chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Das Elfenportal

Herbie Brennan lässt Pyrgus Malvae gleich in einer charakteristischen Situation das erste Mal auftreten: Er ist auf der Flucht. Es ist zwar noch nicht ganz sicher, aber der Junge nimmt an, dass er verfolgt wird (was stimmt!). Er nimmt an, dass er verfolgt wird, weil er den Phoenix einer hochgestellten Person befreit hat. Dass dieser Lord einer der größten Widersacher seines Vaters ist und dass diese Tat politisch gesehen totaler Schwachsinn ist, kümmert ihn nicht.

Zu Erklärung: Pyrgus Malvae ist der Kronprinz des Elfenreichs und als solcher kann er nicht einfach tun, was er will. Er ist, ob er will oder nicht, Teil des politischen Systems. Sein Vater versucht gerade, einen Frieden mit Lord Hairstreak auszuhandeln, der dazu beitragen soll, dass sich Licht- und Nachtelfen nicht mehr bekämpfen. Und dass seine Phönix-Aktion der Gegenseite in die Hände spielt, das ist Pyrgus egal.

Ein jugendlicher Dickkopf

Der Teenager ist wie alle Teenager: eher rebellisch, er will sich von seinem Vater abnabeln (die Mutter ist vor längerer Zeit gestorben), er hat das Gefühl, doch zu wissen, worauf es ankommt und er braucht kein Kindermädchen mehr, herzlichen Dank auch …

Und so zieht er einfach aus, in eine schäbige Butze, und versucht, alleine zurechtzukommen. Er will seine eigenen Erfahrungen machen, seine Neugier auf’s Leben austoben. Er arbeitet, verdient Geld und beschäftigt sich damit, was ihm wichtig ist, was ihn interessiert. Von seinem Lohn kauft er sich ein sündhaft teures Messer. Er zieht los und bricht in Lord Hairstreaks Anwesen ein, um den Phoenix zu retten. Auf der Flucht rennt er in die Leimfabrik und rettet dort auch noch eine Katzenmutter samt Jungen davor, als Geheimzutat im Leim versenkt zu werden. Und dann holt ihn seine Herkunft ein …

Er wird zu einem Dämonenbeschwörer gebracht, der kurz zuvor mit dem Dämonenprinzen ausgehandelt hat, Pyrgus zu opfern. Denn die Gegenseite paktiert mit den Dämonen und hat vereinbart, dass nicht nur der Kaiser, sondern auch sein ältester Sohn ermordet werden sollen. Glücklicherweise wird er in allerletzter Sekunde gerettet.

Keine Zeit fürs Denken

Pyrgus ist ein junger Schütze und im Laufe seines Romanlebens wird er glücklichweise etwas entspannter, was sein Handeln angeht. Trotzdem: Er ist impulsiv und bedenkt selten, welche Folgen sein Handeln haben könnte. Auch als sein Vater ihn nach der Vogel-Eskapade und der Rettung vor dem Dämonenbschwörer zu seiner eigenen Sicherheit in die Gegenwelt (unsere Erde) sendet, geht es so weiter. Das Portal für den Übergang zwischen den Welten wurde manipuliert und Pyrgus landet nicht da, wo er hinsollte. Aber er trifft Leute, die ihm helfen, wieder zurückzukommen. Aber sie müssen erst ein Portal bauen und Pyrgus, der Heißsporn, wartet nicht auf die Feinjustierung oder darauf, dass seine neuen Freunde ihn begleiten können. Nein, stürzt er sich gleich in das Portal. Prompt landet er in Hael, der Dimension der Dämonen.

Und so geht es immer wieder: Pyrgus hat eine Idee und die muss gleich umgesetzt werden. Gleichzeitig will er kein Prinz sein, kein Kaiser und kein Herrscher. Er steht gerade auf eine hübsche Nachtelfin? Ok, dann gleich zum Rendezvous. Er will einen Privatflieger haben, also werden alle mal eben malträtiert – da kommt das Kleinkind durch.

Ab und zu mal ein Schuss vor den Bug

Typisch Schütze also! Typisch deswegen, weil er auf der einen Seite offen und nett und neugierig und freundlich und hilfsbereit ist. Er hat wenige Vorurteile und will gern viele Dinge erleben, egal, ob das eine neue Bar ist oder ein neues Land. Er setzt sich voller Engagement zum Beispiel für die Tiere ein, gleichzeitig will er unabhängig leben etc.

Auf der anderen Seite lässt er sich keine Zeit, vorher darüber nachzudenken, was er da tut. Am besten zeigt sich das in einem späteren Band der Reihe, in dem er unbedingt den Befehl über einen Trupp übernehmen will, schließlich ist er ja der Prinz (in dem Moment ist keine Rede von Unabhängigkeit oder so). Und dann muss er mittendrin feststellen, dass er absolut keine Peilung hat. Dass man vielleicht besser eine Strategie haben sollte, wenn man etwas erreichen will. Strategie kriegt man aber nur durch Planung oder zumindest durch eine gewisse Erfahrung. Beides fehlt.

Hätte er hier vorher nachgedacht, nicht seiner Spontaneität nachgegeben und seinem Tatendrang gefrönt, wäre er vielleicht darauf gekommen, dass er sich besser erst mal hinsetzt, nachdenkt, einen Plan macht und vielleicht sogar erfahrene Leute um Rat fragt. das ist weder ehrenrührig noch peinlich. Im Gegenteil: Pyrgus stürzt sich blindlings in eine Situation und gefährdet mit seiner ganzen Aktion auch noch die ihm unterstellten Menschen. Und zwar so stark, dass sie wahrscheinlich alle gestorben wären, wenn nicht eine Frau aus dem Trupp das Kommando übernommen hätte.

Glücklicherweise ist Pyrgus lernfähig und so entwickelt er sich vom enormen jugendlichen Ungestüm hin zu einem immer noch neugierigen und unkonventionellen Mann, der aber auch anders kann – wenn es die Situation erfordert. Hilfreich ist in diesem Fall seine Freundin und spätere Frau, die ein gutes Gegenstück zu dem Prinzen ist. Und das ist, denke ich gut für jeden Schützen: Eine Person, die die impulsiven Menschen mit Verständnis und Liebe immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen holt. Ein Mensch, der dem Schützen bei aller Freundschaft und Liebe aber auch mal ganz deutlich sagt, welche Folgen sein überstürztes Handeln hat. Nur sollten Schützefreunde das nicht als staubtrockener Korinthenkacker rüberbringen, sondern mit Humor und liebevollem Spiegelvorhalten, das können Schützen nämlich ab.

 

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Das Elfenportal
Autor Herbie Brennan
Seiten 403
Ausstattung Taschenbuch
Verlag dtv junior extra
Jahr 2008

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