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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Dominic Flandry – Spion der Erde

Sonnenaufgang über der Erde, fotografiert aus dem Spce Shuttle. Foto: NASA

So könnte es auch für Dominic Flandry aussehen, wenn er nach erfolgter Mission wieder Terra ansteuert: Die Sonne geht über der Erde auf, fotografiert aus einem Space Shuttle.

James Bond im All: Das ist Dominic Flandry. Witzig, charmant, liebenswürdig, verführerisch – aber auch eiskalt, berechnend und gewieft. Wie ein echter Löwe eben. Berechnung und Kälte sind als Spion des jeweiligen Imperialen Herrschers wohl notwendig. Als Charmeur und liebenswürdiger Plauderer legt er jede Frau flach, die nicht bei „drei“ auf den Bäumen ist. Ansonsten rettet er natürlich die ganze Zeit das Imperium mit seinen zig Millionen Sonnen und Planeten davor, von den feindlichen Merseianern platt gemacht zu werden. Ein klassischer Held also …

Der Agent seiner Majestät hält viel von sich. Er weiß, dass er einer der besten ist. Er hat eine Sonderstellung, im Laufe der Storys ist er dem Imperator direkt unterstellt. Und er schaut mit Verachtung auf die dekadente Gesellschaft Terras (der Erde). Er ist quasi der „König der Agenten“.

Dandy im All

Flandrys Aussehen wird beschrieben als „hellhäutiges Gesicht mit hohen Wangenknochen und gerader Nase, feingeschnittene Lippen, einem festen Kinn, glatten braunen Haaren und adrettem Schnurrbart“. Er zieht sich extravagant an, immer nach der neuesten Mode.  Aber im Gegensatz zu den verweichlichten Terranern, die von vorne bis hinten schönheitsoperiert sind, hält Flandry sich mit Sport fit. Er hat nur sein Gesicht einer Operation unterzogen, der Rest seines Körpers ist „echt“. Und diesen schönen Körper finden natürlich alle Frauen toll!

Im Laufe der sechs Geschichten, die in dem Band enthalten sind, altert er ein bisschen – er bekommt graue Haare an den Schläfen. Ansonsten ändert sich nichts. Um Laufe der Zeit geht es immer um dasselbe: Eine Mission, schöne Frauen, sein Dauersupergegner Aycharaych. Und dass er eigentlich die ganze Zeit Zigaretten raucht wie ein Schlot und sich Hochprozentiges hinter die Binde kippt. Alles natürlich auf eine kultivierte Weise, denn der Spion liebt die schönen und leckeren Dinge. Man könnte fast meinen, er sei Stier im Aszendenten …

Ehrlich oder eiskalt?

Was ihn von James Bond (ein wenig) unterscheidet, ist, dass Dominic Flandry so etwas wie eine Moral hat. Er macht sich Sorgen um die Menschheit, um den wahrscheinlichen Zusammenbruch des Imperiums. Er kauft Sklavenmädchen (und benutzt sie auch). Aber weil er so ein Charmeur ist, mögen sie ihn und hinterher lässt er sie frei. Auch seinem Erzfeind Aycharaych begegnet er achtungsvoll – beide erkennen ineinander verwandte Seelen, die traurig darüber sind, dass sie Feinde sind. Das hält sie allerdings nicht ab, einander an die Gurgel zu gehen, wann immer es möglich ist. Man weiß nicht so recht, ob man das als Leser toll finden soll oder ob man nicht denkt „was ein Schnösel, macht er doch alles zu seinem eigenen Vorteil“.

Wer sich nicht über das Dauergerauche und den ganzen (übrigens nicht weiter beschriebenen) Sex aufregt, kann mit dem Wälzer einige vergnügliche Stunden haben. Es gibt ein paar richtig nette Planetenideen, Außerirdische und durchaus ernste Gedanken darüber, was aus einem Imperium wird, dass sich so langsam überlebt. Und für alle Nichtlöwen einen hübschen Einblick in die Natur eines selbstverliebten Mannes mit einem ausreichend großen Ego, um darin noch Platz für ein paar andere Dinge zu lassen.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Dominic Flandry – Spion der Erde.
Sechs Abenteuer in einem Band
Autor Poul Anderson
Seiten 718
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Bastei Lübbe
Jahr 1990

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Foto: © NASA/courtesy of nasaimages.org

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