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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Kirschen im Schnee

Delta Dawn die Zweite Barnes. Erbe – oder Opfer – einer Großmutter, die unbedingt eine Familientradition beginnen wollte und ihre Tochter Delta Dawn benannte, nach einem Lied, das Countrysängerin Tanya Tucker bekannt machte. Delta I zog die Tradition durch und beglückte wiederum ihre Tochter mit dem Namen. Delta Dawn II, die lieber DiDi genannt wird und die ein echt schräges Leben hat, die sich fürsorglich um ihre kleine Schwester kümmert – fürsorglich bis zur Selbstaufgabe, ja, bis zur Selbstverleugnung.

So ein Extrem-Fisch ist schon selten. Hilfsbereit sind die Flossenträger, das stimmt. Aber für einen anderen Menschen eine komplett neue Realität zu erschaffen, das passiert selbst dem besten Fisch nur in absoluten Notlagen. Und in so eine gerät die junge Delta, als sie mit 15 schwanger wird: Ihre Mutter (Delta I), sowieso schon eher trinksüchtig, flippt aus. Aber nicht, weil das passierte, sondern weil sie glaubt, dass ihre Tochter ein Flittchen sei, ihr am Ende den Liebhaber ausspannen könnte etc. Delta I zwingt Delta II ihre Tochter Delta III zu nennen, damit der Traum erfüllt wird … und benimmt sich abscheulich der jungen Mutter und dem Kind gegenüber. DiDi zieht die Reißleine und haut ab mit ihrer Tochter.

Lügen fürs Überleben

Das junge Mädchen will, dass es seinem Kind besser geht, will eine bessere Mutter sein und auch, dass das Leben nicht so erbärmlich endet, wie bei ihrer eigenen Ma. Ab sofort gibt sie sich fünf Jahre jünger, erzählt, die Mutter sei gestorben und sie und ihre kleine Schwester seien alleine auf der Welt. Einen Vater gibt es ja auch nicht und so sorge sie für die jüngere „Schwester“, die Galileo Galilei heiße, genannt GiGi. Auch ihrer Tochter lässt sie in dem Glauben an diese Geschichte aufwachsen.

Sie lernt vom Zugucken das Friseurhandwerk, wird richtig gut und ermöglicht so sich und ihrer Tochter/Schwester ein halbwegs gutes Leben. Sie ist sparsam und fleißig und schickt ihr kleines Mädchen auf eine gute Schule. Sie kann prima kochen und gewinnt bei einem Wettbewerb sogar einmal eine Million Dollar. Und auch wenn GiGi am liebsten ein tolles Haus beziehen will, die „große Schwester“ hält das Geld zusammen, lebt weiter sparsam und legt die Million für später beiseite.

Einfach mal an sich denken?

Keiner kommt darauf, dass an ihrer Geschichte irgend etwas falsch ist. Didis Mutter ist es egal, was mit ihrer Tochter ist und forscht nicht nach ihr und so können DiDi und GiGi ihr Leben leben. DiDi tut alles für ihr Kind. Schließlich geht sie sogar so weit, dass sie mit GiGi 800 Meilen weit weg zieht, damit ihre Tochter auf eine noch bessere Schule gehen kann.

DiDi will wie jeder fürsorgliche Erziehungsberechtigte das Allerbeste für GiGi, aber manches Mal schießt sie dabei übers Ziel hinaus, wie etwa, wenn sie GiGi kaum Freizeit gönnt, sondern sie dazu nötigt, in jeder freien ;inute zu lernen. Was sie dabei gar nicht hat, ist das Fischebedürfnis, für ihre Arbeit gelobt zu werden. Sie ist wirklich selbstlos – auch wenn sie es durchaus freut, dass ihre Kunden im Friseursalon zufrieden mit ihrer Arbeit sind und glücklich mit ihrem schönen neuen Haarschnitt sind.

Aber keiner, nicht mal ein Fisch, kann immer gut leben, wenn man immer etwas verstecken muss und sich selbst hintenan stellt. Didi merkt gar nicht, wie es ihr geht. Aber je selbstständiger GiGi wird, desto mehr kann auch sie frei werden. Und so findet sie in der neuen Stadt ein paar Freunde und merkt, wie gut es ihr tut, einfach nur mal mit denen zu reden und sich nicht nur zu kümmern. Das alles passiert jedoch mehr nebenbei, sie merkt das Gute daran eigentlich erst, als es geschieht.

Also, liebe Flossentiere: Fürsorge ist super, Fürsorge um des Lobes Willen solltet ihr sein lassen, Fürsorge für euch selbst ist total in Ordnung: Denkt ruhig mal an euch und daran, was euch gut tut. Und das macht einfach!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Kirschen im Schnee
Autor Kat Yeh
Seiten 350
Ausstattung Hardcover
Verlag Magellan
Jahr 2015

 


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