chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

TKKG

Pflichtgefühl, Verantwortung und Zuverlässigkeit – das beschreibt Tarzan, seines Zeichens Anführer der Gerechtigkeitsliga TKKG, ziemlich genau. Tim, wie er sich später rufen lässt, als er festestellt, dass sich die Eigenschaften seines ersten Namenspatrons nicht unbedingt mit seinen eigenen decken, hat sich den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Verbrechen auf die Fahnen geschrieben. Er und seine Freunde Karl, Klößchen und Gaby (jaaaah, die Initialen bilden den Bandnamen, genau wie bei ABBA) lassen daher keine Gelegenheit aus, fiese Verbrecher hinter Gitter zu bringen.

Doch nicht nur Diebstahl, Tierquälerei, Erpressung und Drogenhandel gehen dem 14-jährigen Internatsschüler gewaltig gegen den Strich. Auch Alkohol und Zigaretten, Bewegungslosigkeit und Dummheit mag der Prachthannes gar nicht gern.  Denn er selbst lebt gesund, macht gern Mathe und treibt Sport, dass man ihm Leni Riefenstahl auf den Hals hetzen möchte. Dass bei dieser Leidenschaft höchstens seine große Liebe Gaby mithalten kann, versteht sich. Die anderen beiden Jungs sind zwar zweifellos auch nicht dumm, aber mit der Disziplin und vor allem mit der körperlichen Fitness ihres Alpha-Männchens kommen sie nicht mit. Dass er die beiden trotzdem mag, ist da fast ein Wunder.

Die Bösen saufen, die Guten laufen

Was schimpft Tarzan/Tim sonst bei jeder Gelegeheit auf den Verfall der Gesellschaft: Jeder, der mal ein Glas Rotwein trinkt, steht schon mit einem Bein im Alkoholismus; Raucher kratzen am Existenzminimum und an der Chemotherapie und über Haschisch wollen wir lieber gar nicht sprechen. Seiner Weltanschauung entsprechend lässt Autor Stefan Wolf ihn konsequent auch nur auf solche Leute treffen: Alkoholiker, Kettenraucher, Junkies. Die logischerweise dann auch die Verbrecherbanden bilden. Alle Guten dieser Jugendkrimireihe meiden schon ein Mon Cherie wie der Teufel das Weihwasser.

Das alles wäre im Sinne einer pädagigisch wertvollen Kinder-Lektüre ja noch durchaus nachvollziehbar, aber bei diesem Charakter war bei mir definitv Schluss. Er ist einfach ein arroganter Mistkerl, der seine eigenen Ideale nicht anderen näherbringen, sondern sie der ganzen Welt aufzwingen will. Er verhält sich anderen weniger perfekten Menschen gegenüber voreingenommen und letzten Endes unfair, denn er verurteilt sie aufgrund eines Verhaltens, welches er nicht kennt, sondern dessen Zeuge er meistens nur einmal wird. Und während er andere der Schwäche Sucht bezichtigt, frisst sein Kumpel Klößchen mehrere Tafeln Schokolade pro Tag. Zwanghaft.

Vertrauen ist gut, Kontrolle macht sauer

So ist halt auch der sture Steinbock manchmal. Er ist treu, zuverlässig und hat keine Angst vor Verantwortung, verlangt aber von seinen Mitmenschen, ebenso tugendhaft zu sein wie er. Das ist verständlich, wird aber spätestens dann anstrengend, wenn er seine Vorstellung der Welt jedem nicht mehr nahebringen sondern aufzwingen möchte. So wie oben beschriebener Tim.

Ideale sind eine tolle Sache und wenn sie mit Zuverlässigkeit und Konsequenz verbunden sind, ist das umso besser. Denn nur dann kann man in solche Ideale und in den Menschen, der sie vertritt, Vertrauen aufbauen. Und nur so kann dieser Mensch andere von seinen Werten und Vorstellungen überzeugen. Überzeugen wohlgemerkt, nicht aufdrücken, denn sonst tritt der gegenteilige Effekt ein. Und dann, wenn alle potenziellen Jünger weggelaufen sind vor lauter Angst, steht der Idealträger ganz allein da und bekommt genau das nicht, was er sich am meisten wünscht: Einfluss nehmen zu können.

Also, Meister Steinbock, wir lieben dich und lassen uns gern von dir etwas erzählen und beibringen, um als bessere Menschen die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Aber du musst auch uns vertrauen: dass wir dich nicht im Stich lassen, nur weil wir etwas anders sehen als du. Und vor allem musst du Nachsicht mit uns haben. Wir sind nicht und wir wollen auch nicht so perfekt sein wie du. Wir sind eben anders. Aber das heißt nicht, dass wir nicht auch zuverlässig, verantwortungsvoll und pflichtbewusst sein können. Danke!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel TKKG
Autor Stefan Wolf
Seiten unterschiedlich
Ausstattung Hardcover//Taschenbuch
Verlag Pelikan
Jahr seit 1979

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