chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Taran

Taran von Caer Dallben ist ein Junge ohne Herkunft. Keiner weiß, wer seine Eltern waren. Als kleines Kind wurde er von dem Zauberer Dallben gefunden und in Obhut genommen. Der Junge ist ein aufgeweckter Kerl und als pubertierender Jüngling reicht ihm der Hof, auf dem er mit Dallben und Coll (einer Art Faktotum) lebt, nicht mehr aus.

Hufeisen schmieden, pah, Schwerter will er aus dem Eisen formen und heldenhafte Taten vollbringen. Wild und spontan draufloshämmernd will er es Coll zeigen, er, der Junge, kann schon prima mit dem heißen Metall umgehen. Klar geht das schief: Das Metall ist verbogen, von einem Schwert keine Spur zu sehen. Seine Ungeduld, sein ungerichtetes Wollen, typisch pubertär. Aber auch wenn er zerknirscht ist über sein Tun, noch ist diese Einsicht nicht nachhaltig. Kaum geht das eine schief, hat er schon die nächste – unausgegorene – Idee, die er sofort umsetzen will. 

Hilfsschweinehirt statt Held?

Ja, Taran will große Taten vollbringen. Er will jemand sein. Will heldenhaft die Welt retten – ohne Ahnung von der Welt zu haben. Als Coll ihm gutmütig spottend den Titel eines Hilfsschweinehirten verleiht, ist er frustrierter denn je. Obwohl die Sau, die er hütet, ein prophetisches Zauberschwein ist. Nein, am liebsten will er sein wie Fürst Gwydion, der große Stratege und Kriegsherr. So wie er will er sein, in strahlender Rüstung, hoch aufgereckt und was sich der Junge sonst noch alles in seiner Fantasie ausmalt.

Schaukampf zweier junger Leute mit Fechtmaske

Taran will ritterliche Abenteuer erleben. Aber: Kämpfen muss gelernt sein – und im Mittelalter hatte nicht jeder das Geld für eine Rüstung mit Schutz. Außerdem wiegt so eine Rüstung echt viel!

Als sich böse Mächte regen und das Schwein (Hen Wen genannt) ausbüxt, stürzt Taran der Sau planlos hinterher. Hauptsache, wieder fangen. Spontan gedacht, sofort umgesetzt. Kein Gedanke daran, dass ihm sein Mentor Dallben das Verlassen des Hofes untersagt hat, weil es zu gefährlich ist. Egal. Taran hat einen Plan. Und der muss jetzt sofort umgesetzt werden. Kaum gedacht, kreuzt schon die Gefahr in Form des bösen Gehörnten Königs auf, reitet ihn fast nieder und einer seiner Mannen brät Taran noch eins mit dem Schwert über, bevor der Junge sich in den Wald flüchten kann. Es regt sich eine erste Ahnung in ihm, dass Abenteuer weh tun könnten und dass zum Abenteuer auch gehören kann, ohne Verpflegung auf einem harten Boden nächtigen zu müssen.

Das Bild des Helden

Morgens stellt er fest, dass er Gesellschaft hat: Fürst Gwydion persönlich hat ihn gefunden und bewacht. Allerdings weiß Taran mit der Kraft seiner Jugend felsenfest, dass dieser Mann nicht der Fürst sein kann: Wo sind die tollen Klamotten? Wo das strahlende Antlitz? Dass ein Held auch aussehen kann, wie ein ganz normaler Wanderer, das muss erst mal in den Schädel Tarans einsickern. In der Zwischenzeit macht er dem Fürsten Vorwürfe, er gäbe sich als jemand anderes aus …

Kaum besinnt er sich, fallen ihm weitere Sachen auf: Aufgrund verschiedener Umstände muss er mit dem Fürsten weiterreisen und kann nicht gleich wieder nach Hause. Denn auch der Fürst sucht das Schwein, es soll ihm etwas prophezeien. Und Gwydion hat so seine Not mit dem Jungen, der glaubt, alles zu können, ohne geübt zu haben – er stellt aber auch fest, dass Taran Mut hat.

In all dem zeigt sich ein junger unausgeformter Schütze, einer, dem es schnell langweilig ist, der unbändige Lust auf Veränderung seines – wie er meint – tristen Hofalltags ist. Taran, der kleine Schütze, ist so ungeduldig, dass die Leute, mit denen er zu tun hat, kaum hinterherkommen können – so schnell feuert er eine Idee nach der anderen heraus. Dazu kommt, dass er Vorstellungen von der Welt hat, die nicht so ganz dem entsprechen, was wirklich los ist. Sie sind aus dem geboren, was er bisher kennen gelernt hat. Etwa, dass Gartenarbeit eines Helden nicht würdig ist. Als der Hilfsschweinehirt lernt, dass Coll ein tapferer Kämpfer ist, der das Schwein Hen Wen aus den Klauen des Bösen befreit hat, kann er sich das zunächst gar nicht vorstellen. Noch dazu, wo Coll doch eine Glatze hat …

