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Das fliegende Klassenzimmer

Kennt ihr Einsiedlerkrebse? Diese kleinen Tiere sind zwar Krebse, besitzen aber eigentlich gar keinen typischen Panzer. Im Gegenteil: ihr hinterer Körper ist relativ weich und damit schutzlos. Stattdessen haben sie die Eigenschaft, sich ganz schnell ein neues Zuhause zu suchen, wenn das alte nicht mehr geht. Sie schlüpfen in so einem Fall beispielsweise aus ihrer Muschel und ziehen in eine Coladose. Infolge dieser Eigenschaft haben wir es bei diesen Krebsen nicht mit einem knüppelharten Panzer und gewaltigen Scheren zu tun. Was den Krebs trotzdem zum Krebs macht, das erzählt euch die folgende Geschichte.

An die Jungs des fliegenden Klassenzimmers erinnern wir uns alle. Diese höflichen, sympathischen Teenager mit Sinn für Gerechtigkeit sind auch nur schwer zu toppen. Aber in der Weihnachtsgeschichte mit dem wunderbaren Happy End gibt es auch noch einen anderen interessanten Charakter.

Ein liebenswerter Freak

Dieser hat es anscheinend nicht leicht: ganz allein lebt er am Rand der Stadt in einem alten Eisenbahnwaggon. Sein bisschen Geld, das er zum Leben braucht, verdient er als Unterhaltungspianist in einer ollen Kneipe. Abgesehen davon geht er kaum unter Menschen. Gerüchte sagen, dass er vor vielen Jahren seine Frau und seine Tochter verlor und seitdem den engen Kontakt mit Menschen meidet.

Die Jungen aus dem Internat mögen ihn trotzdem gern. Sie nennen ihn den Nichtraucher und kommen ihn ab und zu besuchen. Denn obwohl er nicht der geselligste Typ ist, hat er immer ein offenes Ohr und gibt kluge Ratschläge. Die Schüler schätzen seine Ruhe und seine Klugheit. Und dann finden sie etwas über ihn heraus.

Eines Tages erzählt ihr verehrter Lehrer ihnen eine Geschichte. Sie handelt von ihm und seinem besten Freund aus Kindheitstagen. Die beiden waren im Internat uns darüber hinaus unzertrennlich und haben alles füreinander getan. Die Freundschaft hielt auch noch an, als der eine Lehrer und der andere Arzt wurde. Doch dann erlitt der Arzt einen furchtbaren Schicksalsschlag und zog sich von allen Menschen zurück. Auch die Freundschaft zum Lehrer zerbrach daran.

Die pfiffigen Jungs zählen ratzfatz eins und eins zusammen und beschließen, ihren Lehrer mit seinem besten Freund wieder zusammenzubringen. Schließlich kann es sich bei der geheimnisvollen Figur nur um den Nichtraucher handeln. Und sie wissen selbst sehe gut, wie wertvoll eine gute Freundschaft ist.

Best Friends Forever – wortwörtlich

Lange Geschichte, kurz erzählt: der Plan gelingt, die beiden sind wieder gute Freunde. Und an dieser Stelle fällt uns der Krebs wieder ein, der ja zu den treuesten Freunden des ganzen Sternenhimmels zählt. Wen er als Freund auserkoren hat, den hält er für immer. Nur wirkliche einem wirklich triftiger Grund würde der treue Krebs von seinen liebsten weichen. Der Tod von Frau und Tochter ist bestimmt ein solcher Grund.

Ein anderer Krebs hätte bei solcher Gelegenheit eine extra Schicht Kalk auf seinen Panzer geschmiert. Doch ein Einsiedlerkrebs, wie der Nichtraucher einer ist, braucht weder eine harte Schale, noch scharfe Scheren. Er ist nicht aggressiv und hat keinen Drang sich zu verteidigen. Er sucht sich stattdessen ein neues Heim und hofft, dass ihn dort niemand findet und er in Ruhe gelassen wird.

Trotzdem ist er nicht unfreundlich oder harsch. Er mag auch menschlichen Kontakt und hilft, wo er kann. Er mag nur niemanden an sein Innerstes heranlassen. Das hat er mit anderen Krebsen gemein. Nur hat der eine einen Panzer als Schutz, der andere wählt die Unverbindlichkeit.

Doch die Jungs durchschauen diese Strategie und daher schaffen sie das scheinbar unmögliche – den einsiedlerischen Nichtraucher wieder in menschliche Nähe zu schubsen. Denn auch ein Krebs, der sich noch so sehr aller Zuneigung verweigert, vergisst dabei nie, was ihm eigentlich am wichtigsten ist: echte, tiefe Freundschaft.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Das fliegende Klassenzimmer
Autor Erich Kästner
Seiten 210
Ausstattung Hardcover
Verlag Büchergilde Gutenberg (u.a.)
Jahr 1933 (Erscheinungsjahr)

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