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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder

Maisie Jones ist eine tolle Oma. Empathisch, lieb und humorvoll. Ihre Lieblingsfarbe ist rosa und sie hat ein paar Kilos zu viel, aber das macht sie nur noch gemütlicher. Sie kann ein Geheimnis bewahren und das von ihr gekochte Essen schmeckt gar köstlich.

Die Großmutter von Charlie Bone in Jenny Nimmos Serie um die Kinder des Roten Königs ist für den Jungen auch ein Bollwerk gegen seine andere, hartherzige und miesepetrige Grandma Bone. Das merkt man schon in der Ansprache: Maisie will gern beim Vornamen genannt werden, Grandma Bond mit Omi oder ihrem Vornamen Grizelda anzusprechen, wagt Charlie aber überhaupt nicht. Vollkommen klar, dass sich die beiden alten Ladies nicht ausstehen können.

Eine schwierige WG

Maisie ist nicht nur Charlies Oma, sie ist die Mutter von Charlies Mum Amy Bone. Die drei wohnen seit dem vermeintlichen Tod von Charlies Vater in dem Haus von Grandma Bone und derem Bruder Paton Darkwood. Amy geht zwar halbtags arbeiten, aber es reicht einfach nicht, um für sich und ihre Lieben zu sorgen. Und so leben sie bei der zickigen Grandma Bone und dem zurückgezogenen Paton.

Vollverpflegung im Hause Maisie

Charlie liebt Maisie so sehr, wie er seine andere Oma doof findet. Und dieser Gegensatz wird noch extremer, als Grandma Bone herausfindet, das Charlie ein besonderes Talent hat: Er kann hören, was die Personen auf Bildern sagen. Hat man etwa ein Foto vom letzten Urlaub, kann der Junge hören, was man zum Zeitpunkt der Aufnahme gesprochen hat. Kaum ist das raus, kümmert sich die knochige Oma Bone plötzlich um ihren Enkel und organisiert, dass Charlie fortan auf ein Internat gehen muss. Dort sind lauter begabte Kinder, auch „sonderbegabte“ wie Charlie. Er kommt nur noch am Wochenende nach Hause.

Da Maisie Charlies vollstes Vertrauen hat, weiß sie auch sofort, dass die Internatsküche sehr zu wünschen übrig lässt. Ab sofort wird Charlie zu Hause essenstechnisch total verwöhnt. Vor allen Dingen soll er genug zu essen kriegen, damit er unter der Woche nicht verhungert.

Oma Bone versucht anfangs Charlie auf ihre Seite zu ziehen. Sie ist nicht magisch begabt, aber einige ihrer drei Schwestern – und die vier fiesen alten Weiber wollen Charlie in ihre fragwürdigen, um nicht zu sagen kriminellen Machenschaften einbinden. Zum großen Leidwesen der alten Frauen schlägt Charlie aber den anständigen Weg ein.

Und so kommt es immer wieder vor, dass sich Grandma Bone über Charlie auslässt, ihm Vorschriften macht, ihn kritisiert und vieles mehr. Und Maisie stellt sich soweit möglich schützend vor Charlie, liest der „anderen“ Großmutter die Leviten und sorgt dafür, dass der Junge in Ruhe essen oder seine Freizeit draußen verbringen kann. Manchmal brüllen sich die beiden Frauen ewig an, bis endlich aller Dampf abgelassen ist.

Mitwisserin Maisie

Robbie Williams zeigt einem Paparazzi das Victory-Zeichen. Foto: Bondstudios at en.wikipedia/Wikimedia Commons

Grandma Bone sieht Charlies Gabe als etwas Ernstes, mit dem man keinen Unfug treibt. Maisie Jones hätte gar nichts dagegen, wenn ihr Charlie sagen könnte, ob Robbie Williams hier dem Paparazzi, der das Bild schoss, auch noch etwas zuruft …

