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Bücher über kleine, große und fremde Welten

Pu, der Bär

„Ein kleiner Mundvoll Irgendwas“, am besten so gegen elf Uhr morgens, am allerbesten mit Honig drin, dann ein schnelles Gedicht oder Liedchen und eine gute Tat, zuweilen eher aus Versehen getan – so lebt ein kleiner feiner genusssüchtiger Stier am Rande des Hundertsechzig-Morgen-Waldes: Pu, der Bär.

A. A. Milnes liebe kleine Gestalt ist zwar „ein Bär von geringem Verstand“, aber das macht schlichtweg überhaupt nichts. Pu, ein bisschen langsam im Denken, macht sich nichts daraus, dass er eine ganze Menge nicht versteht, weil seine Gedanken wieder wandern und mäandern: Wie kommt man an den Honig heran? Warum ist es im Leben so und so? Könnte man nicht bald mal wieder etwas schnabulieren? Was will Kaninchen hier schon wieder von mir, es war so schnell, dass ich den Anfang schon wieder vergessen habe? Ich glaube, ich  muss heim und schauen, ob meine Honigtöpfe noch alle da sind.

Ein Bär von geringem Verstand

Der Bär weiß, dass er wenig weiß – und das macht ihn und seine Taten so charmant: Offen bekennt er, wenn er nichts versteht. Umso überraschter ist man dann, wenn er wieder und wieder Sachen macht, die gut für seine Freunde sind, die ihnen weiterhelfen und in denen sich sein großes Herz und seine Fürsorge für seine Lieben zeigt. Ein Beispiel: Eines Tages trifft Pu auf seinen Freund I-Ah, den Esel. Ein Graufell mit eher depressivem Gemüt, ist heute noch schlechter drauf als sonst. Als Pu um ihn herumgeht, stellt er fest, dass I-Ahs Schwanz fehlt und begibt sich sofort auf die Suche nach dem verschollenen Körperteil des Freundes – und wird auch fündig.

Pu sorgt sich um seine Lieben wie ein echter Stier. Was ihn aber noch „stieriger“ macht, ist meiner Ansicht nach seine Genusssucht: Ohne Honigschlecken kann er nicht leben. Das heißt nicht einfach mal ein Löffelchen Honig in den Tee oder aufs Butterbrot. Nein! Da wandert der Bär eines Tages durch den Wald und kommt an einem Eingang zu Kaninchens Höhle vorbei. Es ist gerade Zeit, wieder an den „kleinen Mundvoll“ zu denken. Und was macht man da? Man besucht seinen Freund Kaninchen. Kaninchen lädt Pu auch ein und fragt höflich, ob Pu Honig oder Kondensmilch zum Brot wolle. Und Pu ist so aufgeregt, dass er „beides“ sagt – und das ist ihm dann doch ein wenig peinlich und so schiebt er schnell hinterher, dass Kaninchen das Brot aber auch weg lassen könne … Und als sie sich satt gegessen haben (zumindest Kaninchen), versucht er so höflich wie möglich, nicht auf Kaninchens Vorratsschrank zu gucken und nicht zu sagen, dass er gerne noch mehr hätte. Und dann kommt er nicht mehr aus dem Loch heraus, sondern bleibt darin stecken, weil er sich so vollgefressen hat. Und der arme kleine Bär muss eine ganze Woche hungern, damit er wieder aus Kaninchens Bau raus kommt.

Schmecken, schmecken, schmecken!

Liebevoll und einfühlsam, sagt man, seien die Stiere. Das ist auch der Bär. Genießerisch sowieso – auch wenn ich es schwer fände, mit jemanden zusammenzuleben, der sooooooo genießerisch ist, dass er manchmal keinen anderen Gedanken in seinen Kopf kriegt, wenn es gerade „kurz vor elf“ ist. Auf der anderen Seite: Vielleicht sollten wir uns eine dicke Scheibe von dem freundlichen Meister Petz abschneiden und beim nächsten Essen einfach nichts anderes tun, als es zu genießen: Handy aus, Zeitung weg, Augen zu und SCHMECKEN. Mmmmmmmh!

Interessiert? Hier die Fakten:

Titel Pu, der Bär – Gesamtausgabe
Autor A. A. Milne
Seiten 328
Ausstattung Taschenbuch
Verlag dtv junior
Jahr 2001

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