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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Lukas Kümmel Zauberkünstler oder Indianerhäuptling

Lukas Kümmel, von seinen Klassenkameraden „Kümmel-Luki“ genannt, hat große Pläne: Er will ein großer Zauberkünstler werden und außerdem Indianerhäuptling. Doch der Weg dorthin ist hart und steinig für einen Zweitklässler, der nicht eben der Schlaueste ist (genaugenommen ist er,  Zitat, „der zweitdümmste“) und von niemandem ernst genommen wird. Doch Autor Janosch hat ein wahres Löwenherz in den schmächtigen Körper gepflanzt, das Luki zwar manchmal zu einem kleinen Angeber werden lässt, ihm aber auch großen Mut verleiht und ihn niemals aufgeben lässt.

Während der Schule träumt Lukas von Menschenmengen, die begeistert seine Zauberkünste bejubeln und seinem Indianerstamm, der ihm im Wilden Westen treu in jeden Kampf folgt. Die Realität sieht leider anders aus: Regelmäßig wird er von den Stärkeren verhauen und von den Schlaueren verarscht. Und von beiden Sorten gibt es genug, denn Kümmel-Luki ist nicht einmal ansatzweise gewitzt oder kampftauglich. Er hat Mühe einen Esel zu besteigen und glaubt an alle fantastischen Dinge, von denen er liest und hört – seien es Irrlichter, der geheimnisvolle Wassermann oder Tarnkappen. Leider interessieren ihn solche Dinge brennend und daher geht er einer ganzen Menge solcher Märchen auf den Leim. Zur Belustigung anderer natürlich.

Per aspera ad astra

Doch Lukas ist weder feige noch, wenn man ehrlich ist, sehr bescheiden. Er hat Mut, keine Frage, er zögert keine Sekunde, mit der schönen Prinzessin im Zirkus zu reiten (auf einem Pferd, das sich als bockiger Esel herausstellt) oder sich auf dem Schweinewagen des Nachbarbauern zu verstecken, um nach Stambidul oder Istanbul oder wie das heißt zu kommen (mit dem er allerdings nach scheinbar endloser Fahrt wieder im heimischen Hof landet). In Sachen Tatendrang macht ihm keiner was vor. In Sachen Angeberei aber eben auch nicht. Kaum „pflanzt“ er Löwen, muss er es allen erzählen, und das rechnende Pferd fordert er forsch heraus, versagt aber kläglich. Sein Traum ist der Größte und Stärkste zu sein und Heerscharen an Bewunderern zu haben.

Ein Mann im Anzug hat einen Indianerkopfschmuck und eine Sonnenbrille aufEr ist eben wirklich ein Löwe, nur eben noch nicht ausgewachsen. Auf seinen großen dicken Pfoten übt er die Jagd und fällt dabei gern mal hin. Sein Gebrüll klingt noch eher wie ein Miauen und seinen eigenen Schwanz hält er für einen passable Beute. Kümmel-Luki übt sich noch im Löwe-sein, aber da er das Herz am rechten Fleck hat und keine Scheu davor, im Steppengras zu stolpern, zweifelt der geneigte Leser keine Sekunde daran, dass Lukas Kümmel eines Tages der größte Zauberkünstler und mächtigste Indianerhäuptling von allen wird. Jawohl.

Und tatsächlich: Am Ende sind es zwar nicht die Großen, aber immerhin die Kleinen, die ihm für seine Kühnheit Respekt zollen, einen Einbrecher (in Wahrheit einen Ziegenbock) der Polizei auszuliefern. So hat Lukas schließlich schon mal so ungefähr das erreicht, was er sich am meisten wünscht: eine Bande von Anhängern, mit denen er durch dick und dünn gehen kann.

Auch kleine Löwenherzen schlagen laut

Jeder König der Tiere fängt klein an. Und nicht erst seit den Windsors wissen wir, dass Prinz zu sein kein Zuckerschlecken ist. Es ist verdammt hart, andere davon überzeugen zu müssen, dass man zu Größerem geboren ist. Erst recht, wenn es einem wirklich noch nicht anzusehen ist. Doch ein Löwenherz, dass im Werden begriffen ist, schlägt besonders laut. Und so hört ein kleiner Löwe vielleicht nicht unbedingt die Warnsignale seiner Umgebung, was ihn ab und zu in eine dumme Falle tappen lässt. Doch andersherum beflügelt ihn das Schlagen seines Herzens auch zu übertierischen Taten und verleiht ihm Hartnäckigkeit, Vertrauen, Tapferkeit und den Glauben, dass alles um ihn  herum eines Tages gut wird.

Übrigens: Wer einen kleinen Löwen trifft, sollte sich hüten, ihn einfach zu streicheln. Schließlich ist er ein Raubtier und kein Miezekätzchen, auch wenn seine Kulleraugen noch so niedlich glotzen. Man darf ihn aber auch nicht reizen, denn wenn er sich später als großer Löwe noch an diese Schmach erinnern sollte … au Backe. Dann wird er womöglich tatsächlich irgendwann der herrische großmäulige Angeber, von dem in den Beschreibungen des Tierkreiszeichen immer die Rede ist. Am besten ist, man bewundert seine Hüpfer, ängstigt sich vor seinem Maunzen und fühlt sich von seinem tapsigen und geräuschvollen Schleichen ertappt. Dann dankt es einem die Großkatze mit Großzügigkeit und ganz viel Liebe. Ganz vielleicht darf man sie während der Zeit des Heranwachsens ein klein bisschen necken. Aber nur ein bisschen.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Lukas Kümmel Zauberkünstler oder Indianerhäuptling
Autor Janosch
Seiten 91
Ausstattung Taschenbuch
Verlag dtv junior
Jahr 1976 (Erstausgabe 1968)

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Foto: © whatleydude/flickr – Creative Commons License

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