Plötzlich Abenteurer …

Und so stolpert Taran von einem Abenteuer in das nächste, zunächst mit Gwydion an seiner Seite. Als beide gefangen werden und sich aus den Augen verlieren, schafft er es, mit Hilfe des Mädchens Eilowyn und des Barden Flewddur Flam zu fliehen. Plötzlich ist er der Leiter einer Mission, schließlich hat Taran sich in den Kopf gesetzt, dass er an Gwydions Stelle (den er tot glaubt) den Königshof davon unterrichten muss, dass die Bösen eine große Streitmacht zusammengezogen haben. Es zeigt sich wieder und wieder, wie schnell Taran mit seinen vorgefassten Meinungen Leute verärgert, ja sogar zu Unrecht verdächtigt. Glücklicherweise wird ihm – vor allem von Eilowyn – immer wieder der Kopf zurechtgerückt. Und nach und nach lernt der Hilfsschweinehirt, dass Mut, große Worte und „Bock auf Neues“ nicht ausreichen, um Abenteuer heil zu überstehen.

Seine Spontaneität und Leichtsinnigkeit, die ja jeden Schützen auszeichnen, sein Wille, etwas anders zu machen, seine Ideen und Pläne, oft gehen sie einfach nur deswegen gut aus, weil Eilowyn, Coll oder sonstwer ihn davor bewahrt, einfach so in ein Gebüsch zu stürmen und sich am Ende den Kopf unheilbar zu donnern.

Glücklicherweise beginnt Taran auch, sich zu entwickeln. Am Ende seines ersten Abenteuers hat er einige seiner Meinungen durchaus überprüft und revidiert. Er hat Erfahrungen gesammelt und sie auch angenommen. Was bleibt, ist seine Impulsivität: Kaum ist er wieder zu Hause und hat sich ausreichend an seiner Heimat erfreut, wird ihm schon wieder langweilig. Aber er kann zumindest schon zu seinem Mentor Dallben gehen und sagen, dass ihm die Welt zu eng erscheint – und nicht einfach rumkrakeelen, dass er ein Held sein will.

Schütze mit Charme

Trotz aller Schwierigkeiten, die die Leute mit seiner impulsiven Art haben: Sie mögen Taran. Auch wenn er ihnen mit seiner Art auf den Senkel geht, die meisten, mit denen er im Laufe seiner Geschichte zu tun hat, blicken hinter das jugendliche Geschrei und sehen einen mutigen, durchaus aufgeweckten, sympathischen Kerl, mit dem etwas anzufangen ist.

Als er etwa irgendwann merkt, dass er in Eilowyn verliebt ist, glaubt er, ihr nicht würdig zu sein. Schließlich ist sie ja von königlichem Geblüt und da passt ein Hilfsschweinehirt nicht zu ihr. Dass es Eilowyn vollkommen wurst ist, was für einen Stammbaum er hat, will er gar nicht wissen. Schließlich – und hier kommt wieder der starrsinnige Schütze durch – weiß er ja am besten, wie die Welt läuft und was die anderen denken. Und so macht er sich auf die Suche nach seinen möglichen Eltern und trifft viele verschiedene Menschen.

Von jedem lernt er etwas, bei jedem stellt er für sich fest, ob das, was diese Person macht, auch für ihn das Richtige ist. Auf diese Weise macht er viele fachliche Erfahrungen. Er lernt aber auch, dass er gut mit Leuten kann. Wie gesagt, die Leute mögen Taran. Es ist etwas an ihm, das ihn sympathisch macht, charmant, wenn auch auf eine spröde Art. Am Ende seiner Reise kehrt er nach Hause zurück. Er hat keine Eltern gefunden, aber viele Freunde fürs Leben und die Erkenntnis, dass alles, was getan wird, seinen Wert hat.

Erst denken, dann rennen

Es braucht eine ganze Weile (quasi die ganzen Bücher hindurch), bis Jungschütze Taran so weit gereift ist, dass er wirklich plant, wirklich auch mal zuhört und anderen Leuten zugesteht, selber denken zu können. Und bis er seine Jetzt-und-sofort-handeln-Wünsche besser kanalisieren und planmäßig vorgehen kann – aber natürlich spontan umentscheiden kann, wenn die Dinge anders laufen, als alle dachten. Und so schafft er es am Ende auch, selber ein Held und sogar König zu werden.

Insofern, liebe Schützen, wenn euer ganzes Umfeld meckert, dass ihr immer so sprunghaft seid: Denkt doch mal darüber nach, ob nicht ein Quäntchen Wahrheit darin sein könnte. Und dann schaut mal, ob ihr euch zumindest immer ein Sekündchen Zeit geben könntet, um euren Plan zu prüfen. Und seid bereit zu lernen, denn schließlich kann euch das nur nach vorne bringen, siehe Taran.

Und alle anderen Sternzeichen dürfen froh sein, wenn sie einen Schützen haben, der in brenzligen Situationen auch spontan reagieren kann!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Taran
Autor Lloyd Alexander
Seiten zusammen ca. 950
Ausstattung 5 Bände im Schuber
Verlag Arena
Jahr 1983

Diese Ausgabe ist nur noch antiquarisch erhältlich.


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Foto: © darkday/flickr (Ausschnitt) – CC BY 2.0

 

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