chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Christine

Christine ist schon etwas in die Jahre gekommen und langsam sieht man ihr ihr Alter auch an. Kein Wunder, dass sie sich, als der 17-jährige Arnie Cunningham ihr den Hof macht, sofort und für immer an ihn binden möchte. Es ist Liebe auf den ersten Blick und der einzige, der die traute Idylle stört, ist Arnies bester Freund Dennis. Was bis jetzt nach einer langweiligen Dreiecksgeschichte der ARD riecht, bekommt eine interessante Komponente, wenn man sich vorstellt, wie ein solches Drehbuch von Stephen King wohl aussehen könnte. Etwa so: Die holde Christine ist ein 58er Plymouth Fury, zweifarbig lackiert, ein bisschen rostig und in Liebesdingen möglicherweise eigensinnig.

Ich und du und sie

Arnie ist der Außenseiter der Schule, pickelig, langweilig, schüchtern. Sein bester Freund Dennis als Quarterback und Schürzenjäger natürlich genau das Gegenteil. Sie sind seit Jahren unzertrennlich und können alles teilen und miteinander besprechen. Und weil sie immer aufeinander aufpassen, ist Dennis vom ersten Augenblick an gegen die Anschaffung von Christine.

Arnie entdeckt Christine in völlig desolatem Zustand auf einem heruntergekommenen Gundstück und ist sofort hin und weg. Er glaubt, in ihr mehr zu sehen, als auf den ersten Blick erkennbar ist, er will sie reparieren und ihr so ihre unzweifelhaft mal dagewesene Schönheit zurückgeben. Dennis versucht sein bestes, ihn davon abzuhalten. Ihm erscheint das Auto nicht wie Dornröschen und auch der Besitzer des Wagens, ein pöbelnder, pennerhafter Kriegsveteran, steigert sein Misstrauen gegenüber der ganzen Situation nur. Es ist selbstverständlich längst zu spät: Kurze Zeit später hat Arnie eine Anzahlung geleistet und 24 Stunden später gehört Christine ihm. Oder er Christine …

Ein Auto mit Wirkung

Kaum sind Christine und Arnie ein Paar, geschehen langsam und fast unmerklich einige sehr merkwürdige Dinge: Der Ex-Besitzer stirbt und sowohl Christine als auch ihr Neuer erstrahlen in neuem Glanz. Arnie ist ein guter Schrauber und hochmotiviert, das ist Dennis klar, doch die Geschwindigkeit, in der Christine regeneriert, ist etwas unheimlich. Und ihr pickeliger Besitzer wirkt plötzlich reifer, größer, selbstbewusster. So selbstbewusst, dass er sich sogar traut, das schönste Mädchen der Schule anzusprechen. Und sie sagt auch noch ja.

Dennis freut sich für seinen Kumpel. Ehrlich und aufrichtig. Er weiß, wie sehr Arnie darunter gelitten hat, immer der Doofe zu sein. Und nun darf der ehemalige Nerd seine neugewonne Queen in einem super Schlitten durch die Gegend fahren. Denn Christine sieht mittlerweile ziemlich heiß aus. Und daher stört es sie gewaltig, wenn sich ein Wesen ihrem Mann nähert, das noch attraktiver ist als sie.

Baby, you can drive my car?

Lieber nicht! Christine rast vor Eifersucht (bitte wörtlich nehmen!), Dennis und allmählich auch Leigh, Arnies Freundin, bekommen langsam, aber sicher Angst – erst vor Christine, dann auch vor Arnie, der sich mehr und mehr zum schlechten verändert. Er wird arrogant, unwirsch, bisweilen fast brutal und immer mehr auf sein Auto fixiert. Und das Auto auf ihn.

Irgendwann bekommt sogar Arnie selbst böse Träume und kriegt es mit der Angst zu tun. Doch als Leigh ihm ein Ultimatum stellt und von ihm fordert, sich zwischen ihr und Christine zu entscheiden, schlägt er sich wutentbrannt auf Seiten seines Autos. Christine hat gewonnen und Lust, sich an ihren Widersachern zu rächen.

Radikal treu

Bei so einem Charakter drängt sich der Krebs-Vergleich doch förmlich auf: Christine hat einen (wenngleich etwas rostigen) Panzer, sie ist ein treuer, verlässlicher und seeehr tapferer Freund und tut für Arnie ohne zu zögern wirklich ALLES. Und er gewinnt durch sie Stärke und Selbstbewusstsein, erwacht quasi zu neuem Leben und beide könnten bis an ihr Lebens (oder Motor-)ende glücklich sein …

Tja, wenn Christine mit ihrer Eifersucht und ihren Besitzansprüchen nicht doch gewaltig übertreiben würde. Ein Mann und eine Karre – das funktioniert doch nur im Fernsehen … Doch leider, leider stellt sie sich die Welt nunmal unverhältnismäßig viel schöner vor als sie eigentlich ist. Indem sie glaubt, sie könnte die einzige und ewige große Liebe in Arnies Leben sein. Blöd aber, dass sie eben nichts weiter als ein Auto ist und immer bleiben wird. Trotz all dem glänzenden Lack kann sie nie so hübsch sein wie ein Mädchen und wahrscheinlich auch niemals so gut küssen.

Ach, dass der Krebs immer so extrem ist, ist natürlich Quatsch. Aber wer weiß – so ein Tier kann ganz furchbar boshaft zwicken, wenn es erst einmal den Sand abgeschüttelt und Fahrt aufgenommen hat …

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Christine
Autor Stephen King
Seiten 651
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Heyne
Jahr 1983

Das Buch ist im Laufe der Jahre in unterschiedlichen Ausgaben erschienen. Die hier genannte ist also nur eine von vielen.


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