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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Königreich zu verkaufen

Vor zwei Jahren ist Annie, seine Frau und die Liebe seines Lebens, gestorben – noch dazu schwanger. Ein Auto hat sie überfahren. Und das kann der erfolgreiche Anwalt Ben Holiday nicht verschmerzen. Seither hat er sich in ein Schneckenhaus zurückgezogen, trainiert verbissen in seinem Fitnessclub, gewinnt einen Prozess nach dem anderen, trifft sich mit niemandem mehr und der einzige, der noch ein wenig an ihn herankommt, ist sein bester Freund Miles.

Dazu kommt, dass der erfolgreiche und gut betuchte junge Mann sowieso jemand ist, der eher allein durch die Welt geht und absollut gar kein Partyhengst ist, auch keiner, der immer in Gesellschaft sein muss oder will. Und Ben Holiday weiß auch , dass er so ist. Denn wenn er sich ehrlich ins Gesicht guckt, dann hat der Tod seiner Frau nur etwas verdeutlicht, das sowieso schon da war.  

Eine Million für ein neues Leben

Holiday ist ein Anwalt mit Ambitionen: Er will seine Klienten wirklich gut vertreten, auch denen mit wenig Geld gegen große Gegner gut zur Seite stehen. Das ist sein Berufsethos. Holiday ist in dieser Hinsicht ein prima Steinbock: zuverlässig, solide, vertrauenswürdig. Er übernimmt Verantwortung und sein Pflichtgefühl ist enorm. Hinzu kommt – obwohl er so ein Eigenbrötler ist – dass er Mitgefühl mit den Schwachen und ein enormes Gerechtigkeitsempfinden hat.

So hat er sein Studium gemacht und es macht ihm großen Kummer, dass sich die Welt in seiner Berufszeit so gewandelt hat, dass Anwälte immer kleinteiliger spezialisiert sind und die Kollegen oft genug nur noch an ihr Einkommen denken und daran, wen sie beeindrucken können, ohne Ansehen von Moral und Selbstachtung. Das widert ihn an.

Und so ist es fast schon Schicksal, als ihm ein Weihnachts-Katalog in den Briefkasten flattert, der noch an seine Frau adressiert ist. Es ist ein Katalog, der sehr exklusive Geschenke für die Reichen anbietet, die eh nicht wissen, was man sich noch Gutes tun kann. Die Privatinsel eines Schauspielers mieten oder ähnliches. Holiday stolpert über die Anzeige „Königreich zu verkaufen“. Für eine Million Dollar kann man in dem Königreich Landover König werden, in dem Elfen, Hexen, Magie und Drachen Realität sein sollen. Ben lässt der Gedanke daran nicht mehr los – und er wagt den Sprung, fliegt zu dem Anbieter und kauft sich ein Königreich.

Eine Million für ein neues Leben

Sein Kumpel Miles hält ihn für total bekloppt, aber Holiday weiß, dass er dringend was tun muss, um nicht komplett abzustürzen. Und die scheinbar bescheuerte Geldabzocke erweist sich als wahr: Er landet wirklich in einem kleinen Land, das ganz anders aussieht als unsere Erde. Er trifft auf eine mittelalterlich anmutende Gesellschaft, die Fehden per Faustkampf ausficht, auf einen Zauberer, der nicht so richtig zaubern kann, auf kleine, lügnerisch veranlagte Gnome, Nymphen und auch einen riesigen Drachen.

Und er erfährt nach und nach, dass ein riesengroßer Betrug hinter allem steckt, dass nämlich der ehemalige König zusammen mit seinem Hofzauberer das Land verlassen hat. Und dass dieser Hofzauberer niemand anders ist als der Verkäufer des Königreichs. Und auch, dass das Land ohne einen König nicht überleben kann – das ist eine magische Sache, hinter die Holiday erst nach und nach steigt.

König mit Ehre und Pflichtbewusstsein

Was sich aber recht schnell herausstellt, ist, dass Bens Instinkte für Gerechtigkeit und Pflichtbewusstsein sehr schnell erwachen, als er bei seiner Krönung nur ein paar ärmliche Menschen sieht, die ihn mit verzweifelter Hoffnung betrachten. Die gehen ihm nicht aus dem Kopf und er weiß, dass er sich durchbeißen will und ihnen zu einem guten Leben verhelfen möchte. Natürlich hat er noch keine Ahnung von den Gebräuchen und Abläufen seiner neuen Heimat, aber er stellt von Anfang an seine Steinbock-Natur unter Beweis, als er sich sofort als loyal und ehrlich seiner neuen Verantwortung stellt.

Manches Mal ist er schier am Verzweifeln, wenn etwa einer nach dem anderen seiner Untertanen Bedingungen stellt, unter denen sie ihn als König anerkennen. Manches Mal will er am liebsten das Handtuch werfen – aber dann denkt er immer an die zerlumpten Gestalten, die bei seiner Krönung da waren und dass er ihnen helfen will und muss.

Ben Holiday ist ein Steinbock in Reinkultur; pflichtbewusst, verantwortungsvoll und absolut zuverlässig. Bei ihm kann man wunderbar sehen, wie ein Steinbock in Bestform sein kann. Aber während er diese Tugenden lebt, so ist er doch glücklicherweise ein Steinbock ohne die schwache Seite dieses Sternzeichens: Er wird, auch wenn er verzweifelt ist, nicht dogmatisch oder herrisch. Er versucht nie, die anderen mit Gewalt und Starrsinn von seinen Ideen zu überzeugen. Dazu ist er ein viel zu gut geschulter Anwalt, der versucht, die ganze Situation zu überblicken, um dann eine Strategie zu entwickeln. Und ab und an handelt er einfach spontan und auch das funktioniert ganz gut.

Was er aber auch kann, ist sich bei seinen neuen Freunden auszusprechen, wenn er verzweifelt ist. Das ist manches Mal ein bisschen jammerig, aber vollkommen in Ordnung. Irgendwohin muss man ja mit seinem Frust.

Also liebe Steinböcke (und manch anderer auch): Es ist nicht nötig, auf seinen Ansichten zu beharren. Man kann auch mal alles von allen Seiten betrachten, um dann zu überlegen, was man tun muss. Manches Mal kommt man so zu interessanten Erkenntnissen – und wenn es nur ist, die Beweggründe des Gegenübers zu sehen. Man muss sie ja nicht übernehmen.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Königreich zu verkaufen
Autor Terry Brooks
Seiten 346
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Goldmann
Jahr 1987

 Das Buch ist nur noch antiquarisch zu erhalten.


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