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Battle Royale

Das erste, was man von einem Krebs sieht, sind die Scheren. Das zweite, das einem auffällt, ist der Panzer. Scharf und verletzend das eine, undurchlässig und hart das andere. Beides wirkt auf den ersten Blick nicht unbedingt einladend. Das Gefühl haben auch Shuya und Noriko, als sie Shogo inmitten des grausamen Spiels, das sie mit ihrer Schulklasse ausfechten müssen, begegnen. Doch wie es Krebsen nun mal zu eigen ist, hat auch Shogo einige Überraschungen auf Lager …

In der 9. Klasse gibt es in der Regel tausend verschiedene Dinge, die einen Tag für Tag beschäftigen. Der Lernstoff hat es in sich, man soll gute Noten schreiben, möchte aber gleichzeitig auch Dinge mit seinen Freunden erleben. Vielleicht ist man sogar gerade das erste Mal richtig verliebt und hat gar keinen Kopf für irgendetwas anderes.

Die Klasse 9-B der Shiroiwa Junior High wird eines Tages jedoch jäh aus ihrem pubertären Taumel gerissen. Sie wurde von der Regierung Großostasiens auserwählt, das „Programm“ zu bestreiten. Das bedeutet im Klartext, dass die ganze Klasse auf einer eigens dafür evakuierten Insel ausgesetzt und mit mehr oder weniger effektiven Waffen ausgestattet werden. Dann müssen sie sich so lange bekämpfen, bis nur noch einer von ihnen am Leben ist. Soweit die Kurzfassung.

Der hübsche, beliebte Shuya und seine Klassenkameradin Noriko sind verständlicherweise völlig geschockt, als sie erfahren, in welchem Wahnsinn sie stecken. Shogo hingegen, ihr neuer Mitschüler, bleibt verdächtig ruhig. Komischer Typ, ganz klar.

Stille Wasser …

Während der Schlacht begegnen sich Shuya, Noriko und Shogo wieder. Die Skepsis der beiden Freunde Shuya und Noriko dem seltsamen Neuling gegenüber ist immer noch groß: Shogo ist so ruhig, er redet wenig, er ist weder besonders aufgeregt noch aggressiv, was die beiden angesichts ihrer Lage mehr als verwundert. Shogo selbst bleibt zunächst sehr zurückhaltend. So beäugen sich die drei eine geraume Zeit.

Es liegt jedoch in der Natur des Programms, dass man sich entweder miteinander verbündet oder einander umbringt, daher schließen Shuya, Noriko und Shogo sich zu einer Allianz zusammen. Etwas widerwillig und immer noch misstrauisch bauen Shuya und Noriko ihre Feindseligkeit gegenüber Shogo ab und sind überrascht darüber, was sie herausfinden …

… unendlich tief

… denn Shogo ist nicht nur sehr klug und hilfsbereit, sondern entpuppt sich als echter Freund. Und das in einer Umgebung, die Freundschaften nicht gerade fördert. Doch Shuya und Noriko merken immer mehr, dass sie sich auf ihren Kumpel verlassen können. Shogo hält nachts Wache, er weiß, wo man Deckung sucht, wie man Wunden verbindet und Fieber bekämpft und er hört es als erstes, wenn sich jemand anschleicht. Und vor allem wendet er sich nicht von den beiden ab, wenn sie ihm gegenüber einen „Rückfall“ erleiden und wieder vorsichtig werden.

Schweigsam bleibt er dennoch. Die Vertrautheit mit den beiden anderen bewirkt zwar, dass er auftaut und in kleinen Portionen die wichtigsten Geheimnisse über sich preisgibt. Doch davon, dass es aus ihm heraussprudelt, ist er weit entfernt. Er bleibt eben ein Krieger mit harter Schale und scharfen Waffen.

Nicht schüchtern, sondern Krebs

Tatsächlich ist Shogo sonst eigentlich ein relativ untypischer Krebs: Er ist nicht schüchtern oder verstockt, sondern einfach unendlich ruhig. Er redet, wenn er reden will und er schließt Freundschaften, mit wem er will. So ist auch er derjenige, der das Band der Dreier-Freundschaft knüpft, indem er Shuya und Noriko beweist, dass sie ihm vertrauen können.

Doch stärker kommt bei ihm durch, was typisch für den Krebs ist: Sobald er Freundschaft geschlossen hat, setzt er sich mit allen Mitteln dafür ein. Für Shuya und Noriko setzt er sogar mehr als einmal sein Leben aufs Spiel. Und lässt auch sonst keinen Zweifel daran, dass er wirklich alles für sie tun würde.

Was können wir daraus lernen? Vielleicht schlichtweg, dass man den Panzer eines Krebses gar nicht unbedingt knacken muss. Manchmal ist es viel besser, darunter zu schlüpfen und in Sicherheit zu sein.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Battle Royale
Autor Koushun Takami
Seiten 623
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Heyne
Jahr 1999

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