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Nur Drachen leben länger

Prinzessin Gloria ist eine enorm hübsche Prinzessin. So wie Prinzessinnen halt sind – vor allen Dingen in den Zwanzig-Märchen-Königreichen. Sie selbst stammt aus dem Königreich Medulla, hat noch neun Schwestern (wahrscheinlich alle auch sehr hübsch) und ist unsterblich in Sir Terry verknallt. Glücklicherweise ist Sir Terry auch unsterblich in die schöne Gloria verknallt, sonst hätte das Edelfräulein sich was überlegen müssen … Leider können die beiden nicht mal einfach so zusammen kommen, heiraten und bis ans Ende aller Tage scharf aufeinander sein – obwohl es das ist, was sie unbedingt wollen. Und so macht Prinzessin Gloria einen Plan nach dem anderen, um die Bedingungen dafür zu schaffen, dass die Welt sich so dreht, wie sie es wünscht.

Toter Drache – falsches Königreich

Zunächst tötet Terry einen Drachen. Schließlich ist es guter Brauch, dass derjenige, der den Drachen tötet, die Prinzessin und das halbe Königreich erhält. Leider hat der arme Ritter nicht mitbekommen, dass sich die Grenzen verschoben haben und er mit seiner Heldentat die falsche Prinzessin erwischt hat. Gerade so eben kann er Prinzessin und Königreich auf seinen Knappen abwälzen, den er kurzerhand als Ritter ausgibt. Und seine geliebte Gloria lässt ihre Beziehungen spielen, dass der Knappe auch gleich im Adelsregister steht, bei einigen Turnieren mitgemacht hat und so fort.

Unglücklicherweise sind Glorias Eltern der Ansicht, dass sie doch endlich heiraten solle. Bisher konnte die pfiffige Adlige den Familienanwalt immer so bestechen, dass er dafür sorgt, dass es mit der Verlobung nichts werden konnte. Kein Arrangement klappte – aber mit der Nachricht, ein toller Ritter habe den Drachen im Nachbarreich erlegt, dachte sich  der Anwalt, dass Terry nun aus dem Rennen sei – und stimmte der Verlobung mit einem reichen Jüngling namens Roland zu. Gloria war not amused! Und so wetzt sie die Krallen und fletscht die Zähne – natürlich ganz prinzessinnenhaft und äußerlich anständig. Denn: Prinzessin Gloria ist ein Löwe. Ein leidenschaftlicher Löwe (was vor allen Dingen Terry feststellen darf, wenn sie ihm heiße und heißere Küsse gibt), der seinen Weg gehen will und auch durchsetzt.

Eine Entführung mit Hindernissen

Prinzessin Gloria liebt enge Kleider und Stilettos, kann reiten und ihre Sticknadeln auch mal zur Befreiung aus einem Sack verwenden. Und sie ist mindestens so hübsch wie Prinzessin Helene Luise von Mecklenburg-Schwerin. Ob Gloria das Hochzeitskleid von Helene auch schön gefunden hätte, wer weiß …

Flugs macht sich unsere blonde Königstochter auf in den weiteren Kampf um die Ehe mit Sir Terry. Sie beauftragt den Anwalt, die Hochzeit hinauszuzögern und plant ihre eigene Entführung. Sir Terry soll sie schlussendlich retten, denn, wer die Prinzessin rettet, darf sie auch zur Frau nehmen. Schlau wie sie ist, besticht Gloria Zeugen, macht gemeinsame Sache mit einem alternden Adligen und wird in eine Gegend „entführt“, in der garantiert keiner sucht.

Leider ahnt niemand, dass sich auch der frischgebackene Verlobte Glorias auf die Suche machen will. Er hat zwar keine Ahnung, wie die Prinzessin aussieht und heiratet sie auch nur, weil seine Familie das will – aber er besitzt ein Ehrgefühl. Kämpfen kann er auch nicht und so dient sich Sir Terry, statt einfach zur Rettung zu eilen, dem Verlobten als Begleitung an. Damit erfährt der Plan eine erste Änderung, dass nämlich Terry zusehen muss, wie er es schafft, dass er vor Roland die Prinzessin rettet und ihm keinesfalls den Vortritt lässt.

Weitere Unwägbarkeiten treten auf, als Gloria wirklich entführt wird, sich als die falsche Entführte herausstellt, während das eigentliche Entführungsopfer Terry und dem Verlobten begegnet etc. In der gesamten Zeit verliert Gloria nicht ihren Glauben daran, dass Terry sie retten wird und dass alles ein gutes Ende nehmen wird und sie und ihr Liebster sich schlussendlich knutschend in den Armen liegen werden.

Was Gloria nämlich neben ihrem Charme und ihrer Leidenschaft auszeichnet, ist, dass sie keinesfalls ein engstirniger dogmatischer Löwe ist. Klar, sie will ihren Willen haben. Sie will ihren Terry heiraten und glücklich sein. Sie verfügt auch über des Löwen eigenes Selbstvertrauen, und zwar, bis es kracht. Aber es haut sie nicht vom Hocker, wenn sich die Pläne ändern oder andere anderer Ansicht sind. Dann versucht sie eben anders zu ihrem Ziel zu kommen bzw. wägt die Argumente ab. Sie verfügt über die Gabe, sich neuen Verhältnissen anzupassen, ohne jedoch dogmatisch und stur an ihren Vorstellungen festzuhalten. Das macht sie auch zu einer guten Gefährtin in schwierigen Lebenslagen.

Löwe ohne Starrsinn

Eine Löwin, die ihren Plan trotz aller Widrigkeiten verfolgt, weil sie sich leidenschaftlich für eine Sache engagiert. Davon können wir alle uns ein Stückchen abgucken. Wir können aber auch lernen, dass eine Planänderung und andere Meinungen keinen Weltuntergang bedeuten, sondern einfach zum Leben dazugehören. Es geht nicht immer den Gang, den wir uns vorstellen. Dann mit aller Macht daran festhalten zu wollen, macht wenig Sinn und viel Mühe. Lernen wir also von Prinzessin Gloria, dass ein Plan super ist, es aber auch super ist, zu unterscheiden zwischen dogmatisch an all seinen Ideen festzuhalten und einem flexiblen Verhalten, um sein Ziel zu erreichen.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Nur Drachen leben länger
Autor John Moore
Seiten 317
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Piper
Jahr 2009

 


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Fotos: © Gaston Camillo Lenthe (Gemälde)/Wikimedia Commons

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