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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Der kleine Prinz

Sie geht einem ja schon ein wenig auf die Nerven: die vielzitierte Geschichte vom kleinen Prinzen und seiner Reise durch fremde Welten und über ferne Planeten, die er in der Wüste einem noch nicht ganz verzweifelten, notgelandeten Piloten erzählt. Jeder kennt sie und die vermeintlich wichtigsten Zitate wurden sicherlich einmal zu oft auf irgendwelchen Postkarten festgehalten – nichtsdestotrotz verbirgt sich in der Erzählung nach wie vor so einiges. Unter anderem ein Krebs mit vier kleinen Dornen.

Der kleine Prinz kommt von weit her, als er auf den verlorenen Piloten trifft. Seine Heimat ist ein geradezu winziger Planet, der Ewigkeiten entfernt vor sich hin existiert. Affenbrotbäume wachsen dort, die regelmäßig gefällt werden müssen, da sie den Planeten sonst geradewegs verschlingen würden. Inmitten diese ganzen Gestrüpps lebt außerdem eine Rose. Etwas eitel und etwas ängstlich ist sie, aber sie berührt den kleinen Prinzen.

Das Geheimnis des Besonderen

Er weiß eigentlich gar nicht, warum. Die Rose ist wirklich hübsch, aber zickig und wehleidig kommt sie ihm manchmal vor, wenn sie sich vor Raupen fürchtet oder vor Wind. „Man darf den Blumen nicht zuhören“ denkt er sich einmal, als er merkt, dass ihn ihre Worte nerven. Und doch fühlt er Zuneigung zu diesem äußerst schutzbedürftigen Wesen, dass es ihm diese Zuneigung nicht leichtmacht.

Eines Tages verabschiedet er sich von der Rose. Er verlässt seine Heimat für unbestimmte Zeit (vielleicht sogar für immer) und damit auch seine Blume. Zunächst erscheint ihm das als keine große Sache: Er verlässt die Blume ebenso wie die Affenbrotbäume und den Vulkan, den er regelmäßig fegt. Doch als er der Blume Lebewohl sagt, fällt ihm seine eigene Traurigkeit auf. Und die der Rose.

So gehen sie auseinander, mit dem schlechten Gefühl, die Liebe des jeweils anderen übersehen und die eigene verborgen zu haben. Doch wie viel sie ihm wirklich bedeutet, begreift er erst, als es ihm ein Fuchs erklärt. Das Geheimnis einer solch tiefen Bindung liegt in der Zähmung. Darin, sich jemanden (oder etwas) zu eigen zu machen. Vor der Zähmung ist eine Rose nur eine beliebige, hübsche Blume, ein Fuchs nur ein Tier aus dem Wald. Doch hat man erst einmal das Wesen erobert, sich „vertraut gemacht“ wie der Fuchs es nennt, wird das Wesen plötzlich zu etwas besonderem. Ohne sich nennenswert oder offensichtlich zu verändern.

Rote Rose

Eine Rose – die eine oder eine von vielen?

Für die Beweisführung sorgen ein paar Rosen. Zunächst enttäuscht, dass seine Rose doch nicht so einzigartig ist, wie sie behauptet hat, stellt er fest, dass sie es doch ist. Indem er sie sich vertraut gemacht hat, gewann sie etwas, was sonst keine Rose der Welten hat.

Magie unter der Schale

Eine der hervorstechensten Eigenschaften des Krebses ist sein Panzer. Undurchdringlich schirmt er das empfindliche Innenleben des Spinnentieres gegen die rauhe Umwelt ab. Ein Krebs lässt eben niemanden so leicht an sich heran. Deswegen mag man seine Schwierigkeiten haben, die harte Schale zu knacken. Aber wer hartnäckig bleibt, erfährt etwas Besonderes. So wie unser Prinz mit seiner Rose. Erst als er zu ihr durchgedrungen ist – beim Abschied – erkennt er ihr sensibles Inneres.

Die Freundschaft mit einem Krebs hat immer auch etwas Magisches. Das mag mit den anderen Eigenschaften zusammen hängen, die ein  Krebs noch aufweisen kann: Seine Verträumtheit, seine bedingungslose Treue, aber auch seine Undurchsichtigkeit, wenn er seine Gefühle unter seiner Panzerplatte verbirgt. Das liegt aber auch einfach daran, das jeder Krebs einizigartig ist. Jaja, das ist ja jeder, mag jetzt ein Schlaumeier erwidern. Stimmt auch. Aber beim Krebs ist diese Einzigartigkeit manchmal besonders gut versteckt. Und das macht die Beziehung zu ihm spannend.

Bestimmt kann nicht jeder gut mit Krebsen. Oder nicht immer gleich gut. Sie sind eben eigensinnig. Aber wer merkt, dass sein Herz gerade von einem erobert wird, sollte nicht gleich mit schreckgeweiteten Augen das Weite suchen – wer den Panzer sanft entfernt, erlebt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit ein kleines Wunder.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Der kleine Prinz
Autor Antoine de Saint-Exupéry
Seiten 69
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Karl Rauch Verlag
Jahr 1943 (Ersterscheinung New York)

Das Buch ist im Laufe der Jahre in unterschiedlichen Ausgaben erschienen. Die hier genannte ist also nur eine von vielen.


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Foto: © Astrid Götze-Happe/PIXELIO

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