chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Elfentochter

Frau - Elfe in weißem Kleid auf Pferd. Foto: Sander van der Wel/flickr

Elfen sind schön – und gefährlich. Manchmal weiß man nicht, ob es besser ist, dass es in Wirklichkeit keine gibt. Zumindest denen aus „Elfentochter“ von Holly Black möchte man nicht in echt begegnen …

Egal ob in Tolkiens „Herr der Ringe“ oder in einem der zahllosen Nachfolger: Elfen sind schön. Überirdisch schön. Und ewig alt und meistens auch noch weise. Geheimnisumwittert leben sie neben uns oder in ihrem jeweiligen Elfenreich. Tolkiens Elfen sind intelligent, gute Führer, sich ihrer Stellung bewusst und leiden am Schmerz über vergangene große Zeiten. Bei Tolkien sind sie die Guten und auch viele andere Fantasyautoren beschreiben sie in gleicher Weise. Daneben gibt es Geschichten, in denen sie schön, klug und böse sind. Bei Terry Pratchett etwa oder in Holly Blacks „Elfentochter“.

Hier gibt es die Elfen vom „Seligen Hof“ und die vom „Unseligen Hof“. Letztere wissen, dass sie die Fieslinge sind, aber die anderen sind auch nicht besser, glauben es jedoch. Machtgierig und schön, auf ihren eigenen Vorteil bedacht und mit einer fast hypnotischen Anziehungskraft versehen,  ekelerregend sadistisch und doch betörend – so werden die Königinnen der beiden Höfe beschrieben. Schwestern, die ihre Streitereien nicht im Kinderzimmer gelassen haben, sondern sie als Erwachsene auf dem Rücken ihrer Völker weiter austragen. Perfekte Skorpione also – vor allem im negativen Sinne.

Silarial, Königin am Seligen Hof

Die Königin des Seligen Hofes ist das schönste Wesen, das Kaye jemals gesehen hat. Kaye ist die Hauptperson in „Elfentochter“ – über die vielleicht an anderer Stelle eine Menge geschrieben werden könnte. Erst gegen Ende des Buches trifft sie auf die „Weiße Königin“ und ist schwer beeindruckt: Kaye „vergaß beinahe zu atmen, so schön war sie“, heißt es. Makellose Haut, Haare, die in der Sonne wie Kupfer glänzen, mit Augen, die strahlen wie „grüne Äpfel neben ihr am Baum“. Alles andere erscheint Kaye neben diesem Wunderwesen stumpf, schal, ausdruckslos. Kayes Elfen-Freund Roiben – Austauschgeisel und daher Ritter am Unseligen Hof – begegnet der Elfe mit dem sehnsuchtsvollen Blick eines Hundes, der alles für eine liebevolle Geste der Schönen tun würde.

Doch die Schöne spielt ein Machtspiel, das zu durchschauen nur schwer ist. Die Geisel des Unseligen Hofes, die im Austausch für Roiben an den Seligen Hof gekommen ist, kann sie auf ihre Seite ziehen – denn sie will die Macht über beide Höfe. Dafür opfert sie ihren besten Ritter Roiben, dafür nimmt sie Zwietracht in Kauf, dafür tut sie alles.

Frau - Elfe in schwarz. Foto: StijnSpijker/flickr

… denn in diesem Buch sind sowohl die Guten als auch die Bösen unangenehm, hinterrücks und machtbesessen. Das einzig Positive, was sich über sie sagen lässt, ist ihre Schönheit, Anmut und Anziehungskraft.

Nicnevin, Königin am Unseligen Hof

Der Unselige Hof lebt von Verderbtheit und Laster, hier ist nichts so hell und sommerlich wie bei Silarial. Alles ist düster, die Menschen, die ins Elfenreich kamen, werden als Lustsklaven gebraucht oder als unwertige Diener schikaniert und willenlos in der Gegend herumgeschubst. Aber auch alle kleineren und schwächeren Wesen des Elfenreichs werden so behandelt – ein Leben gilt Nicnevin und ihrem Gefolge nicht viel.

Auch sie ist schön, dichte, weinrote Haare umrahmen ihr Gesicht, helle Haut, saphirblaue Augen. Wenn sie lächelt wird es als hinreißend beschrieben – und ihre Schönheit als eine kalte. Auch sie strebt nach Macht, kalkuliert die besten Chancen und spielt wie ihre Schwester alle gegen alle aus.

Reinrassige Skorpione …

Die beiden Frauen sind schön, intelligent, kommunikationsstark. In modernen Unternehmen wären sie bestimmt willkommene Mitarbeiterinnen. Leider würden sie sich bald um jede höhere Position bewerben und sie aufgrund ihres Machtwillens auch bekommen. Kompromisslos, wie ein guter Skorpion, würden sie ihren Weg gehen. Schön und kalt. Sie würden sich jeder Schwierigkeit stellen, mit dem Ziel, als Sieger aus dem Gefecht hervorzugehen. Auch das würden sie erreichen. Und: Wo gehobelt wird, da fallen Späne, nicht wahr? Mitarbeiter wären im wahrsten Sinne des Wortes Untergebene, Geschäftspartner würden auf dem Spielfeld herumgeschoben wie gerade notwendig.

Glücklicherweise sind die meisten Skorpione keine so unangenehmen Zeitgenossen. Zur Erleichterung aller anderen Sternzeichen sind die meisten eine gute Mischung aus Charisma und Bestimmtheit – also Ausprägungen, die einem das Leben durchaus angenehm machen können (sowohl den Skorpionen als auch denen, die mit ihnen zu tun haben).

Trotzdem: Spielt mal in Gedanken durch, was dabei herauskommt, wenn Sternzeicheneigenschaften zu deutlich gelebt werden. Es schadet daher nicht, sich diese beiden Figuren anzuschauen, um dann zu seinen Skorpionfreunden zu gehen und ihnen mal ein Kompliment zu machen, dass sie doch ganz angenehme Zeitgenossen sind 😉

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Elfentochter
Autor Holly Black
Seiten 319
Ausstattung Taschenbuch
Verlag cbt
Jahr 2003

zurück zum Skorpion
zurück zum Buchhoroskop

Fotos: Frau auf Pferd – © Sander van der Wel/flickr – Creative Commons License
Schwarze Frau – © Stijn Spijker/flickr – Creative Commons License

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: