chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Ab in die Feeeerien …

Jetzt (bzw. zu unterschiedlichen Tagen) kommt der Moment, auf den fast alle Schüler der nördlichen Welthalbkugel beinahe ein Jahr lang warten müssen: der letzte Schultag ist da und die großen Sommerferien beginnen. Wir erinnern uns: vor einem lagen dann unendliche Wochen fröhlichen Nichtstuns, der Schulstress war vorerst vergessen und die ganzen Nasen, die man jeden Tag sah, aber nie leiden konnte, verschwanden mit der Zeugnisausgabe für ganze 6 Wochen von der Welt. Gut, das mit dem Zeugnis konnte in Einzelfällen noch problematisch werden, aber meistens wurden die schlimmen Noten ja schon vorher diskutiert.

Bei der immensen Bedeutsamkeit der großen Ferien ist es natürlich kein Wunder, dass diese regelmäßig in Kinder- und Jugendbüchern thematisiert werden. In diesen kann von fröhlichem Nichtstun meistens jedoch keine Rede sein. Selbst wenn die Eltern eigentlich eine schöne Urlaubsreise geplant haben, kommt garantiert irgendwas dazwischen. Und dann können die Kids von Glück reden, wenn das unerwartete Abenteuer irgendwie in den Urlaub passt und die Eltern sich nicht gestört fühlen.

Die Reihen …

Es gibt so Buchreihen, die im Schulkontext spielen und demzufolge das Thema Ferien regelmäßig einbauen. Dazu gehört zum Beispiel Harry Potter. Wie wir alle wissen, handelt ein Band jeweils ein Schuljahr ab. Die großen Ferien werden dabei zumindest am Anfang der Reihe weitestgehend ausgeklammert. Da sitzt Harry widerwillig bei seinen blöden Verwandten und wartet (als einziger Junge im ganzen Königreich) darauf, dass die Schule wieder losgeht. Mit dem Fortschreiten der Reihe wird die Lage jedoch immer dramatischer, so dass für Harry auch in den Schulferien noch genug zu tun ist. So überlebt er von Schuljahr zu Schuljahr, wird älter und ist irgendwann fertig mit der Schule. Infolge seiner sieben Schuljahre hat er sechs Schulferien gehabt. Logisch.

Weniger logisch verläuft es bei TKKG. Dort werden die vier Helden über mehr als 100 Bände hinweg ja kaum älter (ich glaube, das Alter steigt irgendwann von 13 auf 14), erleben aber übernatürlich viele Sommerferien. Sommerferien sind für die vier natürlich praktisch, weil sie da endlich Verbrecher jagen können, ohne zwischendurch noch zur Schule zu müssen. Genialerweise fügen sich auch die Begleitumstände immer wieder entsprechend ihrer Pläne („Waaas, die Diamantendiebe sind nach Griechenland entwischt? Na, so ein Glück, dass uns Klößchens Mutter ausgerechnet dorthin eingeladen hat!“) oder werden kurzfristig umgeschmissen oder fallen sowieso aus (Tims Mutter muss für das Schulgeld ihres Sohnes Überstunden machen, Karls Vater kriegt den Nobelpreis oder Gabis Vater sitzt im Knast, huahahaha …). Geld für die Reise kommt, wenn es sich nicht um eine Einladung handelt, oft von einem mysteriösen Sparkonto, das von den Belohnungen gespeist wird, die die Bande für die Ergreifung all der fiesen Verbrecher einheimst. Offensichtlich wird in manchen Gegenden schon auf Trickbetrüger ein Kopfgeld verhängt. Toll.

… und die Singles

Diese beiden Beispiele sind natürlich typisch für Buchserien, in denen Ferien regelmäßig vorkommen, weil das logischerweise Teil des Schuljahreszyklus ist und beide Reihen einen Internatskontext haben. Interessant sind vielleicht deshalb auch Bücher, die diesen Kontext nicht haben.

Vor vielen Jahren las ich das Buch So ist das nämlich mit Vicky, in dem ein Mädchen ihre Eltern überredet, ihre Freundin mit in den Urlaub zu nehmen. Was erstmal ganz nett klingt (auch für die Eltern – schließlich hat die Tochter jemanden zum Spielen dabei), endet in einem ordentlichen Chaos. Vicky macht nämlich, was ihr einfällt und das sind oft ziemlich verrückte Dinge. Geschrieben hat das Buch Dagmar Chidolue und es ist genau das Richtige für einen Urlaub, in dem man sich aufgrund von langen Auto- oder Zugfahrten ab und zu mal langweilt.

Ebenfalls in den Schulferien spielt der legendäre Kinderbuchklassiker aus Neuseeland Under The Mountain, in dem ein Zwillingspaar die Ferien bei den Verwandten verbringt. Anstatt sich jedoch inmitten von Seen und Bergen zu erholen, müssen sie plötzlich die Welt vor unterirdischen Vulkanmonstern retten, was zwei Kindern verständlicherweise ganz schön viel abverlangt. Ich glaube, es gibt auf beiden neuseeländischen Inseln kein Kind, das dieses Buch nicht gelesen hat.

Was ich selbst leider nicht gelesen habe, obwohl ich den Plot ganz schön spannend finde, ist Matz auf dem Parkplatz. Ein Junge fährt mit seinen Eltern in den Urlaub und macht Pause auf einer Raststätte. Aus Langeweile unterhält sich Matz, der Junge, mit anderen Parkplatzbesuchern und vergisst darüber, rechtzeitig wieder zum Auto seiner Eltern zurückzukehren. Seine Eltern wiederum vergessen vor lauter Reisestress, dass Matz eigentlich drinsitzen sollte, als sie wieder fahren. Und so kommt es, dass Matz sich allein im Reiseparkplatzchaos zurechtfinden muss, während seine Eltern ebenfalls nach ihm suchen. Eine Art „Kevin allein zu Haus“ (ihr kennt den Film, oder?) im Setting des deutschen Reisewahns.

Wer aber trotz allem auf Internatslektüre besteht, dem seien natürlich die Burg Schreckenstein-Bücher ans Herz gelegt. Da hier allerdings alle Abenteuer während der Schulzeit stattfinden, werden die Ferienzeiten größtenteils ausgeklammert. Diese Reihe ist also nur was für Menschen, die sich nix aus Ferien machen, Aber wer ist denn bitte so drauf? 😉

Wir wünschen jedenfalls allen Schüler*innen, allen Lehrkräften und allen, die sonst noch im Schulsystem hängen, eine schöne schulfreie Zeit voller Abenteuer!

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