Maisie wünscht sich manches Mal, dass Charlie keine magische Gabe hat, sondern einfach ein normaler Junge wäre. Dann hätte er es einfacher und müsste „nicht auf diese gräßliche Schule“. Charlie vertraut Maisie und seiner Mutter total, sie wissen über viele der Abenteuer Bescheid, die Charlie auf der Schule erlebt und bei denen es viele Dinge gibt, die Grandma Bone nicht wissen darf. Aber Maisie verplappert sich nicht, obwohl sie sonst ein durchaus loses Mundwerk hat. Auch als Charlie von einer Minute auf die andere zum Hundesitter für Runnerbean, den Hund seines Freundes Benjamin, wird, hält sie dicht und versucht, den Hund die Woche über vor Hundehasserin Grandma Bone zu verstecken.

Maisie und die Vergangenheit

Maisie ist keine hundertprozentige Top-Jungfrau: Manchmal weiß sie nicht, was sie tun soll – und kann auch nicht zum Kampf für ihre Lieben schreiten. Schließlich sind Amy, Charlie und Maisie abhängig von Grandma Bone. Dann sagt sie auch schon mal zu Charlie, dass seine Tanten da sind und dass sie jetzt Fernsehen gucken gehe – anstatt vielleicht dem Jungen zumindest mit ihrer Anwesenheit beizustehen. Aber: Who’s perfect?

Das wird langsam besser, als sich Charlies Großonkel Paton aus seiner neutralen Haltung verabschiedet und seinen Schwestern immer öfter Paroli bietet. Das fängt schon damit an, dass er seine verkniffene Schwester immer wieder darauf hinweist, dass das Haus ja zur Hälfte ihm gehört und sie nicht allein bestimmen kann, was dort vorgeht.

Deutlich mehr Selbstbewusstsein bekommt Maisie, als sie bei einem Besuch bei ihrer Schwester erfährt, dass in ihrer langen Vorgängerschar ein walisischer Zauberer zu finden ist – und dessen Zauberstab ist zwischenzeitlich in Charlies Hände gelangt. Ab hier bietet sie Grandma Bone sehr viel aufrechter die Stirn. Hat sie vorher schon nicht mit ihrer Meinung hinter dem Berg gehalten, weiß sie jetzt, dass auch sie einflussreiche Verwandte hat (auch wenn der Zauberer schon ein halbes Jahrhundert tot ist).

Best of Jungfrau

Maisie ist vor allem die gemütliche, liebe, mütterliche Jungfrau. Sie sorgt sich um ihre Lieben, versorgt sie (meist mit leckerem Essen), drückt einen, wenn man es braucht und ist einfach für einen da. Sie gehört nicht zu den Jungfrauen, die mit Feuer und Schwert losziehen, um ihr Eigen zu verteidigen. Dafür wartet sie, egal welche Stimmung um einen herum herrscht, mit Humor, einem Augenzwinkern und einer Leckerei auf, die einem gleich die Laune verbessert. Ja, gegen die auch die größte Miesepetrigkeit nicht mehr ganz so arg aussieht. Und so ist sie eine Festung in den Wirren, die Charlies Leben plötzlich nimmt, als man seine Sonderbegabung feststellt.

Alle, die eine solche Jungfrau in ihrem Umfeld wissen, sollten sich glücklich schätzen. Schließlich kann man sich hier geborgen fühlen, egal, wie hoch die Wogen gehen. Solchen Jungfrauen selbst jedoch soll geraten sein, sich nicht zu übernehmen. Sie sollten ab und zu schauen, dass sie ihre Reserven nicht überstrapazieren, sondern auch selbst Energie tanken. In Maisies Fall reicht es anscheinend, dass es genug gute und lustige Situationen gibt, die ihr Spaß machen, die ihr gute Laune machen und die ihr helfen, weiter so fröhlich und guter Dinge zu sein.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Charlie Bone und das Geheimnis der sprechenden Bilder (1. Band)
Autor Jenny Nimmo
Seiten 351
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Ravensburger
Jahr 2007

Es gibt insgesamt acht Bände der Reihe. Maisie kommt in allen vor …


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Foto:  © Bondstudio at en.wikipedia/Wikimedia Commons – CC BY 3.0

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