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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Der eiserne Thron

Als sich Owen Todtsteltzer eines Morgens genüßlich im Bett räkelt, weiß er noch nicht, dass seine Dauergeliebte einen Mordanschlag auf ihn plant, seine Bediensteten ihn ebenfalls lynchen wollen, dass er all seines Hab und Guts verlustig gegangen ist, weil die Imperiale Herrscherin ihn zum Vogelfreien erklärt hat und zudem ein Imperialer Sternenkreuzer in der Umlaufbahn dafür sorgen will, dass er wirklich tot ist. Allerdings dauert diese Unkenntnis nicht sehr lange, denn schon wenige Minuten später kommt die hübsche Katie ins Schlafgemach und versucht, ihm einen vergifteten Wein anzudrehen. Und so nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Owen schafft es nämlich zu überleben – sogar mehrere Bände lang, denn Simon R. Green hat ein ganzes Universum erschaffen, in dem „das abentheuerliche Leben des Owen Todtsteltzer“ beschrieben wird. Und so entkommt er seinen vielen Mördern und auch dem Sternenkreuzer – und führt fortan ein Leben voller Gefahren.

Das Imperium

Todtsteltzer lebt in einem Universum, in dem Hunderte von Planeten von Menschen besiedelt sind. Es hat sich ein Feudalsystem herausgebildet, in dem Adlige die herrschende Klasse sind, oberste Machthaberin ist die Imperatorin Löwenstein XIV. Intrigen, Mord und Willkür sind an der Tagesordnung. Der Rest der Menschen fristet sein Dasein als Diener, Handwerker, Sklave oder lebt als Ausgestoßener am Rande des Existenzminimums. Außerirdische werden versklavt oder ausgerottet, vor allen Dingen, wenn sie dem Imperium gefährlich werden könnten. Fast alle Menschen sind zudem irgendwie „gepimpt“, sei es, dass sie zu Telepathen hochgezüchtet wurden, sich Metallplatten unter die Haut haben setzen lassen, um unverwundbar zu sein oder sich mit Kampfdrogen vollstopfen, die sie in Speichern im Körper aufbewahren können. Green hat hier tief in die Ideenkiste menschlicher Evolution gegriffen und sich ein paar wirklich interessante Dinge ausgedacht.

Der verhinderte Historiker

Owen Todtsteltzer kommt aus einer alterwürdigen adligen Kämpferfamilie. Er wurde als Kind in allen möglichen Kampfkünsten unterrichtet. Wichtigstes Merkmal aller Todtsteltzer ist der „Zorn“: Wenn Owen sich selbst das Wort „Zorn“ sagt, wird er zu einer irre ausdauernden, schnellen Kampfmaschine, er hat so viel Energie und Wut, dass er alles um sich herum platt machen kann. Allerdings hat Owen gar keine Lust auf die Intrigen, auf die ganzen Kämpfe zwischen den Adelsfamilien etc. Er ist Historiker, er will die Geschichte erforschen und friedlich vor sich hin leben. Sein Erbe verwendet er darauf, einen Planeten zu kaufen, dort seine Bücher zu schreiben, sich mit seiner Geliebten zu vergnügen. Bis zu dem oben beschriebenen Morgen.

Auf der Flucht

Er bringt die Geliebte um und schafft es, auch seinen Sicherheitsleuten zu entgehen. Er kann mit einem Gleiter fliehen, wird verfolgt, abgeschossen und dann – wie durch ein Wunder – von einer Frau gerettet. Hazel D’Arc ist ebenfalls flüchtig, ihr Raumschiff wurde gerade von dem Sternenkreuzer abgeschossen und sie konnte sich in einer Rettungskapsel in eine relative Sicherheit bringen. Sie rettet Owen und gemeinsam fliehen sie mit Owens eigenem Raumschiff von dem Planeten. Owen braucht eine Weile, bis er begreift, dass er vogelfrei ist. Dass es niemanden mehr gibt, der ihm hilft. Dass er keinen Pfennig mehr hat. Nichts. Er verpflichtet Hazel, ihn eine Weile zu begleiten. Und dann lernt er nach und nach noch ein paar Leute kennen, die sich ihm aus den unterschiedlichsten Gründen anschließen. Hazel bleibt bei ihm, weil sie auch nicht weiß, was sie sonst machen soll. Hazels Freundin Ruth, weil die Söldnerin ein Abenteuer erleben will. Jakob Ohnesorg, ein ehemaliger Rebell, der gerne wieder etwas bewirken will. Tobias Mond, ein technisch veränderter Mann, der seinen Heimatplaneten sucht. Und Owens Vorfahr Giles, der ein paar Jahrhunderte in Stasis verbracht hat, weil er sein begonnenes Werk zu ende bringen will.

Der Beschützer

Owen beschließt, dass die Imperatorin fallen soll. Sie hat ihm sein Leben geraubt und jetzt soll sie dafür büßen. Außerdem schickt sie ihm nach wie vor Imperiale Truppen hinterher, die irgendwie immer wissen, wo er gerade ist. Er will aber nicht abhängig sein, er will leben und er will vor allen Dingen, dass er und seine neuen Freunde in Ruhe gelassen werden. Todsteltzer entwickelt einen großen Beschützerinstinkt: Seine neuen Freunde sind sein Haus, seine Familie – und wer die angreift, muss mit Owen Todtsteltzer und seinem „Zorn“ rechnen.

Und so ist Owen der ideale Krebs. Er braucht eine Weile, bis er begreift, dass er wirkliche Freunde gefunden hat. Bis er vertraut und sich darauf einlässt, aus seinem alten Leben geschubst worden zu sein. Aber als er das akzeptiert hat, er seinen Panzer aufmacht, lässt er es nicht zu, dass seinen Lieben etwas passiert. Er verteidigt sie wie eine Löwin ihre Jungen mit Klauen und Zähnen. Und das Gute daran: Es geht nicht nur um die so häufig in Büchern und der realen Welt beschworene Familie, sprich: Blutsverwandtschaft. Sondern um die, die einem wichtig sind. Die man als zugehörig empfindet, die „Wahlfamilie“ sozusagen. Also lieber Krebs, wenn du mal sehen willst, wie man sich trotz der übelsten Umstände mit Vertrauen und Engangement auf Neues einlassen kann, dann schau mal wie Owen Todtsteltzer damit zurande kommt. Vielleicht kannst du ja auch ein bisschen Mut fassen, Altes hinter dir zu lassen.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Der eiserne Thron
Autor Simon R. Green
Seiten 765
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Bastei Lübbe
Jahr 2004

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