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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Dead until dark

Dass Fische mit ihrem ausgeprägten Einfühlungsvermögen und ihrer Kümmerbereitschaft gut im Service des Gastronomiewesens aufgehoben sind, ist weltbekannt. Die hübsche Sookie Stackhouse ist hierfür aber besonders begabt. Denn im Gegensatz zu anderen kann sie die Gedanken und Gefühle ihrer Mitmenschen nicht nur spüren oder erahnen, sondern hören – Sookie kann Gedanken lesen. Da sie allerdings – wie so viele Fische – auch noch verhältnismäßig sensibel ist, macht ihr diese Gabe das eine ums andere Mal zu schaffen.

Bon Temps ist eine dem Klischee entsprechende Kleinstadt im Süden der USA: Tagsüber arbeiten die Bewohner hart und abends treffen sie sich im „Merlotte’s“ um ein bis vier Burger zu futtern und Bier zu trinken. Hier wird natürlich nicht nur gegessen, sondern auch gequatscht – jeder über jeden. Für die arme Sookie ist das eine Doppelbelastung: Nicht nur, dass sie das für alle hörbare Gequatsche um die Ohren gehauen kriegt, sondern sie „hört“ zusätzlich auch die Gedanken – aller. Beides ist nicht unbedingt immer deckungsgleich.

Wer sagt schon, was er denkt …

So bekommt Sookie oft genug Sachen mit, die sie gar nicht wissen will. Ein Mann, der neben seiner Frau sitzt und die ganze Zeit an andere denkt; der Typ an der Bar, der gegenüber dem farbigen Koch äußerst rassistische Vorurteile pflegt; das Mädchen, dass davon träumt, ihrer besten Freundin den Freund auszuspannen … Und es hört und hört nicht auf! Nur mit größter Anstrengung gelingt es Sookie, die Gedanken der anderen auszublenden und ein paar Momente lang Ruhe zu haben.

Im wahrsten Sinne mitfühlend

Empathisch ist Sookie ohnehin – sie wäre auch ohne ihre Gabe einfühlsam und äußerst sensibel für die Emotionen anderer. Doch die Tatsache, dass sie die Gedanken – und damit auch die Gefühle – ihrer Mitmenschen ungefiltert und unvermittelt „zu hören bekommt“, verstärkt nicht nur ihre empathischen Fähigkeiten, sondern auch ihr Bedürfnis zu handeln. Gerade bei Menschen, die ihr sympathisch sind oder sogar zu ihren engen Freunden zählen, kann und will sie nicht tatenlos bleiben, wenn sie einer gedanklichen Tragödie lauschen durfte. Und das macht die Sache noch schwerer.

Denn bei aller Liebe und Freundschaft – niemand möchte jemand anderen in seinem Kopf wissen. Und so sehr sich Sookie bemüht, gerade bei ihren Freunden wegzuhören – irgendwann kriegt sie immer etwas mit. Mit Chance etwas Wichtiges und dann muss sie entweder gestehen oder schweigen. Jedes Mal eine Entscheidung zwischen Pest oder Cholera.

Nicht vergessen: Emotionaler Eigencheck

So wünscht sich Sookie wahrscheinlich jeden Tag dreimal, auf ihre Gabe verzichten zu dürfen und sich ganz normal fragen zu können, was der andere wohl gerade denken mag. Dass sie diese Chance tatsächlich erhält und sich in einen Vampir verliebt, dessen Gedanken ihr verschlossen bleiben, ist eine andere Geschichte. Entscheidend für sie ist stets und zu jeder Zeit, bei allen Fremdemotionen ihre eigenen nicht aus den Augen zu verlieren. Und das ist ziemlich präzise das, was für die allermeisten Fische gelten dürfte.

Fische sind nunmal mitfühlend, hilfsbereit und äußerst empfänglich für die Bedürfnisse ihrer Mitmenschen. Sie kümmern und sorgen sich gern um Hans und Franz und gehen regelrecht darin auf, sich eher mit den Problemen anderer als mit ihren eigenen zu befassen. Und genau an dieser Stelle sollten die Schuppenschwimmer ab und zu innehalten und mal einen Eigencheck durchführen. Denn viele Probleme sind ansteckend und auch die, die es nicht sind, hinterlassen ihre Spuren. Und wer sich selbst über das Wohlbefinden der anderen vergisst, kippt irgendwann um. Das wäre ärgerlich.

Fischköppe, aufgepasst: Lieber einmal (wenigstens einmal …!) weghören und sich um sich selbst kümmern als verkümmern. Ist jetzt absichtlich so kalenderspruchmäßig ausgedrückt, damit ihr euch das endlich merkt. Seid vorsichtig, beschäftigt euch mal mit euch selbst als immer nur mit anderen. Das Helfersyndrom, das ihr sonst davontragt, ist zwar nett gemeint, führt aber auch leicht zum Burn-Out. Also Aufhören! Und ganz ehrlich und abgesehen davon mögen es die anderen auch manchmal ganz gern, mit ihren Gefühlen allein zu sein.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Dead until dark
Autor Charlaine Harris
Seiten 229
Ausstattung Taschenbuch
Verlag ACE Fantasy/Mystery
Jahr 2001

 


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