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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Penelop und der funkenrote Zauber

Penelop (ja, wirklich ohne E am Ende) hat keinen Vater. Also, sie hatte mal einen, aber der ist tot – und das findet Penelop schade. Aber sie kennt es ja nicht anders, denn der Papa ist gestorben, als sie sehr klein war. Glücklicherweise hat sie eine ganz tolle Mutter und auch die Oma ist richtig nett – außer, wenn sie kochen soll. Das will man nicht essen – denn die Oma neigt dazu, sich bei jeder Gelegenheit ihre Münzsammlung anzugucken und vergisst dann auch schon mal, im Topf zu rühren.

An Penelop ist nichts Besonderes: Aschgraubraunes Haar, kein Überflieger, aber okay in der Schule. Die Mitschüler mögen sie und sie mag die Leute. Ein ganz normales Mädchen, könnte man denken. Nur, dass ihr Haar immer ein bisschen nach Asche riecht und es an ihrem Geburtstag immer regnet. Und manchmal hört sie etwas, bevor jemand es sagt. Aber das ist für Penelop vollkommen normal – und wenn etwas normal ist, macht man sich keine Gedanken darüber.

Dann muss ihre Mama für eine Weile ins Krankenhaus, weil sie von einem Traktor angefahren wurde – und eines Tages wacht Penelop auf und hat plötzlich rote Haare. Ihre Mutter ist noch nicht wieder da und sie weiß zunächst gar nicht, was sie denken soll, schließlich hat sie ihre Haare weder gefärbt noch sonst etwas mit ihnen angestellt. Plötzlich fühlt sie sich auch ganz anders – lebendig und voller Tatendrang. Was ist passiert?

Plötzlich anders

Als ihre Oma Penelop mit den erröteten Haaren sieht, will sie die Lockenpracht gleich abschneiden – sehr zum großen Erstaunen des jungen Mädchens. Aber sie büxt aus und hofft darauf, dass ihre Mutter bald wiederkommt, um mit ihr diese schöne Neuerung besprechen zu können. Leider wird daraus nichts. Denn am Abend belauscht sie zufällig ein Gespräch, in dem klar wird, dass ihr Vater noch lebt und sich ihrer Mutter und auch dem kleinen Kind gegenüber schäbig verhalten hat. Und dann wird Penelop auch noch wach, als ihre Mutter ihr – während sie schläft – mit einer nach Asche riechenden Farbe die Haare färben will … damit sie wieder ihre unscheinbare Farbe bekommen. Sie wehrt sich und erfährt endlich, was es mit all dem auf sich hat.

Damit hat Penelop plötzlich einen Vater, der scheinbar ein fieser Knilch ist, und eine Mutter, die ihr schon seit Jahren heimlich die Haare färbt. Aber nein, das Buch ist nicht auf die übliche Weise gestrickt, denn in dieser kleinen Drei-Weiber-Familie reden Leute miteinander: Als die Mutter merkt, dass Penelop gar nicht schlummert, da erzählt sie das erste Mal die ganze Geschichte. Von dem Mann mit roten Haaren, in den sie sich verliebt hat, damals. Der besondere Sachen machen konnte, wie in Nullkommanix mit ihr zusammen auf einen hohen Ast fliegen. Dass er ihr reife Beeren pflückte, obwohl erst Frühling war – und lauter solche Sachen. Wie lebendig er war und froh und wie sie, die Mutter, einfach sehr glücklich war. Dann kam ein Tag, an dem er begann, seine Haare mit der gleichen Aschefarbe zu färben, wie Penelop sie auf den Haaren hatte, um sich zu verstecken, damit Leute, die ihn zu unliebsamen Dingen zwingen wollen, ihn nicht finden können.

Aber eines Tages ist der Vater verschwunden – und Mutter und Oma bekamen einen Brief, in dem er erklärte, jetzt habe er eine wirklich tolle Frau kennengelernt, die wie er zaubern könne, und mit der sei er dann von dannen gezogen. Nur Geld schickt er einmal im Monat …

Neue Lebensbedingungen

Für Penelop ist das ein harter Schlag. Jahrelang kein Vater und dann einen, der nicht nett ist. Irgendwie fühlt sich das falsch an, aber sie kann sich nicht erklären, warum. Was sie sich jetzt besser erklären kann, ist, warum sie manchmal Sachen hört, bevor jemand sie sagt. Anscheinend hat sie einen Teil Zauberei von ihrem Vater geerbt.

Das stellt sie auch fest, als plötzlich die Straße beginnt, mit ihr zu sprechen und sie samt Fahrrad sehr schnell weitertransportiert. Mit Hilfe der Straße macht sie auch ihre ersten Zauberversuche und schafft es, ihre Oma, die sich den Fuß verknackst hat, auf die Straße schweben zu lassen – und dann transportiert die Straße die Oma weiter.

Aber im Gegensatz zu allen möglichen anderen Neulingen in Sachen Zauberei bleibt Penelop auf dem Teppich, ihre Freunde bleiben ihre Freunde und mit ihrer Mutter und Oma hat sie auch keinen Stress. Keine komplizierten Probleme, die sich etwa daraus ergeben, dass man nicht oder unzureichend miteinander spricht. Keine Geheimnisse, die die Erwachsenen unbedingt für sich behalten wollen.

Und auch keine Machtphantasien oder dämlichen Versuche, mit ihrer neu erworbenen Kunst das Leben aller anderen verbessern zu wollen mit der altbekannten Folge, dass alles erstmal viel schlimmer wird. Sehr erfrischend!

Natürlich will Penelop wissen, was es da mit dem Schwebenlassen der Oma auf sich hat und geht eines Tages in den Wald und versucht zu fliegen. Da sie niemanden hat, der ihr weiterhelfen kann, fliegt sie halt so ein bisschen herum. Eher zufällig findet sie später heraus, dass sie mit nassen Haaren weiter und höher kommt und fliegt fröhlich an ein paar Vögeln vorbei. Dass sie niemand sieht, ist verwunderlich.

Was für ein Vater ist das denn?

Das  Mädchen gewöhnt sich nach und nach an ihre neuen Fähigkeiten, entdeckt immer mal wieder was Neues und lernt sogar eines Tages eine andere Familie kennen, die auch zaubern kann. Die zauberbegabten Leute merken nämlich, wenn jemand „ihresgleichen“ in der Nähe ist. Jetzt versteht Penelop ihre Mutter auch: damit das nicht passiert, hatte diese ihr immer die Haare gefärbt, schließlich war auch ihr Vater in irgendeiner Gefahr gewesen, entdeckt zu werden.

Als in einem Monat statt des üblichen Geldbriefs nur ein Umschlag mit Sand von dem Vater kommt, wird Penelop so sauer, dass sie beschließt, den Vater zu suchen und ihm eine fiese Rankpflanze in den Garten zu schmeißen, damit die ihn zuwuchert. Mit kindlichem Enthusiasmus macht sie sich einen Plan und fährt heimlich los (naja, also, ein paar Geheimnisse müssen einfach sein …). In dem Ort angekommen, stellt sie fest, dass gar nicht der Vater den Brief zur Post bringt, sondern ein anderer Zauberer. Und vor dem wird sie von Mitbürgern im Ort gewarnt.

Da sie jedoch unbedingt herausfinden will, was los ist, folgt sie dem Mann und schafft es wahrhaftig auf das gut gesicherte Gelände – und findet dann die Wahrheit über ihren Papa heraus.

Endlich ohne Weltverbesserung …

Mehr sage ich jetzt nicht zur eigentlichen Geschichte … Sie ist spannend und nett und es ist echt spaßig, wie sich Penelop an ihre Zauberkräfte heranwagt, so ganz ohne Anleitung. Es erinnerte mich ein bisschen an den einen Spiderman-Film mit Tobey Maguire in der Hauptrolle, wo er so nach und nach und mit Experimentierfreude herausfindet, was er jetzt alles kann als spinnengepimpter Typ.

Daneben finde ich es, wie schon gesagt, einmal schön, ein Kind zu treffen, das nicht mit Herausfinden seiner Zauberkräfte nur noch mit Zauberern abhängt (bzw. abhängen muss). Sie prahlt nicht mit ihren Kräften, sondern weiß irgendwie, dass sie besser nicht damit hausieren geht – aber ohne das Gefühl zu haben, dass sie sich damit total einschränkt. Sie kann trotzdem voll entspannt mit ihren Kumpels baden gehen und sich Kinofilme angucken. Sie versucht auch nicht, ohne Ahnung, worum es eigentlich geht, die Welt zu verbessern – aber sie hat den Mut, sich auf die Suche nach ihrem Vater zu machen und dem Bescheid stoßen zu wollen. Die überraschenden Wendungen machen damit dann noch mal mehr Spaß.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Penelop und der funkenrote Zauber
Autoren Valija Zinck
Seiten 256
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Fischer KJB
Jahr 2019

 


 

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