chairlounge

Bücher über kleine, große und fremde Welten

Es muss nicht immer Kaviar sein

Foto von Filet Wellington

Bei einem Steinbutt mit Austern als Vorspeise, Filet Wellington (siehe Foto) im Hauptgang und Salzburger Nockerln als Dessert wurde die Idee für dieses Buch geboren: Simmel behauptet, Thomas Lieven getroffen und seine Lebensgeschichte aufgeschrieben zu haben.

Ein Genießer ist er, einer, der sich gern gut kleidet, seine goldene Repetieruhr hütet wie seinen Augapfel, der kocht wie gelernt, die Frauen liebt und am liebsten in Ruhe und Frieden leben möchte. In seinen Club gehen. An einem Ort ohne Aufregung sein. So einer ist dieser „stierartige“ Thomas Lieven, der Held aus Johannes Mario Simmels Klassiker „Es muss nicht immer Kaviar sein“. Aber leider wird der smarte Wahllondoner mit deutschem Hintergrund von seinem Bankierspartner übers Ohr gehauen – und ist fortan a) auf der Flucht vor und b) in Diensten deutscher, britischer, französischer und russischer Geheimdienste – und versucht sie alle ständig auszutricksen. Damit nicht genug, wird in dem seitenstarken Wälzer noch geliebt und gekocht, was das Zeug hält.

Genieße das Leben – egal, wie schlimm es ist

Egal, wo Lieven ist, egal, was er gerade macht: Zeit für Affären mit schönen Bandenchefinnen, Agentinnen, Schauspielerinnen etc. bleibt immer. Und Zeit, alle Schwierigkeiten bei einem guten Essen zu überdenken oder die Mitesser zu überzeugen, genau das zu tun, was der Agent wider Willen gerne möchte. Das Essen wird fast immer von Lieven selbst zubereitet und er doziert dann über die Zubereitung, während nebenbei ein großer Coup gedealt wird.

Einer der häufigsten Aussagen des Romans ist, dass Thomas Lieven denkt: „Junge, Junge, wenn ich das im Pub erzähle“, gepaart mit dem Willen, einfach nur in Frieden leben zu wollen. Frieden aber gibt es zur Romanzeit nicht: Es ist der Zweite Weltkrieg und alle Abwehrorganisationen sind hinter dem Mann mit den tollen Ideen her. Und so lernt der Genießer und Friedenssucher, sich seinen Genuss trotz Krieg und sonstigen Widrigkeiten zu bewahren und ihn zu leben.

Davon kann jeder, nicht nur die Stiere, lernen: sich nicht grämen, dass beim Kochen ein Patzer passiert ist, sondern gucken, was man daraus machen kann. Sich etwas Gutes gönnen, wenn man gerade ganz fertig ist. Oder auf eine friedvolle Art jemanden von den eigenen Ideen überzeugen.

Selber kochen!

Übrigens kann man alle Essen aus dem Buch selbst zubereiten: Die Rezepte sind abgedruckt. Ich wollte das immer machen, aber wie so vieles ist es nicht dazu gekommen. Für den Genussmensch Stier ist es aber sicher eine tolle Gelegenheit, sich inspirieren zu lassen und die Angebetete lecker zu bewirten – oder einen Geschäftsdeal abzurunden. Gilt natürlich auch für „Stierinnen“.

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Es muss nicht immer Kaviar sein
Autor Johannes Mario Simmel
Seiten 752
Ausstattung Taschenbuch
Verlag Knaur TB
Jahr 1963

Diese Ausgabe ist aktuell lieferbar, Knaur hält auch eine E-Book-Ausgabe bereit. Man kann den Roman aber auch gut in einem Antiquariat aufstöbern …


zurück zum Stier
zurück zum Buchhoroskop

Foto: © Michael C Berch/Wikimedia Commons

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: