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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Die Nornenkönigin

Tad Williams Saga um das Land Osten Ard erzählt in vier Bänden eine große Geschichte um eine Menge Figuren, die böse, gut und manchmal auch beides oder einfach nur verzweifelt sind. Ich will hier gar nicht auf das Epos eingehen – sondern nur den dritten Teil rauspicken und euch heute den „Fisch“ Maegwin vorstellen.

Maegwin, das ist König Lluths Tochter aus Hernystir, eine Prinzessin, die sich pferdegesichtig findet und viel zu bäurisch, um an einen Hof zu passen. Die groß ist und stark und sich nicht scheut, auch mal einem Bauern zu helfen. Die als Teenager den Grafen Eolair kennen lernt und sich in ihn verliebt, aber leider immer denkt, dass der gutaussehende Botschafter ihres Vaters ein so hässliches Mädchen eh doof und ungelenk findet.

Träume sind Schäume?

Wie in jeder ordentlichen Fantasy-Geschichte geht es auch in Williams Buch darum, dass ein Teil der Protagonisten etwas verliert und darum kämpft, es wiederzugewinnen. In dieser Story überzieht König Elias von Erkynland alles und jedes mit Krieg und die alten Bündnisse zerbrechen. Maegwins Land, Hernystir, gehörte zu den Verbündeten. Jetzt hat Elias grimmige Rimmersmänner unter einem brutalen Anführer nach Hernystir gesandt, die König Lluth und Maegwins Bruder töten, alles brandschatzen und das Volk zur Flucht treiben.

Maegwin übernimmt die Führung ihres Volkes und zieht mit den Überlebenden in die Berge, in Höhlen, die die Bösewichter nicht kennen. Hier träumt sie, dass sie die Götter wieder suchen soll. Dass sie weiter in die Höhlen gehen soll und dort die früheren Verbündeten der Hernystiri treffe: die Sithi, eine Art Elben. Und hier startet der „Fische-Teil“, wenn man so will: Maegwin, die sonst so kühl ist und zupackend, nüchtern und abwägend, glaubt an ihre Träume. Unbeirrt läuft sie in die Tunnel, sagt niemandem Bescheid, geht allein, nur ihrem Traum folgend. Eolair sucht sie und findet sie schließlich. Beide finden wahrhaftig einen Zugang zu den tief verborgenen Höhlen – und finden ein Volk von Unterirdischen.

Die Überraschung ist groß, aber Maegwin ist bitter enttäuscht. Die Unterirdischen sind nicht die Sithi. Frustriert wendet sie sich ab, tief getroffen, dass ihre Träume sie im Stich ließen. Sie streitet sich mit Eolair, der ihr klarmachen will, dass sie trotzdem wertvolle Informationen erhalten, dass der Gang in die Höhlen keineswegs vergebens war. Verärgert schickt sie ihn mit einer Botschaft in die Welt, um ihn aus dem Weg zu haben.

Ein Schlag auf den Kopf

Wieder bei ihrem Volk träumt Maegwin erneut: Sie solle auf den hohen Berg steigen, dort seien die Götter. Eine weise Frau aus ihrem Volk kann ihren Traum nicht deuten und rät ihr, genau das zu tun, was sie im Traum gesehen hat. Also steigt die Prinzessin bei Schnee und Eis auf den Berg und – oh Wunder – sieht in ihren Visionen einen Jüngling mit rotem Haar und einer weißen Haarsträhne. Neben sich hat er einen wunderbar, aber fremd aussehenden Mann. Maegwin ist überzeugt: Die Götter sind wieder bei ihr, sie sprechen zu ihr, ja, sie versprechen sogar Hilfe. In Wirklichkeit sind es zwei andere Hauptprotagonisten, die sich über eine „Traumstraße“ genannte Art unterhalten, aber das weiß die junge Frau nicht.

Nach drei Tagen finden Soldaten ihres Volkes die verschwundene Anführerin. Und Maegwin weiß jetzt mit absoluter Sicherheit: Die Götter kommen, um den Hernystiri zu helfen. Sie werden die gegnerischen Streitkräfte vertreiben. Sie hält eine flammende Rede vor ihrem Volk und gemeinsam ziehen sie mit Kind und Kegel wieder in ihre Heimat. Leider treffen sie nur auf Soldaten. Keine Götter. Doch Maegwin schwankt nicht: Sie zieht zum Herrschersitz und fordert den Abzug der Besatzer. Die lachen sich halbtot und ihr Anführer befiehlt, alle einzusperren. Maegwin droht er an, sie als Bettgenossin zu nehmen, schließlich gefallen ihm lange Beine … Doch dann zerreißt der Klang eines Horns die Luft: die Sithi kommen mit einem Heer, die sehr realen Unsterblichen wollen wirklich den Vertriebenen helfen – aber aus ganz anderen Gründen als denen, die Maegwin annimmt. Und die denkt nur „Die Götter sind da!“, bevor sie von einem der Besatzer einen derben Hieb auf den Kopf bekommt, der sie erst einmal ausknockt.

Eolair, der die Sithi auf dem Heimweg von seiner Mission sah und ihnen nachgeritten war, muss leider feststellen, dass Maegwin seit ihrem Schlag auf den Kopf vollkommen den Verstand verloren hat: Jetzt glaubt sie, sie sei tot und im Himmel und die Götter sind um sie. Nichts kann sie von ihrem Wahn heilen, nein, sie traut sich sogar, Eolair von ihrer Liebe zu ihm zu erzählen und dass sie sich in ihrem Leben keine Chancen auf ihn ausgerechnet habe.

Bauchgefühl und Glaube

Ach und weh, so ein Fisch hat es schon schwer: Dem Mystischen so nah, dass er an seine Träume, an Schicksal und an Zeichen jeglicher Art glauben kann. Und das ist nicht immer falsch! Träume, das wusste schon der alte Freud, sagen einem etwas über sich selbst. Aber man sollte es nicht übertreiben, sondern den nüchternen Teil in sich bewahren. Klar ist es für Maegwin schwer, sich Leute wie die fremdartigen Sithi vorzustellen (die sie auch noch nie live gesehen hat). Aber so dämlich zu sein, ein ganzes Volk inklusive Kindern und Alten zu grausamen Besatzern zu führen, bloß weil man einen Traum hat, na, ich weiß nicht …  Das ist zu viel des Glaubens und tut den vertrauensvollen Fischen selten gut. Dabei hat Maegwin ja ihren kritischen Verstand. Sie ist ja keine spinnerte Frau, die sich in Mystizismen verliert. Trotzdem verstrickt sie sich immer mehr.

Maegwin hat in ihrem Wahn leider Pech, auch wenn sie kurz vor ihrem Tod erkennt, wie irregeleitet sie war. Und auch im echten Leben mag es mal schief gehen und – im übertragenen Sinne – kein Sithi-Heer wie erwartet auftauchen, sondern man selbst und das eigene Volk als Spielball bei einem grausigen Herrscher landen. Gutes Abwägen, das sollte man Fischen daher raten. Den Mut zu haben, an sich und seine Träume und Erfahrungen zu glauben, aber sich auch mal selbst zu hinterfragen – und auch Einwände guter Freunde nicht einfach als gegnerische Akte zu verstehen.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Die Nornenkönigin
Autor Tad Williams
Seiten 876
Ausstattung Softcover
Verlag Fischer Taschenbuchverlag
Jahr 2003

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