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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Mond-Elfe

Erinnert ihr euch an DiDi aus „Kirschen im Schnee„? Genau so ein Fisch ist auch Jenny Elfe: Immer hilfsbereit, auch um den Preis, selbst nicht zu bekommen, was man braucht. Aber im Gegensatz zu DiDi kann Jenny ihr Glück nicht mal so eben in die eigenen kleinen Hände nehmen: Sie möchte gerne nach Hause, aber der Weg dorthin ist versperrt. 

Jenny stammt von der Welt der Zwei Monde. Sie ist ein fröhliches Kind, arbeitete und spielte in ihrem Hain und versuchte, trotz ihrer extremen Kurzsichtigkeit in der Welt klarzukommen. In Jennys Welt wird mit Telepathie kommuniziert, zumindest in ihrer eigenen Rasse. Sie hat einen Kater namens Sammy als Freund. Sammy ist etwas Besonderes: Er kann alles finden, nur nicht den Weg nach Hause. Sagt man dem Kater (oder denkt es auch nur laut), dass man auf der Suche nach etwas ist, rennt er los und findet es. Er stoppt auch nicht, bevor er das Gesuchte erwischt hat. Und so sinniert das Mädchen eines Tages über etwas nach, Sammy rennt los und Jenny stürzt hinterher, damit der Kater nicht verlorengeht. Als Sammy findet, wonach er gesucht hat (eine Feder), sind beide in einer anderen Welt gelandet: in Xanth.

Erstaunlicherweise trifft sie gleich nach ihrer Ankunft Chex, eine geflügelte Zentaurenstute, deren entführtes Fohlen Che die Feder verloren hat. Die, die der Kater fand. Und so kommt es, wie es kommen muss: Jenny und Chex sprechen über das Fohlen und dass Chex es sucht. Zwoosch … der Kater rennt los und Jenny wieder einmal hinterher. Natürlich finden beide das Zentaurenfohlen, natürlich in ziemlicher Gefahr, die auf den nächsten Seiten immer höher wird und in einem Fast-Krieg endet.

Erst mal einem Fremden helfen

Jenny ist Fisch, wir sagten es schon. Und zwar ein so guter und hilfsbereiter und empathischer Fisch, wie man ihn selten gesehen hat. Sie ist gerade aus ihrer eigenen Welt der Zwei Monde herausgeplumpst, hat keine Ahnung, wo sie hier gelandet ist. Alle nennen sie eine Elfe, obwohl sie „einfach nur eine Person“ ist. Alle staunen sie an, weil sie spitze Ohren und nur vier Finger hat. Und sie wundern sich über Sammy. Es wäre total verständlich, wenn Jenny (sie ist schließlich auch erst zwölf) weinend und ängstlich und verschüchtert irgendwo säße. Jeder könnte auch verstehen, wenn sie einen Tobsuchts- und Wutanfall bekäme, weil sie jetzt sofort nach Hause will.

Aber nein, die verlorengegangene Jenny findet Che und merkt sehr schnell, dass das fünfjährige Fohlen wie jedes Kind Beistand braucht und jemanden, der bei ihm bleibt. Das tut sie denn auch. Und so überstehen sie gemeinsam die Gefahr, von den Kobolden der Goldenen Horde gekocht zu werden, sich einfach so von der Kobolddame Godiva vereinnahmen zu lassen und lernen sich immer besser kennen. Als Team mit Kater sind sie sogar richtig gut und überstehen ihr erstes Abenteuer ohne größere Blessuren.

Eigene Wünsche nicht vergessen

Jenny bleibt in Xanth – und in den ersten drei Bänden, in denen sie auftritt, denkt sie immer wieder an ihr eigentliches Zuhause. Immer wieder überlegt sie kurz, dass sie sich um einen Weg nach Hause kümmern muss, denn gleich im ersten Band wird das Loch, durch das sie kam, verschlossen und kann nicht mehr geöffnet werden.

Alle Gedanken an zu Hause werden jedoch immer wieder nach hinten geschoben, weil Jenny ihrem Freund Che oder ihrer Freundin Gwenny helfen muss. Entweder geht es darum, dass Che befreit wird, er sich mit seinem Vater auseinandersetzen muss oder dass Gwenny Unterstützung benötigt, um Chefin ihres Koboldclans zu werden. Die drei, Che, Gwenny und Jenny, halten zusammen. Doch wie meist bei den Fischen hilft Jenny immer, bekommt aber wenig eigene Hilfe – ja, es fragt auch keiner, ob und wie sehr sie ihre Heimat vermisst. Oder ob man sich nicht mal auf eine Queste machen soll, um ihren Heimweg zu finden.

Jenny ist ein ganz besonderes Fisch-Wesen: Sie ist schon als junges Mädchen enorm empathisch, kann sehr gut erfassen, wie es jemandem geht und entsprechend handeln. Und sie ist in der Lage, nüchtern abzuwägen, was sie jetzt tut, tun will und/oder tun sollte. Dabei ist sie niemals darauf aus, dass andere sie loben oder ihr ihre Güte irgendwie vergelten. Nein, Tat X muss jetzt getan werden und das ist gut so und deswegen macht Jenny, was sie tun muss. Sie ist auch nie ärgerlich darüber oder der Ansicht, dass die anderen doch mal auf sie achten sollten.

Eigene Motive klären

Und sie weiß jederzeit, dass es ihre eigenen Entscheidungen sind und die Welt deswegen so weitergeht, wie sie es tut. Das merkt man vor allen Dingen, als sie für Gwenny eine Frage an den Guten Magier stellt. Denn der Preis für eine Frage ist ein Jahresdienst, den Jenny ableisten muss. Sie macht das, weil Gwenny sonst nicht Herrscherin über die Kobolde sein kann.

Fische, lebt das ruhig aus, was ihr an Empathie für andere habt. Eure Freunde und Freundinnen werden es euch danken. Aber bitte: Wenn ihr merkt, dass ihr zu sehr darauf erpicht seid, einen Lohn (Lob oder was auch immer) dafür zu enthalten, solltet ihr ernsthaft eure Motive prüfen, warum ihr jemandem Gesellschaft leistet, einen Dienst tut oder die Person tröstet. Nehmt euch ein Beispiel an Jenny: Erst nachdenken, dann handeln und gut ist’s.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Mond-Elfe
Autor Piers Anthony
Seiten 415
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Bastei Lübbe
Jahr 1992

Jenny taucht in weiteren Xanth-Bänden auf.


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