum erwarten, es Ostern zu lesen. Dann nämlich ist die erste längere Arbeitsphase vorbei, der nächste Urlaub ist da und das Wetter wärmer. Nichts könnte sich für eine rauschhafte Auszeit besser eignen!
  4. Infinite Jest von David Foster Wallace
    Der große amerikanische Autor, Freund von dem anderen großen Autoren Jonathan Frantzen und mit 46 Jahren viel zu früh aus dem Leben geschieden. Nach jahrelanger schwerer Depression nahm er sich 2008 das Leben. Sein Roman Infinite Jest, in der deutschen Übersetzung Unendlicher Spaß, wurde vom time-magazine als einer der wichtigsten Romane, die zwischen 1923 und 2005 erschienen sind, bezeichnet. Alle, alle, alle haben diese 981 engbeschriebenen Seiten schon gelesen. Alle außer mir. Das möchte ich ändern, beschloss ich und setzte den Titel auf meine Wunschliste. Der Koloss handelt von … ja … gute Frage. Ein Film kommt darin vor, so unterhaltsam, dass er jeden, der ihn sieht, in einen katatonischen Rauschzustand versetzt. Menschen treten auf, die diesen Film suchen. Und Amerika spielt eine Rolle als Land, als Gesellschaft, als irgendwas. Was soll ich noch sagen – ich bin vom bloßen Anblick des Buches schon eingeschüchtert und wenn dieser Lockdown irgendetwas Positives an sich haben sollte, dann hoffentlich noch genug Zeit für mich, um herauszufinden, ob die nach dieser Lektüre in Glückseligkeit schwelgenden Kritiker*innen Recht behalten.

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