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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Delphinensommer

Es soll immer noch Menschen geben, die Delfine irrtümlich für Fische halten. Das ist natürlich Blödsinn, weiß doch jedes Kind. Aber was, wenn unser diesjähriger Fisch ein Delfin ist? Dann wäre der Delfin ja doch ein Fisch, oder? Schwierig … Vielleicht gucken wir die Sache mal aus der Nähe an.

An einem wunderschönen Sommerferientag begegnen sich die kleine Andrula und der Delfin in der Bucht einer griechischen Insel. Sie sind sofort Freunde und der Delfin erfüllt Andrula einen langgehegten Wunsch: Er bringt sie zu der geheimnisvollen Insel, die sich bei Sonnenuntergang am Horizont zeigt und die bisher keiner aus dem Dorf betreten hat.

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Na, ihr hübschen? Wer bringt uns zur Insel?

Andrula kann nicht schwimmen und hat großen Respekt vor dem Meer – ihr Vater war Fischer und ist eines Tages von seiner Ausfahrt nicht zurückgekommen. Dem Delfin jedoch gelingt es, ihre Bedenken zu zerstreuen. Er verspricht, auf sie aufzupassen. Sie muss sich nur gut an ihm festhalten und er werde sie sicher über das Meer tragen. Und es funktioniert: Andrula kommt auf Hyria – so der Name der Insel – wohlbehalten an.

Sicher durch alle Wellen …

Es ist wohl die herausragendste Eigenschaft des Meeressäugers: seine Fürsorglichkeit. Er kümmert sich nicht nur darum, dass Andrula auf der Insel ankommt, er bewahrt sie auch davor, auf die freundlichen Meermädchen hereinzufallen. Diese meerjungfrauenartigen Damen führen zwar nichts Böses im Schilde, sind aber sehr unbedarft und gedankenlos. Beim Spielen mit einem Menschenkind würden sie womöglich vergessen, dass ein Mensch nicht allzu lange tauchen kann und irgendwann ertrinkt. Der Delfin weiß das und überzeugt die Meermädchen, Andrula in Ruhe zu lassen.

Während Andrula die wundersame und von sympathischen Fabeltieren bewohnte Insel erkundet, schwimmt der Delfin herum, bis er seine Freundin wieder nach Hause bringen kann. Wenn Andrula dann von ihren Besuchen viele Fragen über ihre Begegnungen mit den Bewohnern der Insel mitbringt, beantwortet der Delfin sie gern. Aber das Tollste ist: Er bringt ihr das Schwimmen bei. Andrula muss jetzt keine Angst mehr vor dem Meer haben, das sie eigentlich so liebt, sondern kann sich frei darin bewegen.

Fische sind sehr fürsorgliche Wesen, die sich gern kümmern und sorgen, so wie unser Delfin. Doch im Gegensatz zu vielen anderen Fischen ist es dem Delfin nicht so wichtig, dafür Dankbarkeit oder Lob zu erhalten. Er möchte Andrula eine Freude machen und sie gleichzeitig auf keinen Fall in Gefahr bringen.

Ein Freund zwischen den Welten

Ebenfalls typisch für das Sternzeichen ist ein gewisser Hang zum mystischen. Da ist der Delfin wiederum voll mit dabei. Erstens ist er selbst ein mystisches Wesen (oder wie sollte man einen sprechenden Delfin sonst bezeichnen?), zweitens bewegt er sich selbstverständlich zwischen anderen mystischen Wesen (Meermädchen, Zentauren, Panskinder und dergleichen mehr) und drittens führt er Andrula mühelos in diese seltsame Welt ein. Gewiss ist sie dafür auch empfänglich, aber der Delfin hat auch ein gutes Gespür dafür, wie er ihr die wunderbare Insel erklären kann. So ist es auch im Moment des Abschieds für beide selbstverständlich, dass sie einander nie vergessen werden, da sie beide durch die Insel für immer verbunden seien.

Liebe Lesende, an dieser Stelle braucht es keinen aufwendigen Appell. Lasst mich nur sagen: Wer das Glück hat, einen Fisch zu kennen, möge sich von ihm verzaubern und entführen lassen. Vertraut ihm und zeigt ihm, dass ihr diese Abenteuer mit ihm schätzt.

Falls ihr selber ein Fisch seid – habt viel Spaß in euren Welten und wenn ihr ab und zu den Boden unter euren Füßen verliert, nehmt doch bitte jemanden mit – wir Nicht-Fische können es manchmal gebrauchen!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Delphinensommer
Autor Katherine Allfrey
Seiten 189
Ausstattung Hardcover
Verlag Oetinger
Jahr 1963

 


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Foto: ©Jo Noeske 

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