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Flussfahrt mit Huhn

Robert will es wissen: gibt es die Nord-Ost-Passage, die unbekannte Passage zum Meer wirklich? Der Junge im besten Abenteureralter hat selbstverständlich kein Interesse daran, irgendwen zu fragen oder in Büchern nachzulesen. Nein, er möchte es selbst sehen. Und so schart er ein paar Freude um sich und gründet spontan die Piratenbande „Der blaue Punkt“, mit der er in See stechen möchte. Nicht ganz geplant ist die Teilnahme seiner lästigen, aber äußerst neugierigen Cousine Johanna. Doch da sie nach ein paar Nachforschungen bereits alles über die Unternehmung herausgefunden hat, bleibt dem“ blauen Punkt“ nichts anderes übrig, als sie auf- und mitzunehmen. Aber da ist ihnen immer noch Opa auf den Fersen …

Wie alles begann …

Johanna verbringt die Ferien bei ihrem Cousin und ihrem Opa. Dadurch, dass Robert sie nicht besonders leiden kann, sind die Ferien jedoch reichlich unspaßig. das ändert sich als sie ihn und seine Freunde dabei belauscht, wie sie etwas offensichtlich Verbotenes planen. Nach einer Reihe klitzekleiner Nachforschungen weiß sie Bescheid: Robert und seine Bande namens „Der blaue Punkt“ wollen die bisher unbekannte Nord-Ost-Passage zum Meer finden. Prompt stellt sie die Jungs zur Rede und erklärt sich mehr als bereit, mitzukommen. Da ihnen nichts anderes übrig bleibt, nehmen sie Johanna in ihre Bande auf.

Der Plan lautet wie folgt: die unheimlich erfahrenden Flusspiraten klauen Opas Boot „Rosa Nord“ und ein kleines Schlauchboot. In die „Rosa Nord“ kommen sie selbst, das Schlauchboot wird mit Vorräten gefüllt und per Seil mit dem Hauptboot verbunden. Um jedes weitere Risiko, dass so eine Expedition mit sich bringt, zu vermeiden, entführen sie auch noch Gonzo, Opas beste Legehenne. Denn wie jeder weiß, hat der Klabautermann große Angst vor Hühnern und mit Gonzo an Bord kann den jungen Abenteurern nichts mehr passieren.

Mitten in der Nacht fahren sie los. Erstmal unbemerkt. Doch es dauert natürlich nicht lange, bis dem Großvater auffällt, dass ihm zwei Kinder, zwei Boote und ein Huhn abhanden gekommen sind. Da er seinen Enkel ganz gut kennt, ahnt er Schlimmes. Noch blöder ist seine Situation, weil er die Aufsichtspflicht über die Kids hat und deren Eltern sie gut behütet in den Ferien wähnen. So macht sich Opa kurzentschlossen daran, die Ausreißer wieder einzufangen.

Eine Flussfahrt, die ist lustig …

Es beginnt eine Verfolgungsjagd, wie sie schöner nicht sein könnte: die Halbstarken tuckern voran, der Opa rudert wie wild hinterher. Er ist zwar nicht doof und dem „blauen Punkt“ immer dicht auf den Fersen, aber jedesmal, wenn er sie zu erwischen droht, gelingt der Bande in letzter Sekunde die Flucht. Allerdings haben die Süßwasserpiraten auch ein paar herbe Verluste zu erleiden: bei einem Fangversucht des Opas schnappt er ihnen das Beiboot mit den Vorräten weg. Und als sie sich bei anderer Gelegenheit verstecken wollen, geraten sie doch glatt in Gefangenschaft eines zwielichtigen Typen. Opa hingegen hat nicht nur damit zu tun, ihre Spur zu verfolgen, sondern muss parallel die jeweiligen Eltern am Telefon beruhigen, indem er ihnen irgendwelche wahnwitzigen Geschichten über einen gemeinsamen Ausflug erzählt. Dass die Eltern keinen Verdacht schöpfen, wenn sie ihre Kinder nie persönlich sprechen dürfen, kostet den alten Mann eine Menge dicker Lügen.

Am Ende, ja am Ende ist alles wieder gut. Die Familien sind vereint, der Opa mit den Kindern wieder versöhnt und die Eltern wissen von nichts. Doch zwischendurch – als sie hungrig und frierend über den Fluss schippern und nicht wissen, wo sie schlafen sollen oder als sie von diesem seltsamen Kerl in ein Kellerverlies gesperrt wurden und ohne Essen und Trinken ausharren müssen –  fragt sich der Anführer und Kopf der Bande Robert, was zum Teufel er da angerichtet hat. Und wie er das den anderen nur antun konnte.

Sie ziehen es durch, no matter what …

So ist der Schütze. Nachdenken tut er meist erst, wenn es zu spät ist. Zwar ist er nicht auf den Kopf gefallen. Aber seine Abenteuerlust bringt den Schützen doch oft in Situationen, die er sich vorher nicht hätte ausmalen können. Typisch für dieses Sternzeichen ist auch der „Blaue Punkt“. Denn in der Anfangsphase macht es unheimlich Spaß, auf das Pferd des Schützen aufzuspringen und seine Pläne mitzumachen. So gewinnt Robert für sein Unterfangen nicht nur seine Freunde, sondern auch seine Cousine, die er nicht mal überzeugen wollte.

Normalerweise hat so ein klassischer Schütze nicht nur ein Eisen im Feuer. Oft haben wir erlebt, wie der Wildfang mehrere Baustellen gleichzeitig bearbeitet und am Ende nicht mehr weiß, was er wo angefangen hat. Wir können fast von Glück reden, dass Robert nur diesen einen Plan verfolgt. Allerdings legt er dabei den für Schützen unvermeidbaren Starrsinn an den Tag: Egal, was alles dagegen spricht, die Nord-Ost-Passage muss gefunden werden. Mit dieser Hartnäckigkeit bringt er nicht nur sich selbst, sondern die ganze Clique in Schwierigkeiten, Unannehmlichkeiten und am Ende sogar in Gefahr.

Also liebe Schützen, was soll man euch da noch mit auf den Weg geben? Vielleicht einfach: lasst doch mal gut sein. Wenn ihr ein Projekt nicht schafft, geht die Welt wahrscheinlich nicht gleich unter. Und wenn doch und das Vorhaben eine absolute Herzensangelegenheit von euch darstellt, dann lasst es trotzdem einen Augenblick ruhen. Bringt alles um euch herum wieder halbwegs in Ordnung und startet danach einen zweiten Versuch. Aber diesmal mit etwas Besonnenheit bitte.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Flussfahrt mit Huhn
Autor Arend Agthe, Monika Seck-Agthe
Seiten 192
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Rowohlt
Jahr 1989

 


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