chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Kobold Witsch

Der kleine Meerkobold Witsch ist ein lustiger Geselle mit roten Haaren und einer Vorliebe für alte Schiffsglocken. Die sammelt er in seinem Museum. Außerdem gruselt er sich gern und denkt sich daher immer die fürchterlichsten Ungeheuer aus. Und weil sie so supergruselig sind, muss seine Uroma die immer einkochen.

Und dann hat der kleine Frechdachs auch noch einen bösen Erzfeind: Pallas. Das ist ein riesiger, ewig alter Fisch, der Witsch am liebsten mit Haut und Haar und allem auffressen will. Missmutig ist Pallas, böse und manchmal auch hinterhältig.

Freund und Feind

Aber Witsch ist auch nicht von schlechten Eltern: Als Pallas vor ihm eine Schiffsglocke aus einem alten Wrack holt, kann er es sich nicht verkneifen, in die Korallenhöhle seines Feindes zu schwimmen und zu versuchen, sich die Glocke zu holen. Denn er will sie haben! Aber Pallas kennt seinen Pappenheimer und hat darauf nur gewartet: Bums, fällt ein Gitter runter und der Meerkobold ist gefangen. Pallas schwimmt vor dem Gefängnis herum und droht, den Einbrecher lecker zuzubereiten. Diesem Schicksal entgeht der Kleine nur, weil seine Freunde vor der Höhle Rabatz machen und Pallas zwingen, den Gefangenen freizulassen.

So geben sich beide nichts – nur Pallas hat das Pech, das keiner ihn leiden mag. Alle finden ihn blöd, weil er Witsch gefangen genommen hat. Aber dass Witsch einfach so in das Haus des Fisches eindringt und die Glocke an sich nehmen will, darüber sagt niemand was. Im Gegenteil, alle freuen sich mit Witsch, dass er die Glocke mitgenommen hat und sie zusammen dem ollen Fisch gezeigt haben, wo der Hammer hängt.

Miese Tricks mit miesen Gesellen

So ist es kein Wunder, dass sich Pallas schlussendlich sogar mit Seeräubern einlässt, um an Witsch heranzukommen: Witsch darf anlässlich seines Geburtstags einen Tag an Land verbringen und schwimmt schnurstracks zu einer kleinen Insel. Doch Pallas‘ Rechnung geht nicht auf. witsch findet sogar einen neuen Freund, der genauso aussieht wie er – zumindest, wenn er die Haare kurz hat. Knippel kann seine Haare nämlich ganz schnell wo wachsen lassen, wie er will.

Feinde?

Zackenbarsch von vorne

Vielleicht ist Pallas ja ein Zackenbarsch … etwas maulig sehen die Riesenfische ja aus. Aber wie auch bei Pallas mag hier hinter dem unfreundlchen Äußeren ein weicher und netter Kern verborgen sein.

Witsch erzählt Knippel von dem alten Miesepeter Pallas und dass der ihn immer ärgert. Dass Witsch auch Pallas ärgert, nun ja, jeder hat das Recht auf eine eigene Wahrnehmung, oder? Schließlich kommt Pallas angeschossen, als die beiden gemeinsam irgendwo im Meer hocken. Knippel lässt seine Haare schrumpfen, Witsch versteckt sich und guckt ängstlich zu, wie Knippel vor Pallas Bocksprünge macht und diesen zur Weißglut treibt. Pallas schnappt sich schließlich Knippel und schleppt ihn in seine Höhle, Witsch auf den Fersen.

In der Höhle beginnen die beiden Kobolde ein Verwirrspiel, dass den alten Fisch an den Rand der Verzweiflung bringt. Sie ärgern ihn, bis er heult. Und da kommt endlich einmal durch, dass er einfach ein alter, müder Fisch ist – der gerne wild und grausam wäre. Er will, dass sich andere vor ihm fürchten – und da merken auch die beiden Tunichtgute, was mit Pallas los ist. Sie streicheln den armen und versprechen ihm, sich in Zukunft ganz entsetzlich vor ihm zu gruseln.

Krebs in Fischschuppen

Der arme Pallas ist ein typischer Krebs: harte Schale, weicher Kern. Ja, er ist durchaus ein Miesepeter. Ja, er hat im Leben wohl nicht so gut gelernt, wie man einfach mal Spaß hat. Und ja, er kann nicht aus seiner Haut und dieser Meerkobold gehört ja nun auch nicht zu den empathischsten Personen auf der Weltkugel. Und so ein Krebs lässt halt nix raus. Der schreit nicht „Himmelnochmal, ich brauch‘ mal jemand, der sich vor mir fürchtet!!!“ In Pallas‘ Fall ist es wahrscheinlich sogar so schlimm, dass er das nicht mal merkt – weil er seinen Panzer auch noch von innen verstärkt hat. Da müssen erst Knippel und Witsch mit ihrem Verwirrspiel kommen, dass sich mal ein Riss in dem Panzer bildet und der arme, alte Fisch einen Blick auf sein Inneres erlauben kann.

Krebse sind nicht einfach, wie man am Beispiel Pallas sieht. Und wenn sie vielleicht noch die ein oder andere blöde Erfahrung gemacht haben, verstärken sie die Schale von innen und außen. Manchmal hilft ein ordentlicher Bums – aber meistens sollte man vorher schon mal darüber nachdenken, was eigentlich mit dem armen Krebs los ist: Weicher Kern, remember? Geht einfach davon aus, dass so ein Hartschalengeselle innen drin sensibel und möglicherweise bedürftig ist, dann findet ihr schon die richtigen Worte …

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Kobold Witsch
Autor Marion Raasch
Seiten 125
Ausstattung Hardcover
Verlag Ensslin & Laiblin Verlag
Jahr 1974

Das Buch ist nur noch antiquarisch erhältlich.


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Foto: © minds-eye/flickr – CC BY-SA 2.0

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