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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Wonder

August steht regelmäßig im Mittelpunkt. Wo immer er auftaucht, lenkt er die Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich. In seiner Familie ist er meist das Gesprächsthema und auch in der Öffentlichkeit spricht ziemlich schnell jeder über ihn. Echt Löwe, könnte man meinen. Doch im Gegensatz zum regulären Löwen, der das Scheinwerferlicht meist auf sich selber richtet, ist August diese Aufmerksamkeit gar nicht recht. Denn sie resultiert nicht aus Bewunderung oder Freude, sondern aus Mitleid und Entsetzen.

Das Problem ist: August sieht nun einmal nicht aus wie andere Kinder. Seit seiner Geburt ist sein Gesicht entstellt. Seine Augen befinden sich viel weiter unten als in anderen Gesichtern üblich, sein Mund ist klein und seine Nase überproportional groß. Ein Kinn hat er fast gar nicht, dafür schiefe Oberzähne in einem zu großen Kiefer und so weiter und so fort. Kurz gesagt lässt es sich nicht vermeiden, dass jeder ihn bemerkt und seinen Blick nicht mehr abwenden kann.

Das macht das Familienleben nicht gerade einfach. Zum einen für seine Eltern, die fortwährend um sein Wohl besorgt sind, aber auch für seine Schwester, die die Blicke der anderen kaum erträgt und ihn verteidigt, wo es nur geht. Dadurch führt letztendlich niemand ein normales Leben, doch es ist für August selbstverständlich am schwersten.

Das Lamm vor der Schlachtbank

Und nun, im Alter von zehn Jahren, soll er zum ersten Mal in eine öffentliche Schule. Für den Unterricht zu Hause fehlen Mum und Dad allmählich die Kapazitäten. Ein Junge wie er in einem Nest voller vorpubertierender Fast-Teenies. Augusts Vater beschreibt den Gang seines Sohnes zur High School nicht ganz zu Unrecht als „ein Lamm zur Schlachtbank führen“. Denn es wird wirklich schlimm – die ganze Schule redet über ihn, nicht nur die Schüler, sondern auch Lehrer und Eltern. Die einen haben Mitleid, die nächsten halten ihn für schwerbehindert und damit pflegebedürftig, viele Schüler bestaunen ihn, weil sie ein Gesicht wie seines einfach nicht kennen und andere machen sich über ihn lustig und tun ihm weh. Es ist ein einziger Spießrutenlauf.

Zum Glück gibt es auch die anderen – die Netten. So findet August bald Freunde in der Schule, die ihn stärken und den anderen beweisen, dass der komisch aussehende Typ kein Schwachmat ist. Mit ihnen an seiner Seite beweist August seiner Familie und sich selbst, dass er das Leben außerhalb der schützenden vier Wände seines Zuhauses meistern kann. Auch wenn es wohl nie leicht für ihn werden wird.

Unfreiwillig im Scheinwerferlicht

Der gemeine Löwe, so wie wir das Sternzeichen kennen, ist eine Rampensau. Wann immer es geht, macht er auf sich aufmerksam mit dem steten Ziel, im Mittelpunkt zu stehen. Er liebt es, das Sagen zu haben, der Anführer zu sein. Manche Sternzeichen-Interpreten behaupten, er gestalte auch sein Äußeres dementsprechend – auffällig, sehenswert. August ist anders. Er hasst es, wenn alle ihn ansehen, wenn alle über ihn reden – hinter vorgehaltener Hand selbstverständlich. Er hasst es, überall Gesprächsthema zu sein und er hasst es, dass auch seine Familie und seine Freunde dadurch Gesprächsthema sind.

Nichtsdestotrotz kann er nichts daran ändern. Das ist ihm bewusst und er hat sich auch einigermaßen damit arrangiert. Das Löwe-Sein liegt ihm also eigentlich nicht … Dennoch ist er einer – wenngleich unfreiwillig. Aber auch wenn August nicht will, muss er die Eigenschaften eines Löwen annehmen. So lernt er, damit umzugehen, der Blickfang zu sein. Er rechnet damit, dass jeder ihn in Erinnerung behält, der ihn einmal gesehen hat. Und er weiß, dass es immer so bleiben wird.

Oder doch ein richtiger Löwe?

Das Gute ist – ein paar Löwe-typische Eigenschaften besitz er doch! Zwar ist er keine Rampensau, aber dafür klug, charmant und unglaublich witzig. Seine Freunde, die sich zu Beginn aus reinem Mitleid an seinen Tisch setzen, werden wahre Fans dieses Jungen – sie lassen sich von seiner Intelligenz und seinem Charakter mitreißen. Und so geht es im Laufe der Zeit an der Schule immer mehr Menschen, einschließlich der Schulleitung.

Vielleicht ist August daher ein 50/50-Löwe. Einer, der die Löwe-Eigenschaften zum Teil selbst ausgebildet hat und zum Teil in diese gedrängt wurde. Aber Löwe ist Löwe, oder? Und brüllen kann August auch ganz gut. Auch wenn er seine Wutausbrüche, die ihn ab und zu zu Hause heimsuchen, immer besser in den Griff bekommt.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Wonder
Autor R. J. Palacio
Seiten 313
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Random House children’s publisher (engl. Ausgabe)
Jahr 2012

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