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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Malwine in der Badewanne

Wie jedes Jahr an seinem Geburtstag ist der kleine Ulli vor allem auf eines sehr gespannt: Das Geschenk von seinem Onkel MacAllister aus Schottland. Es ist regelmäßig ein Beitrag für seine Naturkundesammlung und immer etwas ganz Besonderes. In diesem Jahr ist es jedoch besonders gelungen: eine kleine Kaulquappe, die Ulli gleich am nächsten Tag stolz seiner Klasse präsentiert. Seine Lehrerin ist begeistert und will mit ihren Schülern zusammen das Wachsum des kleinen Tieres beobachten. Doch entgegen ihrer Erwartung lässt Autor Steven Kellogg nicht direkt einen Frosch daraus werden …

Es beginnt alles ganz harmlos – das Geschenk des Onkels sieht aus und benimmt sich wie eine Kaulquappe, ergo muss es eine sein! Doch als die possierliche Startamphibie im Stadium des Frosches angekommen ist, denkt sie nicht im Traum daran, mit dem Wachsen aufzuhören. Im Gegenteil: Nach kürzester Zeit ist Malwine – wie Ulli sein Haustier getauft hat – nicht nur aus ihrem Glas, sondern auch aus dem Spülbecken herausgewachsen.

Größe zählt eben doch …

Und damit fangen die Probleme an. Klar, dass die Lehrerin Malwine nicht mehr im Klassenraum duldet, nachdem alle Schüler gleichzeitig auf ihr reiten durften. Selbstverständlich ist auch, dass die Hingabe von Ullis Eltern für ein Tier, das allmählich die Ausmaße des Badezimmers sprengt, nicht ewig hält. Und völlig klar ist jetzt vermutlich jedem die Trauer und Verzweiflung von Ulli, der nicht weiß wohin mit seinem neuen Liebling.

… aber warum eigentlich?

Malwine hingegen bekommt zwar im Groben die Aufregung um ihre Person mit, freut sich aber bei jeder Gelegenheit aller Dinge, die ihr widerfahren. Der ganze Buhei, so scheint es, tangiert sie wenig – ihr sind erfreuliche Dinge schlicht wichtiger und so genießt sie den Trubel regelrecht. Vor allem, wenn sie ihre geliebten Käsebrötchen essen darf (und davon jede Menge, versteht sich …) könnte es ihr gar nicht besser gehen. Im Grunde will sie nur eines: Mit Ulli und einem ewigen Nachschub an belegten Semmeln ein kuschelig-feuchtes Zuhause haben, in dem sie tauchen und schwimmen kann, ohne jemandem zur Last zu fallen. Denn diese beiden Dinge gehören zu ihren absoluten Lieblingsbeschäftigungen: Sobald sie mit Ulli (plus oder ohne weitere Freunde) im Wasser herumtollt, strahlt sie wie ein Honigkuchenstier. Ihr ahnt es: in Malwines Traum vom ewigen Glück im wohligen Nass manifestiert sich bereits das genussfreudige Wesen des Hörnertieres, um das es hier geht.

Dank einer findigen Bibliothekarin (wir wussten, dies sind die wahren Helden!) und Malwines Fähigkeit, Gegenstände aus tiefen Gewässern zu holen, findet Ulli übrigens für alle eine super Lösung. Das sei gesagt, ohne zu viel verraten zu wollen. 

Probier’s mal mit Genüsslichkeit

Der Stier, so sagt man, kann genießen und will genießen. Seien die Umstände noch so widrig. Herzen erobert der Charmeur im Sturm und verfügt überdies über ein blendendes Aussehen. Malwine schwelgt in Genüssen wie ein Profi. Käsebrötchen, aber auch die Gesellschaft von Menschen findet sie einfach super. Auch als im Schwimmbad, in dem sie kurzfristig und notdürftig Asyl findet, überraschend ein Schwimmwettbewerb der Schule stattfindet, freut sie sich wie irre über den Trubel und hätte nichts dagegen, mit den Kids noch ein bisschen zu feiern. Das darf sie dann endlich beim Happy End – und schwelgt unendlich glücklich im Genuss, mit allen Kindern der Nachbarschaft in einem riesigen Pool zu schwimmen.

Charmant ist Malwine ohne Ende. Und wickelt jeden um den Finger, sobald der seinen anfänglichen Respekt vor dem Riesentier überwunden hat. Auch Ullis Eltern – obwohl sie Malwines Größe problematisch finden – lieben Ullis neue Freundin. Sie ist einfach herzensgut und in ihrer Art und Weise, allem etwas Schönes abgewinnen zu können, direkt ansteckend. Blendende Schönheit? Nun ja, darüber kann man streiten. Aber niedlich ist Malwine auf jeden Fall. Und wodurch sollte Schönheit definiert werden, wenn nicht durch den Reiz, Schönheit ansehen zu wollen … Malwine will jeder sehen!

Das Tolle an einem Stier kann also einfach sein, dass er überall das Schöne sucht – und oft auch findet. Was wiederum nichts anderes bedeutet, als dass man ihm vielleicht öfter mal folgen sollte … gedanklich und wirklich. Klar, ein bisschen aufpassen, dass er im Schwelgen nicht die Realität auf die Hörner nimmt, kann nicht schaden. Aber bevor man ihn vollständig auf den Boden der Tatsachen zurückholt, lohnt sich vielleicht die Überlegung, ihm ein Stück entgegen zu kommen – und einen Millimeter Boden zu verlieren.

 

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Malwine in der Badewanne
Autor Steven Kellogg
Seiten 31
Ausstattung Hardcover/Bilderbuch
Verlag Friedrich Oetinger
Jahr 1977

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