chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Ich lese gerade … Mein Jahr der Ruhe und Entspannung

Ich weiß, es ist noch nicht Ostern. Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, das Buch Mein Jahr der Ruhe und Entspannung über die Osterfeiertage zu lesen (s. den Beitrag zu meinen Weihnachtsgeschenken) Doch da ich gerade eine recht leichte Lektüre brauche und sich Infinite Jest dadurch nicht unbedingt anbot, griff ich vor knapp zwei Wochen einfach zu. Eine interessante Erfahrung – so viel kann ich sagen, ohne bisher wirklich weit gekommen zu sein.

Wie der Klappentext ankündigte, handelt die Geschichte von einer Frau der New Yorker Upper Class, die sich eine Auszeit gönnt. Sie ist jung, reich und schön und vermisst nichts in ihrem Leben – außer ein bisschen Ruhe und Schlaf. Es ist nicht so, dass die junge Frau übermäßig viel arbeiten würde oder anderweitig im Stress wäre. Im Gegenteil: den Job in einer Galerie nimmt sie an, um endlich mal „etwas Normales zu tun“ und nicht, weil sie ihn wirklich braucht. Demzufolge fällt es ihr auch nicht schwer, diesen Job nach relativ kurzer Zeit wieder zu kündigen und sich stattdessen in die Hände einer dubiosen Psychiaterin zu begeben. Diese hat anscheinend vollstes Verständnis dafür, dass ein Mensch mehr als 14 Stunden Schlaf am Tag benötigt und verschreibt ihr willig jedes Mittel, das die junge Frau verlangt. Und damit beginnt ihre monatelange Dämmerphase.

Ja, es ist so, wie es klingt: viel passiert in dem Buch bisher nicht. Interessant ist aber, einen Einblick in die Lebenswelt einer jungen Frau zu erhaschen, deren einzige Freude der Schlaf zu sein scheint. Ab und zu holt sie sich in einem Laden um die Ecke einen Kaffee und hin und wieder kommt ihre beste Freundin zu Besuch. Allerdings ist jeder Gang vor die Tür für sie eine Qual und ihre beste Freundin kann sie mittlerweile nur noch schwer ertragen, also ist beides kein Vergnügen. In ihren wachen Momenten guckt sie Filme und sie mag Whoopi Goldberg, das war’s. Klamotten sind ihr egal, feine Restaurants, edle Möbel, Schmuck, Partys – Dinge, die man einer reichen, hübschen Frau in New York klischeehafterweise an Vorlieben unterstellt und die sie auch umgeben, interessieren sie nicht. Sie will nur schlafen. Aus Gründen, die mir als Leserin noch nicht ganz klar sind. Ein Familientrauma? Depression? Vielleicht kommt sie darauf noch einmal zurück, das wäre interessant. Ich bin außerdem gespannt auf den Teil, in dem ihr schlafendes Ich irgendwelche verrückten Dinge unternimmt, von denen sie gar nichts mitbekommt.

Bis dahin allerdings – das muss ich gestehen – beneide ich sie ein bisschen. Denn obwohl ich jetzt gerade abends wieder Zeit habe, fühle ich mich so ausgelaugt, dass ich ebenfalls nur noch schlafen möchte. Die Vorstellung, als einzige Aktion eines Tages kurz im Schlafanzug aus dem Haus und einmal über die Straße zu gehen, um dann mit einem Kaffee wieder zurück aufs Sofa zu krabbeln, erscheint mir aktuell äußerst verlockend. Ja, die Menge an Psychopharmaka schreckt mich schon ab. Aber dieser süße, süße Schlaf … Liegt das an Corona (3. Welle, Impfchaos, keine Aussicht auf Lockerungen) oder am Wetter (nasskalt vs. sonnig-kalt mit mehrmaligen Wechseln pro Tag) oder an der Jahreszeit insgesamt? Es tut mir leid, ich muss direkt wieder gähnen. Wem da draußen geht es noch so?

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Mein Jahr der Ruhe und Entspannung
Autor Ottessa Moshfegh
Seiten 315
Ausstattung Taschenbuch
Verlag btb
Jahr 2018

 


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: