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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Sophie im Schloss des Zauberers

Zauberer Howl ist gefährlich: Alle Mädchen in Market Chipping werden eindringlichst ermahnt, sich bloß nicht alleine draußen blicken zu lassen. Der Zauberer sei ein kaltblütiger, herzloser Mann, der junge Mädchen sammele und deren Herzen aussauge oder verzehre. Howl ist jung und charmant, sieht gut aus, zieht sich schick an – und das hilft natürlich dabei, junge Mädchen zu verführen.

Sophie Hatter ist ein junges Mädchen, das leider das Pech hat, der (ebenfalls bösen) Hexe der Wüste in die Quere zu kommen. Die verwandelt Sophie in eine 90jährige Frau – und sie macht sich auf den Weg, eine Möglichkeit zu finden, den Zauber wieder loszuwerden. Dabei gerät sie in das Schloss des Zauberers, das über die Hügel über dem Ort fliegt (ja, richtig gelesen, das Schloss fliegt). Sie macht sich als Haushälterin nützlich und lernt unseren Skorpion besser kennen.

Ein Zauberer, der keine Aussagen macht

Als Howl Sophie entdeckt, ist er zunächst nur beeindruckt, dass Sophie mit seinem Feuerdämon Calcifer sprechen kann. Das können nicht viele. Und was Sophie sehr erstaunt, ist, dass er sie nicht einfach hinauswirft. Im Gegenteil: Er macht gar nichts. Und so bleibt sie einfach im Schloss und putzt sich durch alle Zimmer.

Howl dagegen geht seinen Beschäftigungen nach. Er fertigt Zauber für den König und für jeden, der einen braucht. Er hat einen Lehrling (Michael), dem er Aufgaben gibt. Michael ist auf ähnliche Weise wie Sophie bei Howl gelandet – auch er war schon eine ganze Weile da, bis Howl geruhte, ihn überhaupt wahrzunehmen. Und auch Michael wurde nie offiziell eingeladen, zu bleiben.

Howl lässt sich skorpionuntypisch nicht auf Konflikte ein. Als Sophie sein Zimmer putzen will (das vor Staub, Schmutz und Spinnweben starrt), verbietet er ihr das – mit der Bitte, sich doch einfach eine andere Beschäftigung zu suchen, da er es hasst, sich zu streiten. Er will nicht streiten.

Der Verzehrer von Mädchenherzen

Neben seinem normalen Job als Zauberer macht Howl nicht viel. Er hat keine Hobbies oder sonstige Interessen. Außer, ja, außer da ist gerade eine holde Maid, in die er sich verliebt hat. Dann hat er nichts anderes im Kopf als die Auserwählte. Michael und Calcifer erklären Sophie, dass er dann unerträglich ist. Nur schlechte Laune hat. Er schmachtet rum und umwirbt voller Leidenschaft die junge Dame. Er schreibt Liebesbriefe, bringt ihr Ständchen, kauft Blumen etc. All seine Energie steckt er in die zarten Bande, die er hofft, zu knüpfen.

Bevor er losgeht, verschwindet er für Stunden im Badezimmer und peppt sich mit seinen verschiedenen Mittelchen auf. Und dann wirft er sich in einen seiner beiden schicken Anzüge und geht los, das Objekt der Begierde weiter zu becircen.

Das hört sich romantisch an. Ist es auch, und zwar so lange, bis das Mädchen dem Werben nachgibt. Dann nämlich lässt Howl sie fallen wie eine heiße Kartoffel. Schlagartig ist seine Leidenschaft aus und vorbei. Sein Lehrling glaubt, dass Howl sich erst dann ernsthaft verliebt habe, wenn er ohne die ganze Aufbrezelei aus dem Haus stürmt, um ein Mädchen zu treffen.

Der unvollendete Geheimniskrämer

Wenn es um seine Mädchengeschichten geht, ist Howl ein Geheimniskrämer. Nein, es geht niemanden etwas an, wer es diesmal ist. Auch seine Herkunft bleibt lange ein Rätsel. Auf der anderen Seite lässt er Sophie und Michael Dinge für sich erledigen. Als etwa die Gefahr besteht, dass der König ihn zum Hofzauberer ernennt, steckt er Sophie in tolle Klamotten und schickt sie zum König, damit sie ihn schlechtmacht. Er will den Job nämlich nicht haben.

Der grüne Schleim

Skorpione neigen zum Weltschmerz. Und wenn, dann richtig. Eines Tages verschwindet Howl im Badezimmer und färbt sich die Haare (eitel ist er übrigens auch!) – und erwischt ein falsches Pulver. „Verzweiflung!“, schreit er, weil er die Farbe seiner Haare gräßlich und schauderhaft findet. Sophie habe ihn ins Elend gestürzt, lamentiert er. Und dann heult er los wie ein einsamer Wolf, das Licht im Haus wird trübe und er sondert Unmengen grünen Schleims ab, bis er ganz davon bedeckt ist.

In bester Skorpionmanier suhlt sich der Zauberer in seinem Elend, nie, nie wieder wird alles gut, alles ist gräßlich und elendiglich – bis zum nächsten Morgen, an dem Howl die Farbe eigentlich ganz gut findet …

Stachel und Panzer machen das Leben schwer

Howl ist – bis auf seine Konfliktscheu – ein echt typischer Skorpion. Er hat seine liebenswerten Seiten, wie Sophie im Laufe ihrer Zeit im Schloss auch herausfinden kann. Aber das Stachlige und der Panzer, der ihn umgibt, macht es allen schwer, Howl wirklich kennen zu lernen. Er verbirgt seine Motive, lässt alle im Unklaren, was er wirklich will – und verhindert so womöglich, dass eine schnelle Lösung für manches Problem gefunden werden kann.

Ist es ihm dienlich, lüftet er den Schleier allerdings und lässt die anderen an seinen Gedanken teilhaben. Sie als Team einzubeziehen und nach ihrer Meinung zu fragen, das fällt ihm aber trotzdem schwer.

Trotzdem macht es Hoffnung, dass er zumindest grundsätzlich fähig ist, andere an seinen Gedanken teilhaben zu lassen. Schließlich ist ja jeder lernfähig. Insofern, liebe Stacheltiere, könntet auch ihr versuchen, wie es sich anfühlt, eure Freunde in eure Sorgen mit einzubeziehen. Ihr bekommt Hilfe und ihr habt die Chance nicht alleine Schwierigkeiten durchstehen zu müssen. Und was euren Weltschmerz angeht: Hier gilt das gleiche, es ist einfacher, schwierige oder vermeintlich komplizierte Situationen zusammen mit lieben Menschen zu meistern!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Sophie im Schloss des Zauberers
Autor Diana Wynne Jones
Seiten 364
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Carlsen
Jahr 2008

 

Es gibt übrigens auch einen ganz hübschen Zeichentrickfilm, der auf dieser Geschichte basiert: „Das wandelnde Schloss“ von Hayao Miyasaki.


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